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Schleswig-Holstein „Mein Kampf“ - Ein Werk für den Unterricht?
Nachrichten Schleswig-Holstein „Mein Kampf“ - Ein Werk für den Unterricht?
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07:25 07.01.2016
Von Jürgen Küppers
Trotz ihrer Zurückhaltung bei der Nutzung der „Mein Kampf“-Neuauflage im Unterricht halten Pädagogen, aber auch der Philologenverband die Veröffentlichung für wichtig. Quelle: Matthias Balk/dpa
Kiel

Ab Freitag kann das in Deutschland zumindest als Nachdruck verbotene Buch „Mein Kampf“ wieder jeder kaufen. Denn 70 Jahre nach dem Tod des Autors Adolf Hitler sind die Urheberrechte erloschen. Die jetzt erscheinende „kritische Edition“ in zwei Bänden mit rund 2000 Seiten des Münchener Instituts für Zeitgeschichte inklusive 3700 Anmerkungen von Historikern könnte künftig sogar als Unterrichtsmaterial in Schulen Schleswig-Holsteins dienen.

Zur Pflichtlektüre für Schüler soll das von Experten kommentierte Werk des Nazi-Diktators allerdings nicht werden. „Es wird lediglich in den Schulbuchkatalog des Landes aufgenommen. Ob und wie Schulen diese Veröffentlichung dann für den Unterricht nutzen, bleibt ihnen überlassen“, erklärte der Sprecher des Bildungsministeriums Thomas Schunck auf Nachfrage.

Keine Klassensätze für Schulen

 In welchem Umfang Schulen von dieser Möglichkeit auch Gebrauch machen, ist noch unklar. „Wir haben auch bislang schon mit Textpassagen aus ’Mein Kampf’ gearbeitet. Für eine Auseinandersetzung mit dem gesamten Werk fehlt uns aber schlicht die Unterrichtszeit“, betonte die Leiterin der Kieler Ricarda-Huch-Schule Ina Held, die deshalb die Nutzung der kritischen Edition im Unterrichtsalltag für „verzichtbar“ hält.

 Ähnlich sieht das auch ihre Kollegin Svenja Kaufhardt: „Ich kann mir nicht vorstellen, ganze Klassensätze des neuen Werkes anzuschaffen“, meint die Vorsitzende der Fachschaft Geschichte an der Max-Planck-Schule. Vorstellbar sei eine intensive Auseinandersetzung mit Hitlers Schrift nur in Einzelfällen wie beispielsweise bei Projektarbeiten besonders an diesem Thema interessierter Schüler.

Veröffentlichung von "Mein Kampf" ist wichtig

 Trotz ihrer Zurückhaltung bei der Nutzung der „Mein Kampf“-Neuauflage im Unterricht halten Pädagogen, aber auch der Philologenverband die Veröffentlichung für wichtig. „Denn sie wirft entscheidende Fragen auf, die wir im Unterricht unbedingt behandeln sollten“, betont der Landesvorsitzende des Philologenverbandes Helmut Siegmon. Zum Beispiel die Suche nach Erklärungen für die Verführungskraft der Hitler-Texte oder des aktuell aufflammenden Rechtsrucks in manchen europäischen Staaten.

 Auch Svenja Kaufhardt sieht durch die Neuauflage von „Mein Kampf“ Anlass, im Unterricht Ursachen und Folgen dieser Veröffentlichung aufzugreifen. „So ist es doch sehr reizvoll, die hitzigen Diskussionen darum in den Medien zu beobachten und der Frage nachzugehen, warum und mit welcher Wirkung dieser Hitler-Text so lange nicht für jeden zugänglich war.“

Auch Berlin zeigt sich offen für Nutzung

 Bei der künftig möglichen Nutzung der neuen kommentierten Fassung von „Mein Kampf“ als Unterrichtsmaterial steht Schleswig-Holstein nicht allein. Auch Berlin zeigt sich dafür offen: „Wenn diese Quellen entsprechend in den Geschichts- oder Ethikunterricht eingebettet werden, können sich Lehrer dieser kommentierten Fassung bedienen“, sagt eine Sprecherin der Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheers (SPD).

 Auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) spricht sich für einen bundesweiten Einsatz der Neuausgabe aus: „Sie hat genau das Ziel, zur politischen Bildung beizutragen und ist entsprechend allgemeinverständlich geschrieben.“ Sie begrüße es, „dass einem breiten Publikum damit eine wissenschaftlich fundierte Einordnung zur Verfügung steht und die Aussagen Hitlers nicht unwidersprochen bleiben“.

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