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Schleswig-Holstein Luther weer en Sprakenmeister
Nachrichten Schleswig-Holstein Luther weer en Sprakenmeister
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06:00 27.03.2017
Von Heike Thode-Scheel
Kalligraphie vun Schriftenkünstlerin Petra Beiße. Quelle: Staatl. Geschäftsstelle "Luther 2017"
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He weer een Spraken-Meister dörch un dörch. Denn so eenfach weer dat nich, de latienschen Wöör vun’e Bibel in Düütsch to översetten. Denn Düütsch, so as wi dat hüüt kennt, dat geev dat dor noch gor nich. Veele lütte Staaten, Königrieke un Herzogtümer harrn ehr egen Mundaart. Över twintig Spraken un Dialekte geev dat in’t Middelöller in Düütschland.

Un de weern Luther een „Ärgerniß“ för sien Arbeit, as he in een Dischreed seggt: „Deutschland hat so viele Dialekte, dass die Leute in einem Abstand von 30 Meilen einander nicht verstehen.“ Dat wull he ännern – dormit alle Lüüd Gott’s Woort överall wiss würrn. He sölben is mit verscheden Dialekte groot wurrn: Sien Vadder hett den nedderdüütschen Dialekt Ostfälisch schnackt, sien Modder Thüringisch, de Spraak vun sien Heimat weer Sächsisch. Un mit’e Jungs op’e Straat warrd he Nedderdüütsch schnackt hebben, meent de Experten. In’e School un in’t Studium hett de Theologie-Student denn noch Latiensch liert,  Hebräisch un Greeksch. Een Sprakenkünstler hebbt se em nöömt.

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Aver he is nich blots mit verscheden Spraken groot wurrn, he is ok mit Minschen ut ganz verscheden Stände tosamen kamen. Dat weer een feine Saak för sien Luther-Bibel. Denn de Karkenmann hett sik överall ümhöört, is in’e enkelten Dialekte indüükert – sotoseggen de „Immersionsmethode“ vun’t Middelöller: „Um die Texte auf Deutsch zu formulieren, muss man allerdings nicht etwa die lateinischen Vorlagen heranziehen. Die Hausfrau bei der Arbeit, die Kinder beim Spiel, die Bürger auf dem öffentlichen Platz, – das sind die Doktoren die man befragen muss: Von ihrer Mundart muss man lernen wie gesprochen wird und was verstanden wird: hat man sich dem unterzogen, so werden alle auch Eure Sprache verstehen“, schrifft Luther 1530 in‘n Breef över de Kunst vun’t Översetten. Wokeen kennt nich den Luther-Schnack „Dem Volk aufs Maul schauen“?

Un so kann een in’e Lutherbibel ok veele nedderdüütsche Begriffe utklamüüstern. „Schon Luther hat bei seiner Bibelübersetzung immer wieder Niederdeutsches gegen Hochdeutsches ausgewählt“, meent Germanistik-Perfesser Karl-Heinz Göttert in sien Book „Alles außer Hochdeutsch“. Vun överall her hoolt sik de Prediger Wöör un Schnacks. Un nich blots dat. He dinkt sik ok niege Wöör ut. Luther is berühmt för sien Wortschöpfungen, de hüüt Dag för Dag in uns Spraak jümmers wedder opdüükert: Sündenbock, Machtwort, Lückenbüßer, Lästermaul – dat sünd blots een poor. Mankmol hett he tosamen mit sien Frünn twee, dree Weeken üm een Woort rungen. Spraak weer em wichtig: „Die Sprachen sind schöne, große, herrliche Gaben Gottes“, heet dat in een Dischreed vun em.

Kloor un düütlich un mit veele Biller versehn – dat weer de Luthersche Spraak. Un jüst so hett he ok predigt: „Item sollst du in öffentlichen Predigten nicht hebräische, griechische oder fremde Sprache gebrauchen, denn in der Kirche oder Gemeinde soll man reden, wie im Hause daheim, die einfältige Muttersprache, die jedermann verstehet und bekannt ist.“ Denn dat is een „Unsitte, mit griechischen, hebräischen oder lateinischen Brocken zu glänzen, um zu zeigen, wie klug man ist.“ De Plattdüütsche würr seggen: „Schooster, bliev bi diene Leisten“. Un Luther hett Recht beholln: Sien düütsche Bibel is een Bestseller wurrn. Dat is natürli ok Gutenberg to verdanken: „Die hohen Wohltaten der Buchdruckerei sind mit Worten nicht auszusprechen. Durch sie wird die Heilige Schrift in allen Zungen und Sprachen eröffnet und ausgebreitet“, swöögt Luther. Un schüfft achterno: "Wer es nicht lesen will, der lasse es liegen."

KN-online (Kieler Nachrichten) 26.03.2017
26.03.2017