Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Die unsichtbare Gefahr
Nachrichten Schleswig-Holstein Die unsichtbare Gefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:40 13.02.2017
Von Ulrich Metschies
Die Bergung von Munition im Meer ist bislang Aufgabe von Tauchern des Kampfmittelräumdienstes. Künftig sollen Roboter den gefährlichen Job übernehmen. Quelle: dpa

Schließlich gab es Geld für jede Fahrt. Um die Sache abzukürzen, verklappten die Besatzungen die Last oftmals nicht in den vorgeschriebenen Regionen, sondern einfach irgendwo. Und so kann die Gefahr heute überall lauern.

 Noch immer lagern in der Ostsee rund 300000 Tonnen konventioneller Munition. Hinzu kommen Tausende Tonnen chemische Waffen. Doch bereits vor Kriegsende landete massenhaft Munition im Meer. In den letzten Wochen vor der Kapitulation drängten deutsche Soldaten mit Waffen und Munitionsnachschub nach Schleswig-Holstein. Um das Arsenal dem Zugriff der Alliierten zu entziehen, versenkte die Wehrmacht ihre tödlichen Vorräte vor dem Ausgang der Flensburger Förde. Ein Problemgebiet ist aber auch das gesperrte Seegebiet Kolberger Heide am Ausgang der Kieler Bucht. Wenige Seemeilen vor dem Strand von Heidkate wurden viele Jahre lang Grundminen, Torpedos und Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg versenkt.

 „Das gefährliche Erbe rostet auch 70 Jahre nach Ende des letzten Krieges vor sich hin, führt immer wieder zu Unfällen und behindert den Ausbau erneuerbarer Energien“, sagt Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne): „Das haben wir schon viel zu lange geduldet.“ Seit vergangenem Jahr ist Schluss mit dem Wegsehen. Mit zwei Verbundprojekten wollen Partner aus Wirtschaft, Forschung und Politik der unsichtbaren Gefahr zu Leibe rücken. Gemeinsam mit dem Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der Kieler Uni und dem Leibnitz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) will das Land Schleswig-Holstein die ökologischen Auswirkungen der Munitionsaltlasten untersuchen und damit die Voraussetzungen zur umweltverträglichen Räumung schaffen.

Tests unter Realbedingungen an Minendummys

 Zwei staatlich geförderte Forschungs- und Innovationsprojekte greifen dazu eng ineinander: Im Rahmen von RoBEMM entwickelt ein Verbund aus Industrie und Forschung ein Roboterverfahren zur Bergung und sicheren Entsorgung von Munition, die in Tiefen bis zu 50 Metern versteckt liegt. Ergänzt wird RoBEMM durch UDEMM („Umweltüberwachung vor, während und nach der Delaboration von Munition im Meer“). Hier geht es vor allem darum, die Risiken abzuschätzen und den ökologisch sinnvollsten Umgang mit den Altlasten zu erforschen. Die Funktionsfähigkeit eines Robotersystems soll binnen drei Jahren in Tests unter Realbedingungen an Minendummys erprobt werden. Mit so einem automatisierten System könnte die bei Seeminen und Torpedos manchmal noch immer unumgängliche Sprengung entbehrlich werden.

 Die Gefahr ist meist unsichtbar und entsprechend schwer zu orten. Der größte Teil der Kriegsaltlasten liegt nach sieben Jahrzehnten begraben im Sediment des Ostseegrundes, teilweise nur knietief und dicht an der Küste, teilweise aber auch weit draußen. Im Bornholm-Becken, im Gotland-Becken oder im Kleinen Belt liegen vor allem chemische Bomben und Granaten, bestückt mit dem Lungengift Phosgen oder dem Nervenkampfstoff Tabun, der schon in kleinsten Mengen tödlich wirkt. Massenhaft versenkt wurden auch Brandbomben, aus denen weißer Phosphor austritt, der durch Verunreinigungen ein bräunlich wächsernes Aussehen annimmt. Sobald er trocken ist, entzündet er sich bei Zimmertemperatur selbst und brennt mit bis zu 1300 Grad – eine tückische Gefahr für Bernsteinsammler.

 Die Uhr tickt: Je mehr Zeit vergeht, desto wahrscheinlicher ist es, dass der Sprengstoff schlagempfindlicher wird und die Metallhüllen durchrosten – ein nicht zu unterschätzendes Risiko für Fischer, und ein erhebliches Problem beim Bau und Anschluss von Offshore-Windparks.

 Immerhin: Das schlimmste Szenario, ein schlagartiges und gleichzeitiges Aufbrechen mehrerer noch intakter Kampfmittelhüllen gefolgt von der konzentrierten Freisetzung der enthaltenen Kampfstoffe in die Ostsee halten Experten für sehr unwahrscheinlich. Das gleiche gilt für eine Gefährdung von Menschen durch kontaminierte Nahrungsmittel. Allerdings: Noch fehlt viel Forschung, um die Risiken wirklich ermessen zu können.

In Wacken trotzen seit Freitag knapp 4000 Menschen der Kälte und reisten aus allen Teilen Deutschlands zu den ersten Winter Wacken Nights in das beschauliche Dorf in Schleswig-Holstein. Und die alteingesessenen Wacken-Fans wollen zelten. Auch bei Frost.

Kerstin Tietgen 12.02.2017

Großeinsatz in Hamburg: Hunderte Reisende werden bei eisiger Kälte nach draußen geschickt, der Präsident von Uruguay muss in seinem Flugzeug warten: Länger als eine Stunde liegt der Flugbetrieb am fünftgrößten Airport in Deutschland lahm.

12.02.2017

Ein ÖPNV-Ticket für Azubis- und Schüler, deutlich günstiger als bisher und langfristig kostenfrei – das hatten die Landesschülervertretungen der Berufsbildenden Schulen und der Gymnasien gefordert. Im Bildungsausschuss erteilte Staatssekretär Frank Nägele einem Azubi-Ticket jetzt eine Absage.

Heike Stüben 10.02.2017