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Schleswig-Holstein Immer weniger Menschen können glauben
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18:29 19.07.2019
Von Bastian Modrow
Im Juni 2019 feierte die Nordkirche einen Taufgottesdienst am Elbsttrand. Trotz der Taufen verzeichnet die Nordkirche jedoch einen Mitgliederschwund.
Im Juni 2019 feierte die Nordkirche einen Taufgottesdienst am Elbsttrand. Trotz der Taufen verzeichnet die Nordkirche jedoch einen Mitgliederschwund. Quelle: Markus Scholz
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Kiel/Hamburg

Auch beim katholischen Erzbistum Hamburg ist die Zahl der Austritte im vergangenen Jahr deutlich von 5501 auf 7014 gestiegen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat in Hannover ihre Jahresstatistik 2018 vorgestellt. Wie in den Vorjahren ist die Zahl der Anhänger weiter rückläufig: 21.140.599 Menschen gehörten im vergangenen Jahr zu einer der 20 Landeskirchen. Das entspricht – wie schon im Vorjahr – einem Rückgang von 1,8 Prozent.

Die Nordkirche, zu der neben Schleswig-Holstein auch Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern gehören, liegt mit einem Minus von 1,89 Prozent sogar über dem bundesweiten Trend. Sie verlor 38.421 Gemeindeglieder und verzeichnete zuletzt 1.989.330 Mitglieder. In Schleswig-Holstein schrumpfte die Zahl der Protestanten binnen Jahresfrist um 23.000 Gläubige (inklusive Todesfälle) auf nur noch 1,2 Millionen.

Interaktive Grafik: Entwicklung der Nordkirche (SH, HH und Meck-Pomm)

15717 Kirchenaustritte in der Nordkirche

„Wir leben in einer Zeit des Wandels und großer Herausforderungen“, sagte Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. Vielfältige Veränderungen würden auch die Kirche ergreifen. „Das nehmen wir sehr ernst – auf allen Ebenen unserer kirchlichen Arbeit“, so die Theologin.

Nach Ansicht der Nordkirchen-Chefin hätten vor allem demografische Entwicklungen und Austritte die Entwicklung beeinflusst. Allein 15.717 Schleswig-Holsteiner kehrten der Kirche den Rücken (2017: 14868).

Immer weniger Menschen lassen ihre Kinder taufen: 15.185 Gottesdienste waren es 2018 in Norddeutschland. Zum Vergleich: 2017 zählte die Nordkirche noch 16500 Taufen. Auch die Zahl der Konfirmationen sank auf 15655 Mädchen und Jungen (2017: 16431).

Hochzeiten und Beerdigungen in der Nordkirche konstant

Die Zahl der Hochzeiten mit 3751 Paaren und die der Beerdigungen mit 22061 Fällen lagen nahezu auf Vorjahresniveau. Einbußen muss die Nordkirche auch beim ehrenamtlichen Engagement hinnehmen: Mit 83300 Helfern verlor die evangelische Kirche im Norden fast 2000 Ehrenamtler. Immerhin traten 2981 Menschen wieder der Nordkirche bei.

Entwicklungen, auf die die Landesbischöfin mit Selbstkritik reagiert: „Wofür der christliche Glaube steht, ist für viele Menschen nicht mehr verständlich“, sagte Kühnbaum-Schmidt. Hier sei es Aufgabe der Kirche, das Gespräch mit den Menschen zu suchen. Diese sollten „einfacher, schneller und direkter Zugang finden können zu Begleitung, Gemeinschaft und Gottes reichem Segen“.

Mitgliederschwund bei der katholischen Kirche

Auch die Katholische Kirche leidet unter Mitgliederschwund: Die Zahl der Gläubigen im Erzbistum Hamburg sank auf 398425 katholische Christen. Ein Jahr zuvor waren es noch 402576 gewesen. Massiv gestiegen sind die Austritte um 27,5 Prozent.

In Schleswig-Holstein waren es allein 2500 Frauen und Männer (2017: 1800). Als Grund gibt das Erzbistum zum einen die Veröffentlichung der Missbrauchs-Studie in der katholischen Kirche an. Negativ habe sich aber auch die Ankündigung ausgewirkt, in Hamburg katholische Schulen schließen zu müssen.

Leicht gesunken ist die Zahl der Taufen auf zuletzt 2080 (2017: 2172). 81 Katholiken haben sich taufen lassen – 55 weniger als noch 2017. Und auch die Zahl der Trauungen ging von 481 auf 446 Eheschließungen zurück.

Interaktive Grafik: Entwicklung der Katholiken in Schleswig-Holstein

KN-online (Kieler Nachrichten) 19.07.2019