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Schleswig-Holstein Ist Duogynon das neue Contergan?
Nachrichten Schleswig-Holstein Ist Duogynon das neue Contergan?
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10:37 13.03.2019
Von Heike Stüben
Wolf-Dietrich Molzow hat 2010 Bayer wegen Duogynon verklagt. Das Landgericht Berlin entschied, dass 30 Jahre nach der Schwangerschaft der Mutter alle Schadenersatzansprüche verjährt seien. Heute berät der Bundestag. Quelle: Wolfgang Kumm
Kiel

Ob als Schwangerschaftstest oder zur Behandlung von Regelblutungsstörungen - lange wurde das Arzneimittel Duogynon verordnet. Viele Frauen, die es in der Frühschwangerschaft bekommen haben, brachten Kinder mit schweren Missbildungen zur Welt. Seither steht Duogynon im Verdacht, die Missbildungen verursacht zu haben. Der Hersteller Schering hat das wie sein Rechtsnachfolger Bayer immer bestritten. Doch 614 Betroffene kämpfen weiter um Anerkennung – auch Nikola Z. aus Schleswig-Holstein.

Nikolas Mutter erinnert sich an jenen Tag im Jahr 1974, als sie in ihrer Mittagspause zu ihrem Lübecker Frauenarzt ging. „Ich hatte meine Regel nicht bekommen und wollte wissen, was los war. Er beruhigte mich und reichte mir über den Schreibtisch zwei Tabletten Duogynon. Die solle ich nehmen, dann würde sich das normalisieren, sagte er.“ Die heute 64-Jährige nahm das Medikament ein, doch es passierte nichts. Stattdessen stellte sich heraus, dass sie schwanger war. Schwangerschaft und die Spontangeburt verliefen unauffällig. Auch das Baby schien gesund zu sein. An das Medikament dachte die Mutter zunächst nicht mehr.

Doch am zweiten Tag hatte ihre Tochter einen Ballonbauch. „Das Kindspech komme wohl nicht durch, sagte mir der Arzt“, erinnert sich die Mutter. Bei dem Baby wird eine Fehlbildung des Enddarms diagnostiziert. Es sei kein Darmausgang vorhanden, die Nieren seien verkümmert. Es fehle ein Teil des Steißbeins, Wirbelsäule und Hüfte seien missgebildet. „Uns wurde erklärt, das sei eine Laune der Natur.“ Mehrere schwere Operationen muss Nikola in ihrer Kindheit über sich ergehen lassen. „Sonst hätte unser Kind nicht überlebt“, sagt die Mutter. Doch die Kleine bleibt inkontinent, ist dauerhaft auf Windeln angewiesen, leidet bis heute unter Rücken- und Hüftschmerzen. 

Opfer leiden ihr ganzes Leben

„Als Kind bin ich furchtbar gehänselt worden, wurde geprügelt und hörte: Geh weg, du stinkst, du Windelbaby“, erinnert sich die heute 44-Jährige – und erzählt, wie sie Begegnungen mit anderen Kindern auf dem Schulweg vermied und versuchte, sich in den Pausen unsichtbar zu machen.

Anfang der 80er Jahre wird die Familie durch eine TV-Dokumentation aufmerksam: Danach hatten Wissenschaftler bereits 1967 im Fachmagazin „Nature“ auf einen möglichen Zusammenhang von Missbildungen und Duogynon hingewiesen. „1980 gab es dann ein Gerichtsverfahren. Es wurde klar, dass das Arzneimittel nachweislich und systematisch als Abtreibungsmittel und Pille danach missbraucht worden ist. Dennoch folgte das Gericht der Auffassung von Schering, dass ein Zusammenhang nicht nachzuweisen sei“, so Nikola Z. Die Bayer AG, die 2006 Schering übernommen hat, setzt sich in späteren Prozessen mit dem Argument durch, dass Ansprüche verjährt seien.

Bundestag berät die Thematik

Doch nun hat die britische Arzneimittelaufsichtsbehörde Schering-Dokumente aus dem Landesarchiv Berlin veröffentlicht. „Die Akten erhärten den Verdacht, dass der Hersteller Schering von der fruchtschädigenden Wirkung des Medikaments wusste, diese Erkenntnisse aber absichtlich zurückhielt. Teile des damaligen Bundesgesundheitsamtes sollen bei dieser Vertuschung geholfen haben“, erklärt die Bundestagsabgeordnete Maria-Klein-Schmeink (Grüne). Heute wollen die Parlamentarier über die Thematik beraten.

Mehr zum Netzwerk Duogynon lesen Sie hier. 

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