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Schleswig-Holstein Der Missbrauch am Landeskrankenhaus
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08:32 13.11.2017
Von Alev Doğan
Mehrere ehemalige Patienten des Krankenhauses hatten berichtet, misshandelt, sexuell missbraucht und ausgebeutet geworden zu sein. Quelle: Gerd von Bassewitz
Schleswig

Mehrere ehemalige Patienten des Krankenhauses hatten berichtet, misshandelt, sexuell missbraucht und ausgebeutet geworden zu sein. Verantwortlich für das Landeskrankenhaus war bis vor zwölf Jahren das Land Schleswig-Holstein

Der NDR widmet diesem Thema seine Dokumentation „Vergessene Seelen – Wie Kinder zu Versuchsobjekten wurden“. Darin kommen Menschen zu Wort, die vor mehr als 30 Jahren Patienten im Landeskrankenhaus waren. Einer erzählt, wie er gezwungen wurde, Medikamente zu sich zu nehmen, „bei denen ich als Kind schon merkte, das tut mit nicht gut, aber Verweigerung gab es da nicht“. Und: „Es sind schon viele perverse Dinge da abgelaufen.“

Ehemaliger Pfleger: "Wir waren blind"

Neben einem ehemaligen Pfleger („Wir waren regelrecht blind – es wurde angeordnet, wir haben ausgeführt“) und Medizinern spricht über die Vorkommnisse auch der Sohn eines Arztes, in dessen Verantwortung allein acht Testreihen liefen. Ebenso bedrückend wie die Erinnerungen der Patienten und die beklemmenden historischen Bilder sind das tatenlose Zusehen und das Verdrängen der Politik. Den Fachbeirat, der als ehrenamtliches Gremium gegründet wurde, bezeichnet einer der ehemaligen Patienten als „Makulatur“ und „Schmuckfassade“. Seine Forderung nach einer besseren Medizinversorgung der Opfer sei dort abgeprallt.

Beteiligte Pharmaunternehmen: u. a. Bayer, Merck und Novartis

Von den damals beteiligten Pharmaunternehmen – unter anderem Bayer, Merck und Novartis – erwartet der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) nun eine Entschädigungszahlung für die Betroffenen. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Hermann Kortland nennt die Versuche nach heutigen Maßstäben „eindeutig rechtswidrig“ und „moralisch nicht zu vertreten“. Auf eine mögliche Wiedergutmachung seitens der Pharmaunternehmen angesprochen, sagt Kortland: „Dass sie einer Entschädigung nicht zustimmen, das kann ich mir nicht vorstellen.“

Minister Garg entschuldigt sich

Gegen Ende der Dokumentation spricht Sozialminister Heinar Garg (FDP): „Ich weiß, dass man das, was die Menschen erlitten haben, nicht wiedergutmachen kann.“ Er wolle sich „im Namen der Landesregierung für dieses Leid entschuldigen“.

Dokumentation "Vergessene Seelen", Montag, 13. November, 22.45 Uhr, im NDR Fernsehen; davor um 20.30 Uhr „Das Forum“ auf NDR Info.

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