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Schleswig-Holstein Mietexplosion bei Fortis Group in Berlin
Nachrichten Schleswig-Holstein Mietexplosion bei Fortis Group in Berlin
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14:00 09.04.2019
Von Heike Stüben
Die Mieter von diesem Eckhaus in Berlin wehren sich gegen die Pläne der Fortis Group, die Wohnungen zu modernisieren und danach die Mieten drastisch zu erhöhen - zum Beispiel von 707 Euro auf 1700 Euro. Nun hoffen die Mieter auf Hilfe von den Zahnärzten und ihren Patienten in Schleswig-Holstein. Quelle: Synke Köhler
Kiel

Beispiel Lenbachstraße 7 in Berlin-Friedrichshain: Am 28. Dezember 2018 kündigte die zuständige GmbH der Fortis Group den Mietern umfassende Modernisierungsmaßnahmen an – vom Fahrstuhl über Balkone bis hin zur Dämmung und einem neuen Belag im Treppenhaus. Drei Tage später trat eine neue Regelung in Kraft. Fortan dürfen nur noch acht Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete aufgeschlagen werden. Fortis darf dank seiner Ankündigung auf den letzten Drücker noch elf Prozent aufschlagen.

Miete soll von 458 auf 1408 Euro steigen

Für den Mieter Niklas Brubach bedeutet das: Durch die Modernisierung steigt die Miete für seine 73-Quadratmeter-Wohnung von jetzt 458 Euro kalt auf 1408 Euro. Diesen Preis könnte der 30-Jährige nicht bezahlen. So geht es auch anderen Mietern in der Lenbachstraße 7, der Samariterstraße 8 und der Rigaerstraße 35 – allesamt Mehrfamilienhäuser, die von der Fortis Group aufgekauft worden sind und nun umfangreich modernisiert werden sollen.

Dabei sehen die Mieter ein, wenn etwa alte Fenster ersetzt werden sollten. "Aber warum bekommen wir eine neue Zentralheizung, wenn wir eine moderne Zentralheizung haben. Und warum muss eine Wohnung mit zwei Balkons noch einen dritten erhalten?", fragt Synke Köhler von der Mieterinitiative.

Mieter fühlen sich verdrängt

Man werde aus Wohnungen verdrängt, in denen Mieter zum Teil Jahrzehnte lang wohnen. "Vergleichbare Wohnungen, die bezahlbar sind, finden wir hier nicht", klagen die Mieter. Deshalb sind sie bereit, auch mit ungewöhnlichen Mitteln gegen die Mieterhöhungen zu kämpfen. Dazu gehört auch die Mail-Aktion.

Die Mieter schreiben zurzeit alle 1000 Zahnärzte in Schleswig-Holstein an, die im Versorgungswerk der Zahnärzte versichert sind. Inhalt: Das Versorgungswerk halte Anteile an der Fortis Group. Die Mieter bitten die Zahnärzte deshalb darum, gegen das Vorgehen der Fortis Group zu intervenieren und dem Versorgungswerk vorzuschlagen, die Beteiligung an der Fortis Group zu überdenken beziehungsweise sich aus dem Engagement zurückzuziehen.

Mieter hoffen auf Zahnärzte und ihre Patienten

"Wir hoffen auch, dass die Patienten ihre Zahnärzte darauf ansprechen. Natürlich sollen sich Zahnärzte um eine gute Versorgung im Alter kümmern. Aber ist ihnen klar, wer den Preis in diesem Fall zahlt?", fragt Synke Köhler. Nach Informationen der Mieter ist das Versorgungswerk in Kiel mit 25 Prozent an der Fortis Group beteiligt.

Das Versorgungswerk in Kiel bestreitet eine Beteiligung nicht. Auf konkrete Fragen unserer Redaktion antwortet der Geschäftsführer Bruno Geiger aber nur: "Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein äußert sich grundsätzlich nicht zu getätigten Investitionen."

"Mieter werden nicht herausmodernisiert"

Auf die Anfrage an die Fortis Group äußert sich ein "externer Dienstleister": Es gehe keinesfalls um Luxussanierung. Mit den Modernisierungen sollten die Wohnungen vielmehr auf den aktuellen technischen Standard gebracht werden. Und: Kein Mieter solle "herausmodernisiert“ werden.

Zu den genannten Mietshäusern könne er "Entwarnung" geben. "Mit einer Mieterhöhung um das Dreifache ist nicht zu rechnen." Man wolle in Absprache mit den Mietern prüfen, "was genau in jeder einzelnen Wohnung saniert wird und was nicht". Erst dann könnte die exakte Mieterhöhung ermittelt werden. "Diese orientieren sich auch an den finanziellen Möglichkeiten des Mieters."

Für die Mieter nur eine Beschwichtigungspille

Für die Mieter ist das unglaubwürdig und eine Beschwichtigungspille, um den Imageschaden für die Zahnärzte abzuwenden. "Wenn Modernisierungen und Mieterhöhungen noch so offen sind – warum wurden uns dann für jede Wohnung konkrete Berechnungen für die Modernisierung aufgemacht?" Und die Mieterinitiative verweist auf das Ankündigungsschreiben. Dort heißt es wörtlich: "Dieses soll Ihnen jedoch einerseits Klarheit verschaffen und ist andererseits vom Gesetzgeber so vorgeschrieben, damit Sie in die Lage versetzt werden, gegebenenfalls das Für und Wider des Verbleibs in Ihrer Wohnung abzuwägen."

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