Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Nach tödlicher Messerattacke in Psychiatrie
Nachrichten Schleswig-Holstein Nach tödlicher Messerattacke in Psychiatrie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
13:20 28.04.2016
Von Deutsche Presse-Agentur dpa
Nach einer tödlichen Messerattacke wurde ein Mann aus dem Jemen in die Psychatrie eingewiesen. Quelle: Tanja Köhler
Anzeige
Flensburg

Das Flensburger Landgericht hat einen 30-Jährigen wegen eines tödlichen Messerangriffs in einer Sylter Flüchtlingsunterkunft in die Psychiatrie eingewiesen. Das Gericht sah es am Donnerstag als erwiesen an, dass der Mann aus dem Jemen einen 21-Jährigen Somalier mit drei Messerstichen getötet hatte. Da er im Wahn gehandelt habe und schuldunfähig sei, sah das Gericht von der Verhängung einer Gefängnisstrafe ab.

An vier Verhandlungstagen hatte die Große Strafkammer zuvor versucht, ein Motiv für die Attacke im Gemeinschaftsbad des Flüchtlingsheims in Westerland zu finden. Mehrere Mitbewohner gaben an, dass sich der Mann bereits in der Woche vor der Tat verändert habe. Ein junger Somali sagte aus, dass er ihm am Vorabend noch einen Tee angeboten hätte, doch bereits da habe er apathisch gewirkt und gesagt, er sei krank. Nach Angaben der Verteidigerin sei der Mann am nächsten Morgen planlos mit dem Messer durch das Heim gelaufen. „Unfassbares Pech für das Opfer“, sagte sie. Mit Logik lasse sich die Tat nicht nachvollziehen.

Anzeige

Bei seinem Gang durch das Heim stach der 30-Jährige seinem Opfer unvermittelt in den Oberarm, in die Schulter sowie von hinten in den Hals. Der schwer verletzte 21-Jährige konnte sich noch nach draußen schleppen und verblutete schließlich im Rettungswagen.

Nach dem Angriff stellte eine Gutachterin dem Gericht zufolge fest, dass der Täter an einer gefestigten paranoiden Schizophrenie und an Verfolgungswahn leide. Im Prozess schwieg der Mann. „Er fühlte sich von den Somaliern in der Nachbarunterkunft bedroht und hatte die Wahnvorstellung, dass diese seine Schwester, die sich nicht mal in Deutschland aufhält, gefangen hielten“, sagte der Vorsitzende Richter.

Die Tat wertete das Gericht zugunsten des Mannes als Körperverletzung mit Todesfolge, „wobei es auch für Totschlag gute Gründe gegeben hätte“, hieß es in der mündlichen Urteilsbegründung der Kammer. „Es kommt letztlich aber nicht darauf an“, sagte der Richter, da beides so schwerwiegende Taten seien, die beide die zunächst unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie rechtfertigten.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten zuvor ebenfalls die Unterbringung des Täters in der Psychiatrie beantragt. Der Staatsanwalt plädierte jedoch auf Totschlag, da dem Mann trotz seiner psychischen Krankheit die Gefährlichkeit der Gewalttat bewusst gewesen sei. Die Verteidigerin forderte Freispruch, da der 30-Jährige nicht vorsätzlich gehandelt habe und sich während der Tat in einem psychischen Ausnahmezustand befunden habe. Staatsanwalt und Verteidigerin hielten den Mann auch für schuldunfähig.

Im Prozess um einen tödlichen Messerangriff auf Sylt haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung die Unterbringung des mutmaßlichen Täters in der Psychiatrie beantragt.

Deutsche Presse-Agentur dpa 28.04.2016

Die Klagen gegen die A20-Elbquerung sind weitgehend erfolglos geblieben. Wegen eines Planungsfehlers beim Gewässerschutz muss trotzdem noch nachgebessert werden.

Deutsche Presse-Agentur dpa 28.04.2016

Immer mehr Schulen bundesweit setzen mittlerweile auf Ganztagsbetrieb - doch die Ausgestaltung unterscheidet sich einer Studie zufolge von Bundesland zu Bundesland erheblich. Und auch die Schulform spielt eine Rolle. Schleswig-Holstein überrascht dabei in einem Punkt.

Deutsche Presse-Agentur dpa 28.04.2016