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Schleswig-Holstein Leinen los für die neue Fregatte "Baden-Württemberg"
Nachrichten Schleswig-Holstein Leinen los für die neue Fregatte "Baden-Württemberg"
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08:52 16.01.2017
Von Frank Behling
Für die „Baden-Württemberg“ gibt es zwei komplette Besatzungen. Dadurch kann sie zwei Jahre durchgehend im Einsatz bleiben. Quelle: Frank Behling
Hamburg

Es ist das größte Kampfschiff, das seit dem Zweiten Weltkrieg für die Deutsche Marine gebaut wurde. Und nicht nur das: Die neue Schiffsklasse bricht mit einer Fülle an Traditionen in der Marine.

Wenn Kommandant Markus Venker zur Musterung ruft, stehen 130 Frauen und Männer vor ihm. Zum Vergleich: Der 2004 außer Dienst gestellte, letzte deutsche Zerstörer hatte noch 330 Soldaten. Venker fährt jetzt mit seiner weitaus geringeren Besatzung einen 7200-Tonnen-Koloss. Die 149 Meter lange Fregatte ist fast doppelt so groß wie die Vorgängermodelle. Ein so großes Schiff für so wenige Soldaten zu konzipieren, sei eine Herausforderung gewesen, sagt Marc Steffens vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung. „Wir haben da wirklich in vielen Bereichen Neuland beschritten.“ Seit 2005 ist der Itzehoer mit dem Projekt beschäftigt, er kennt jedes Gerät und jeden Lieferanten.

Convenience Food und Tiefkühlwaren

Wie aber schafft man es, ein so großes Kampfschiff mit nur 130 Soldaten zu fahren? Die Tradition, das Mannschaftsdienstgrade für Offiziere die Kammern putzen und Essen servieren, ging als erste über Bord. „Die Offiziere holen sich das Essen jetzt selbst und putzen hier auch ihre Kammern. So wie zuhause“, sagt Kapitän Mecke, der Projektleiter für die Marine. In der Kombüse der „Baden-Württemberg“ sind – statt wie früher zwölf Köchen – jetzt nur noch fünf Köche und ein Bäcker. „Wir verarbeiten jetzt Convenience Food oder Tiefkühlwaren. So wie in vielen modernen Küchen an Land auch“, sagt Koch Asakorn Maijan. Sechs Mahlzeiten lassen sich so im Seebetrieb rund um die Uhr mit wesentlich weniger Köchen produzieren. „Das läuft gut. Wir sind zufrieden“, sagt der Koch.

Zufriedene Gesichter auch bei der Sanität. „Ich habe hier als Chirurgin mit meinem Team unheimlich viel Platz“, sagt Oberstabsärztin Christine Albrecht. Sie hat in ihrem Lazarett gleich mehrere Räume für Eingriffe und Behandlungen. Auch ein Röntgengerät gehört jetzt dazu. „Das alles gab es so bislang auf keiner Fregatte“, sagt die Ärztin. Neu sind auch die vier Einsatzboote. Die zehn Meter langen und fast 50 Knoten schnellen Festrumpfschlauchboote sind bewaffnet und auch für Landungsoperationen geeignet. Für sie werden an Bord je nach Auftrag bis zu 50 Spezialkräfte des Seebataillons aus Eckernförde zusätzlich eingeschifft. Damit hat die Eckernförder Spezialeinheit erstmals auch einen festen Platz in der fahrenden Flotte.

Für die Unterbringung von Besatzung und Spezialkräften gibt es Vierer- und Doppelkammern. Novum: Alle Kammern haben eigene Duschen und Internetanschluss. Neu ist auch im Wohnbereich eine Sprinkleranlage zur Brandbekämpfung. Damit wird wie auf einem Passagierschiff der Brandschutz in den Wohndecks durch automatische Löschsysteme übernommen. Die Zahl der für die Brandbekämpfung eingeplanten Soldaten kann durch die Automatik drastisch reduziert werden.

Überall wird es automatischer

Automation auch im Maschinenraum: Wie bei einem Kreuzfahrtschiff von Aida besteht der Antrieb aus vier Dieselmotoren mit je 3000 Kilowatt, die über Generatoren Strom für das Bordnetz und die beiden Fahrmotoren (4500 Kilowatt) erzeugen. Für die Höchstgeschwindigkeit kann dann noch eine Gasturbine den nötigen Schub für 28 Knoten liefern. Statt mit zwölf Mann kommt Antriebsmeister Manuel Tegeder hier mit vier Unteroffizieren aus.

Und Automation auch bei der Verteidigung: „Wir haben Simone an Bord“, sagt Mecke. Das ist ein Überwachungssystem mit Kameras und Sensoren. Der Name Simone steht für „Ship Infrared Monitoring Observation and Navigation Equipment“. Damit lassen sich auch die fünf schweren Maschinengewehre ferngelenkt steuern. „So muss kein Soldat mehr draußen im Gefahrenbereich stehen“, preist Mecke die Vorzüge.

Kommandant Venker ist stolz. „Es macht einfach Spaß, mit diesem Schiff zur See zu fahren.“ Er befehligt die Besatzung Alpha. Seine Crew teilt sich zur Zeit den Betrieb mit der Besatzung Bravo. Das Konzept sieht den Wechsel kompletter Besatzungen vor. Nur so kann die „Baden-Württemberg“ später bis zu zwei Jahre im Einsatz bleiben. Die Besatzungen können das Schiff innerhalb von Stunden in jedem Hafen der Welt übergeben. Den ersten Wechsel der kompletten Besatzung hat das Schiff im Oktober in Kiel absolviert.

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