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Schleswig-Holstein 12 Flüchtlinge in Container entdeckt
Nachrichten Schleswig-Holstein 12 Flüchtlinge in Container entdeckt
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19:19 13.05.2018
Von Heike Stüben
Foto: Die Bundespolizei hat im Lübecker Hafen zwölf Flüchtlinge in einem Container entdeckt. Es handelt sich um Kinder und Erwachsene.
Die Bundespolizei hat im Lübecker Hafen zwölf Flüchtlinge in einem Container entdeckt. Es handelt sich um Kinder und Erwachsene. Quelle: Thomas Krohn/dpa
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Lübeck

Gutes Ende einer Flucht: Zwölf Flüchtlinge, darunter zwei Babys, sind in einem Container auf einem Güterzug von Italien nach Lübeck geschleust worden. Alle haben überlebt, weil sich einer der Männer im Hafen Lübeck-Travemünde aus dem Container befreien konnte, bestätigte Gerhard Stelke, Sprecher der Bundespolizei.

Der Güterzug mit dem Container sei am Sonnabend in Italien gestartet, habe etwa um Mitternacht die deutsche Grenze passiert und sei am Sonntagmorgen am Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde angekommen. Dort sollte der Container später auf einen Lkw umgeladen und nach Skandinavien gebracht werden.

Hafenmitarbeiter sprach Schwarzafrikaner an

Kurze Zeit später fiel einem Mitarbeiter der Lübecker Hafengesellschaft ein Afrikaner auf, der aus einem Container kletterte und über die Gleisanlagen lief. „Der Mitarbeiter sprach ihn an und die Person gab ihm zu verstehen, dass in dem Container noch mehr Menschen seien“, erklärte Gerhard Stelke. Daraufhin habe der Hafen-Mitarbeiter sofort den Rettungsdienst, Notarzt und die Bundespolizei alarmiert.

Die Einsatzkräfte entdeckten kurz darauf die übrigen Flüchtlinge in dem Container: sechs Erwachsene und sechs Kinder aus Nigeria und Sierra Leone. „Die beiden Säuglinge waren noch sehr jung, einer höchstens vier Wochen alt. Wir gehen davon aus, dass das Kind unterwegs auf der Flucht geboren worden ist. Man will sich nicht vorstellen, was das für Mutter und Kind bedeutet“, sagte Stelke.

Wie kamen die Flüchtlinge in den Container?

Die Flüchtlinge seien sofort medizinisch untersucht worden. Der Notarzt habe keine Verletzungen oder Erkrankungen feststellen können. Der Gesundheitszustand sei den Umständen entsprechend gut. „Vorsorglich sind die Mütter mit den beiden Säuglingen und den vier anderen Kindern jedoch ins Krankenhaus gebracht worden.“

Die Angaben zur Identität und den Fluchtumständen müssen noch überprüft werden. Die Flüchtlinge hatten, wie meist von Schleusern verlangt, keine Papiere bei sich. Bisher geht die Polizei davon aus, dass die zwölf durch eine nachträgliche Öffnung in den Container gelangt sind.

„Die Tür und die Verplombung waren jedenfalls nicht beschädigt. Das wäre auch bei Zollkontrollen aufgeflogen“, sagte Stelke. Im Lübecker Hafen gelang es dann offenbar einem Mann, über die illegale Öffnung den Container wieder zu verlassen. „Nicht auszudenken, wenn er nicht herausgekommen wäre und sich der Container tagsüber in der Sonne erhitzt hätte“, sagte Stelke.

Flüchtlinge werden wohl Asylantrag stellen

Sollten die Flüchtlinge wie erwartet Asyl begehren, werden sie in eine Asylunterkunft gebracht. Ziel von Polizei und Staatsanwaltschaft ist es, die Drahtzieher der illegalen Schleusung zu ermitteln.

Sobald die Mütter und Säuglinge wieder aus dem Krankenhaus kommen, will die Bundespolizei die Gruppe befragen. Wohin sie wollten, ist noch unklar.

In einem Container versteckte Flüchtlinge seien Stelke seit längerem nicht mehr begegnet. Während der Flüchtlingskrise 2015 war das häufiger vorgekommen - zum Teil mit dramatischen Folgen. Im August 2015 waren 71 Flüchtlinge im Laderaum eines Kühllasters in Österreich erstickt.

Rückblick: Längere Zeit bei Minusgraden ausgeharrt

Zuletzt waren etwa im März 2018 in Weil am Rhein an der deutsch-schweizerischen Grenze mehrere Flüchtlinge in Containern entdeckt worden. Die 14 Männer und zwei Frauen aus Afrika waren auf einen Zug geklettert und hatten sich in drei Containern versteckt, wie die Bundespolizei damals mitteilte.

Der Zug war von Norditalien über die Schweiz nach Deutschland gefahren, im Güterbahnhof in Weil am Rhein wurden die Container abgeladen. Die Flüchtlinge hatten den Angaben zufolge längere Zeit bei Minusgraden in den Containern ausgeharrt.

Von Heike Stüben/mit dpa