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Schleswig-Holstein „Wichtig ist, was der Operateur kann“
Nachrichten Schleswig-Holstein „Wichtig ist, was der Operateur kann“
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11:00 16.01.2019
Von Heike Stüben
Mindestmengen-Regelungen gibt es bereits für sieben Eingriffe, etwa an Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre und beim künstlichem Kniegelenk. Quelle: Jens Ressing
Bad Segeberg

Herr Post, seit 2016 gelten für sieben komplexe Operationen Mindestmengen. Sind die Segeberger Kliniken auch davon betroffen?

Axel Post: Ja, in den Leistungsbereichen Bauchspeicheldrüse und Knieersatz. Die Mindestmengen sind dabei heute in Bezug auf die Einrichtung definiert, nicht in Bezug auf den Operateur. Der Zusammenhang zwischen Eingriffshäufigkeit und -qualität ist vielfach nachgewiesen. Die Erfahrung hat aber im Wesentlichen der Operateur – weniger die Abteilung. Ein direkter Bezug auf den Operateur wäre daher sinnvoll.

Was sind Ihrer Meinung nach die Nachteile von Mindestmengen?

Verstehen Sie das nicht als Schwarz-Weiß-Bild. Mindestmengen sind ein gutes Instrument, um die Versorgungsqualität zu fördern. Allerdings ist die Sorge um eine schnell erreichbare Notfallversorgung gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein nachvollziehbar. Hier sollte es die Möglichkeit geben, im Sinne der Patienten echte Notfälle auch abseits einer Mindestmenge versorgen zu dürfen. Ich glaube auch, dass eine flexiblere Ausgestaltung der Mindestmengenregelung sinnvoll wäre. Ob eine OP noch am 31. Dezember oder erst am 1. Januar des nächsten Jahres durchgeführt wird, sollte kein K.-o.-Kriterium sein.

Die Kassen kritisieren, dass bestimmte lukrative Operationen wie Knie- und Hüftgelenkersatz massiv angestiegen sind und in Deutschland viel häufiger als in vergleichbaren EU-Staaten durchgeführt werden. Können Mindestmengen da nicht ein Hebel sein?

Das glaube ich nicht, da besonders große, genau auf diese Leistungen spezialisierte Anbieter vermutlich die höchsten Wachstumsraten aufweisen

"Ich würde auf Dauer die Schließung von Kliniken nicht ausschließen", sagt Axel Post, Geschäftsführer der Segeberger Kliniken

Mehr Mindestmengen würde bedeuten, dass Kliniken auf bestimmte Eingriffe verzichten müssen, weil diese in wenigen anderen Krankenhäusern konzentriert werden. Was würde solch eine Zentralisierung konkret für Ihr Haus bedeuten?

Pauschal hieße das, für uns wie auch andere Kliniken: Dort, wo wir heute schon groß oder größer als andere sind, würden wir stärker wachsen. Randbereiche könnten uns im Angebot verloren gehen. Gerade für kleinere Fachabteilungen, bei uns beträfe das vielleicht die Urologie oder die Geburtshilfe, kann sich dann insgesamt die Frage der Wirtschaftlichkeit stellen.

Und was würde es für die Kliniklandschaft in Schleswig-Holstein bedeuten?

Die Wettbewerbsverhältnisse würden sich sukzessive verschieben, die bereits unter den aktuellen Rahmenbedingungen stattfindende Zentrierung könnte sich beschleunigen. Klinikschließungen als Folge würde ich nicht ausschließen.

Was wäre die Folge für die Patienten?

Die über die Regelungen beabsichtigte Qualitätssteigerung müsste durch längere Fahrtzeiten der Patienten erkauft werden, Risiken in der Notfallversorgung ließen sich dabei sicherlich über die schon angesprochenen Ausnahmen vermeiden.

Ein bis zwei Millionen unerwünschte Ereignisse bei der Behandlung im Krankenhaus pro Jahr beklagt das Aktionsbündnis Patientensicherheit. Wie wollen Sie diese Zahl verringern?

Hier sind sämtliche Kliniken in ihrem Qualitätsmanagement gefordert. Wir treiben einen erheblichen Aufwand, um Behandlungspfade zu definieren, Kommunikation aktiv zu gestalten und den Informationsfluss in der gesamten Klinik effizient zu machen. Checklisten sind dabei ein wichtiges Instrument für die Patientensicherheit, die Digitalisierung unterstützt dies zusätzlich. So sind bei uns heute selbstverständlich sämtliche Patienteninformationen des letzten Aufenthaltes direkt ab Aufnahme verfügbar und so zum Beispiel Medikamenten-Unverträglichkeiten vorab bekannt.

Ein Streitthema im Land ist seit Jahren der Abbau der Geburtsstationen. Ist die Geburt – abgesehen von den extremen Frühgeburten, die schon jetzt nur in wenigen Zentren versorgt werden dürfen – für Mindestmengen geeignet?

Mindestmengen sind ja gerade für komplexe Eingriffe mit eher geringer Fallzahl sinnvoll, bei der Speiseröhre sind es zehn Fälle. Auch kleine Geburtskliniken liegen typischerweise über 250 Geburten. Der Sinn von Mindestmengen scheint hier also nicht gegeben zu sein.

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