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Schleswig-Holstein Pflegekräfte flüchten in Zeitarbeit
Nachrichten Schleswig-Holstein Pflegekräfte flüchten in Zeitarbeit
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11:26 29.06.2018
Von Heike Stüben
Intensiv-Pflegekräfte sind gefragt. In der Zeitarbeit verdienen sie über Tarif und bekommen Zusatzleistungen. Vor allem können sie festlegen, welche Schichten sie übernehmen wollen. Doch die Abwanderung in die Zeitarbeit hat Folgen.
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Kiel

In den vergangenen sieben Jahren ist die Zahl der Leiharbeiter im Gesundheitswesen laut Bundesagentur für Arbeit bundesweit von 19000 auf 76000 gestiegen, ein großer Teil davon sind Pflegekräfte. Auch in Schleswig-Holstein beobachtet der Vorsitzende des Landesverbandes Marburger Bund, Dr. Henrik Herrmann, „dass vor allem in der Altenpflege, aber auch in den Krankenhäusern immer wieder Pflegekräfte aufgrund besserer Arbeitsbedingungen in die Zeitarbeit wechseln.“

Notnagel: Zeitarbeitskräfte

2017 waren bundesweit im Schnitt 38000 offene Stellen in der Pflege bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Um den Betrieb aufrecht zu halten, müssen Heime und Kliniken zu Zeitarbeitskräften greifen. Allein das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hat 2017 dafür 10 Millionen Euro ausgegeben.

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Zweiklassengesellschaft auf Stationen

Die Zeitarbeit puffert einerseits Lücken auf den Stationen und im OP ab, sorgt aber zunehmend für Missstimmung. Denn die Zeitarbeitskräfte bekommen mehr Geld und Vergünstigungen und können sich aussuchen, wie viel und wann sie arbeiten. „Die Stammbelegschaft muss die Folgen abfedern und den Rest abdecken“, sagt Knüppel. Das bedeute: noch mehr Dienste zu ungünstigen Zeiten.

"Finanzielle Katastrophe"

Der Dauer-Einsatz von Zeitarbeitskräften ist aber vor allem teuer. Die Entleihfirmen verdienen nicht nur selbst daran, sondern zahlen ihren Fachkräften deutlich über Tarif und locken mit finanziellen Vergünstigungen. Das Geld holen sie sich von den Kliniken zurück. Auch in Schleswig-Holstein muss eine Klinik für eine spezialisierte Fachkraft im Monat durchaus 10000 Euro und mehr aufbringen.

„Finanziell ist das eine Katastrophe“, sagt der Pflegedirektor Christian de la Chaux vom FEK in Neumünster, „drei Monate Zeitarbeit kosten uns 50000 Euro. Dafür bekommen wir eine Vollzeitkraft für ein ganzes Jahr, also das Vierfache an Arbeitsleistung!“