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Schleswig-Holstein Agrarexperte fordert Gülle-Kontrollen
Nachrichten Schleswig-Holstein Agrarexperte fordert Gülle-Kontrollen
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09:00 28.03.2018
Von Christian Hiersemenzel
Ein Landwirt bringt Gülle aus. Quelle: Philipp Schulze
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Kiel

Prof. Taube, Ihr Institut hat aufgedeckt, dass Schleswig-Holsteins Gülleanfall mit 27 Millionen Tonnen pro Jahr um neun Millionen höher ausfällt, als es die Statistik angibt. Wie kommt es zu diesem drastischen Unterschied?

Friedhelm Taube: Die Berechnungsgrundlage, die das Statistikamt Nord laut Vorgaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums anwenden muss, beruht auf einer Hochrechnung. Wir sind anders vorgegangen: Wie viele Tiere, was wird ausgeschieden? Welche Trockensubstanzen haben wir in der Gülle, die dann tatsächlich ausgebracht wird, und welche Stickstoffgehalte haben wir darin?

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Was fordern Sie?

Wir haben seit Juni 2017 ein neues Dünge-Gesetz. Es sagt erstmals, dass es nicht alleiniger Zweck von Düngung ist, gute Erträge zu realisieren, sondern dass es das absolut gleichrangige Ziel ist, die Nährstoffausträge in die Umwelt zu reduzieren.

Und daran halten sich die Landwirte nicht?

Das macht ja niemand absichtlich. Es geschieht entweder aus Unwissen, mangelnder Sensibilität oder in Erwartung höherer Erträge, die aber tatsächlich nicht eintreten. Da ist ein Umdenken notwendig – über Beratung, aber nach 25 Jahren mit intensivster Beratung ohne entsprechende Erfolge eben auch über das Ordnungsrecht. Bei Überschreiten gewisser Standards sollten Zahlungen anstehen, die eine Verhaltensänderung versprechen, um die Ziele auch zu erreichen.


Landwirtschaftsminister Robert Habeck sagt, dass wir zu viele Nutztiere haben.

Über das ganze Land verteilt haben wir nicht zu viele Tiere. Aber sie sind zu ungleichmäßig verteilt. Entscheidend ist die Nutztierdichte pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Umgerechnet bis zu eineinhalb Kühe pro Hektar ist noch in Ordnung, und im Landesdurchschnitt haben wir – um im Bild zu bleiben – sozusagen eine Kuh pro Hektar, das ist somit nicht das Problem.

Wie viele sind es tatsächlich?

In einigen Regionen sind es deutlich über zwei. Wir haben zu viele Tiere in den nitratsensiblen Gebieten, nämlich auf der Geest – gerade da, wo wir durchlässige Böden haben und das Nitrat schnell im Grundwasser ankommt.

Das ganze Interview lesen Sie in der Mittwoch-Ausgabe der Kieler Nachrichten.