Maskenpflicht für Wochenmärkte: Auf der Suche nach Maskenmuffeln in Kiel
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Maskenpflicht für Wochenmärkte: Auf der Suche nach Maskenmuffeln in Kiel

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21:09 24.10.2020
Von Heike Stüben
Wegen der steigenden Corona-Fallzahlen müssen nun auch auf den Wochenmärkten Masken getragen werden - wie hier erstmals am Sonnabend auf dem Exerzierplatz in Kiel.
Wegen der steigenden Corona-Fallzahlen müssen nun auch auf den Wochenmärkten Masken getragen werden - wie hier erstmals am Sonnabend auf dem Exerzierplatz in Kiel. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

Mit der Maskenpflicht eragiert die Landesregierung auf die steigenden Zahlen an Corona-Neuinfektionen. Für die Maßnahme gibt es an diesem Sonnabend in Kiel viel Verständnis, aber auch Kritik. Und einige Besucher ändern ihr Verhalten gar nicht.

Alles wie bisher – das gilt zum Beispiel für Johanna Schenk und Florian Gareis. Denn die beiden jungen Leute tragen schon immer auf dem Wochenmarkt eine Alltagsmaske. Aus Rücksicht und weil sie die Maßnahme sinnvoll finden, wie die Studentin der Geowissenschaft und der Student der Politikwissenschaft und Pädagogik erklären: „Die Maskenpflicht ist richtig. Man ist doch daran gewohnt und hat inzwischen immer die Maske dabei.“

Nicht jeder ohne Maske ist ein Maskenmuffel

Maskenmuffel Das gilt allerdings nicht für einen alten Herrn und ein Pärchen in mittleren Jahren, die gemütlich ohne Mund-Nasen-Bedeckung über den Wochenmarkt schlendern. Der alte Herr erklärt, er müsse wegen einer Lungenerkrankung keine Maske tragen. Er hat auch sein Attest mit – also alles völlig korrekt. Das Pärchen äußert sich gar nicht auf die Frage, sondern steuert lieber zügig den Ausgang des Wochenmarktes an.

Auch der Kommunale Ordnungsdienst der Stadt Kiel ist an diesem Vormittag unterwegs, trifft insgesamt aber nur auf wenige Maskenmuffel. Ohnehin geht es diesmal noch nicht um Bußgelder – an diesem Tag sollen die Bürger nur über die Maskenpflicht aufgeklärt werden. Ansonsten gilt: Wer trotz mehrfacher Aufforderung durch Ordnungskräfte die Maskenpflicht verweigert, muss 150 Euro zahlen.

Masken? Das kleinere Übel!

Doch zumindest bei den Kunden scheint die Maskenpflicht auf große Zustimmung oder zumindest Verständnis zu treffen. „Die Verständigung ist zwar manchmal ein wenig problematisch. Aber grundsätzlich sind Masken sinnvoll, denn wir müssen die Infektionszahlen herunterbekommen“, sagt Sabine Krieter, die sich gerade mit frischen Blumen eingedeckt hat, und ihre Freundin Susann Schultka findet: „Die Maske ist nur eine kleine Einschränkung. Wo ist das Problem?“

Auch ein Ehepaar, das seit 30 Jahren wenn irgend möglich sonnabends über den Wochenmarkt bummelt, hält die Maske für das kleinere Übel. „Schlimmer wäre es, wenn sie den Wochenmarkt wegen zu hoher Infektionszahlen schließen würden“, findet Jan Krüger. Er hat den Eindruck, dass hinter den wenigen Verstößen an diesem Tag vor allem Unkenntnis steckt. „Vielleicht sollte die Stadt an den Eingängen große Stelltafel aufstellen. Dann könnte sich auch niemand mehr herausreden.“ 

Weniger Kunden

Eher gespalten reagieren hingegen die Marktbeschicker auf die Maskenpflicht, die nun auch für sie gilt. Frank Lange von Matjes Lange findet die Maskenpflicht für die Verkäufer überflüssig. „Wir haben doch einen ausreichenden Abstand zu den Kunden und im Wagen selbst ist unser Team doch eine feste Gruppe, die sonst auch ohne Maske zusammenarbeitet. Außerdem sind wir an der frischen Luft.“

Schräg gegenüber verkauft Ahmed Celik asiatische Spezialitäten. Für ihn sei die Maske gar kein Problem, sagt er. „Aber ich habe heute deutlich weniger Kunden als sonst und das führe ich auf die Maskenpflicht zurück.“ Auch am Obst- und Gemüsestand von Erika Puchert heißt es ganz klar: Wir haben heute spürbar weniger Kunden als sonst.“ 

Kein Einkauf ohne Maske

Meike Grünsch vom Naturhof-Stand findet die Masken zwar prinzipiell gut. „Doch ob sie hier an der frischen Luft sein muss – da bin ich zwiegespalten. Auf Wochenmärkten gibt es nach meiner Kenntnis bisher gar keine Infektionen.“ Für Marie Müller von der Bioland-Hofgemeinschaft Dannau ist die Maskenpflicht hingegen kein Problem. „Daran gewöhnt man sich. Das ist okay.“ Auch ein paar Meter weiter, bei Annes Imbiss ist man von dem Sinn der Masken überzeugt. „Kein Einkauf ohne Maske“ steht groß am Tresen. Vier weitere Hinweise sind im Verkaufswagen verteilt. und die Kunden? Die warten geduldig in einer langen Schlange – und dabei sind Mund und Nase ganz vorschriftsmäßig bedeckt. Das ist auch gut so. Denn Maskenpolizei will hier keiner der Marktbeschicker spielen.

Seit dem 24. Oktober gilt für alle Wochenmärkte in Schleswig-Holstein die Maskenpflicht. KN-online hat sich bei der Premiere auf dem Kieler Exer umgesehen.
Thomas Geyer 24.10.2020
Christian Hiersemenzel 24.10.2020