Sie sollen die Lehrer bei ihrer Arbeit mit behinderten und nicht behinderten Kindern unterstützen und Hilfestellung bei der Umsetzung von Arbeitsaufträgen geben, bei Fördermaßnahmen für Gruppen oder einzelne Schüler mitwirken und dabei helfen, Projekt- und Sporttage sowie Schul- und Klassenfeste zu organisieren. Die Maßnahme ist Teil eines Inklusionskonzeptes, das die Landesregierung seit 2014 verfolgt. Zusammen mit den Kräften, die von den Schulträgern selbst oder über freie Träger beschäftigt werden, arbeiten damit 542 Assistenten an den 477 öffentlichen Grundschulen, den 26 Privatschulen und 43 dänischen Schulen.
„Inklusion ist ein großes Wort und eine große Aufgabe für die ganze Gesellschaft“, sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Dienstag. Ihre Bilanz nach 25 Jahren Inklusion in Schleswig-Holstein falle positiv aus. „Inklusion ist an vielen Schulen gelebte Realität.“ Zugleich betonte sie die gesellschaftliche Dringlichkeit, an dieser Stelle nicht locker zu lassen. „Es kann nicht sein, dass Kinder ohne Förderbedarf ihr ganzes Schulleben keinen Kontakt zu Kindern mit Förderbedarf haben – und umgekehrt.“ Dann funktioniere Inklusion auch in anderen Lebensbereichen nicht.
1300 Bewerber
Nein, es sei überhaupt kein Problem gewesen, geeignete Kandidaten zu finden, stellte die Ministerin fest. Von 1300 Bewerbern habe man 350 ausgewählt, wobei 92 Prozent Frauen seien. 200 von ihnen treten im Januar ihren unbefristeten Vertrag an, 80 weitere zum 1. Februar. Erzieher sind dabei, Lehrer, Sozial- und Heilpädagogen, Therapeuten, Menschen mit pädagogischer Ausbildung sowie, wie es heißt, „sozial erfahrene Personen“. Der Tarif für die neuen Assistenten richtet sich nach ihrer mitgebrachten Qualifikation: In der mittleren Stufe sind das zwischen 2400 Euro bis 2820 Euro brutto – allerdings haben sie aufgrund des kürzeren Grundschulalltags nur halbe Stellen. Insgesamt bezahlt das Land Gehälter von jährlich 13,2 Millionen Euro.
Die Ministerin unterstrich, wie wichtig sie multiprofessionelle Teams bei der Unterstützung von Schülern mit Handicap finde. Auch Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen gehörten dazu. Der schulpsychologische Dienst sei von 17 auf fast 32 Stellen verdoppelt worden; das Land übernimmt dabei den bisherigen Bundesanteil und finanziert die Aufgabe jährlich mit 17,8 Millionen Euro. Den Förderzentren, deren Fortbestehen lange fraglich war, gab Ernst eine Entwicklungsperspektive. „Wir wissen, dass inklusive Schule nicht ohne starke Förderzentren gelingen kann.“ Allerdings sollten sie sich inhaltlich und strukturell weiterentwickeln. Gesonderte Zentren für inklusive Bildung seien dagegen vom Tisch.
Lob von Vertretern der Koalition, Kritik von der Opposition. „Wenn sechs unterschiedliche Personen verschiedener Träger minutenweise für ein Kind zuständig sind, dann ist das zwar multi-, aber ganz sicher nicht professionell“, sagte Heike Franzen (CDU). Dass neben dem Klassenlehrer auch Sonderpädagogen, Schulassistenten, -begleiter, -sozialarbeiter und -psychologen zuständig sind, fördere gewiss nicht die Bindung. Anita Klahn (FDP) geißelte die Neuerung als rot-grüne Wohlfühlmaßnahme. „Wir wollen mehr ausgebildete Sonderpädagogen an den Schulen und die Schulsozialarbeit verstetigen. Dafür soll der entsprechende Studiengang an der Uni Flensburg gestärkt werden.“