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Schleswig-Holstein Corona-Sorgen von der Seele reden
Nachrichten Schleswig-Holstein Corona-Sorgen von der Seele reden
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20:29 30.04.2020
Von Clemens Behr
Life-Coachin Svenja Kalden aus Kiel engagiert sich in der Corona-Krise ehrenamtlich für die Initiative „Redezeit für dich. #virtualsupporttalks“. Quelle: Uwe Paesler
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Kiel

Sorgen um den Job oder das eigene Geschäft, Einsamkeit und Isolation – die Corona-Krise bringt viele Belastungen mit sich. Die InitiativeRedezeit für dich. #virtualsupporttalks“ richtet sich an Menschen, die mit diesen Herausforderungen allein umgehen müssen, weil sie niemanden zum Reden haben.

150 Coaches bieten Hilfe in Ausnahmesituation

Mehr als 150 geschulte Coaches haben sich deutschlandweit zusammengeschlossen und beteiligen sich ehrenamtlich an der Initiative. Sie wollen in dieser Ausnahmesituation Hilfe bieten. Zu ihnen gehört auch Svenja Kaden. Die 33-jährige Kielerin ist ausgebildete Life- und Business-Coachin. In anderen Zeiten sind Führungskompetenzen, Teamentwicklung und Unternehmenskultur ihre Themen.

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Wegen ganz unterschiedlicher Sorgen kommen Menschen auf sie in der Corona-Zeit zu. „Da geht es um Bedenken, ob das Geschäft die Phase wirtschaftlich übersteht. Es melden sich Mamas und Papas, die im Homeoffice gleichzeitig die Kinder betreuen müssen und am Limit sind, oder auch Leute, die Angst haben, dass auf Kurzarbeit die Kündigung folgen könnte“, erzählt Kaden.

Zuhören und Resonanz geben, aber nicht bewerten

Bis zu einer halben Stunde können Bedürftige über ihre individuellen Probleme reden – gratis. Die Coaches verdienen damit kein Geld. „Wir hören zu, können Resonanz geben, bewerten aber nicht“, erklärt Kaden. Vor allem sei „Redezeit für dich.“ ein Angebot, um sich Probleme von der Seele reden zu können. „Mit dem Partner oder Freunden ist das nicht immer einfach. Dann wird die Belastung nur verlagert. Wir können dagegen eine neutrale Ebene bieten.“

Redezeit meist noch am gleichen Tag

Die Gespräche finden virtuell statt – per Telefon, Skype, Zoom, Whatsapp oder Facetime. Einige Hilfesuchende rufen direkt an und fragen, ob es gerade passt, andere melden sich zunächst per Mail. „Egal wie, ich versuche immer noch am gleichen Tag Zeit zu finden, spätestens am nächsten Tag. Denn das Angebot soll bei akuten Bedürfnissen helfen.“

Professionelle psychologische Angebote werden nicht ersetzt

Professionelle psychologische Unterstützung kann „Redezeit für dich.“ nicht ersetzen. „Ich bin keine ausgebildete Psychotherapeutin. In einigen Situationen merke ich schnell, dass ich an meine Grenzen komme. Dann verweise ich auf andere Hilfs- und Unterstützungsangebote.“ Das mache auch die Seriosität der Initiative aus.

Corona wird uns noch lange begleiten

„Auch wenn nun schon erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Kraft getreten sind, wird uns diese Zeit nachhaltig beschäftigen und begleiten“, glaubt Kaden. Zurzeit bedrücke aber vor allem „dieses große Fragezeichen, das im Raum steht, wann die Krise vorbei ist, viele Menschen stark“.

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Die Business-Coachin selbst kann wegen Corona ihrem größten Hobby nicht nachgehen. Kaden ist leidenschaftliche Surferin, nutzt in ihrer Freizeit jede Möglichkeit, um ans Meer zu fahren und Europas Surf-Spots zu bereisen. Ein Surfurlaub ist nun schon wegen der Corona-Pandemie ins Wasser gefallen. „Das war schade, aber in Kiel haben wir es doch noch landschaftlich ganz gut. Von hier aus ist man schnell am Wasser und kann den Kopf freikriegen.“ Das klappt dann ganz ohne Worte.

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