Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Riffe sollen Fehmarnbelttunnel stoppen
Nachrichten Schleswig-Holstein Riffe sollen Fehmarnbelttunnel stoppen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:07 05.09.2019
Hier soll auf deutscher Seite bei Rödbyhavn die Tunneleinfahrt entstehen. Quelle: Femern A/S
Hamburg

Neu nachgewiesene Riffe entlang der Trasse des geplanten Fehmarnbelttunnels werden nach Ansicht des Naturschutzbunds Deutschland zum Problem für das Großprojekt. Eine von der Umweltorganisation vorgenommene Biotopkartierung habe ergeben, dass der Ostseeboden in dem Seegebiet zwischen Deutschland und Dänemark nicht aus Schlick und Sand bestehe - wie in der der Planfeststellung zugrundeliegenden Umweltverträglichkeitsstudie ausgewiesen. Es gebe dort mehrere Quadratkilometer große und artenreiche Riffe, sagte der Leiter Meeresschutz beim Nabu, Kim Detloff, am Freitag in Hamburg.

Solche „Oasen der Meere“ seien durch das Bundesnaturschutzgesetz und die europäische FFH-Richtlinie streng geschützt. Damit habe das Tunnelprojekt ein weiteres großes Problem. „Der ökologische Schaden im Fall eines Tunnelbaus muss neu bewertet werden“, forderte Detloff.

Nabu stellt die von Femern A/S selbst in Auftrag gegebenen Gutachten „grundsätzlich infrage“

„Wir sehen hier ganz klar einen Verstoß sowohl gegen deutsches als auch gegen europäisches Recht“, sagte die Nabu-Meeresschutzexpertin Anne Böhnke-Henrichs. Dies werde nun in dem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geklärt. Dort hatte der Nabu im Mai Klage gegen den Ende 2018 erlassenen Planfeststellungsbeschluss eingereicht.

Auf das mögliche Vorhandensein von Riffen habe man die Genehmigungsbehörden frühzeitig aufmerksam gemacht, sagte Böhnke-Henrichs. Dass sich dieser Verdacht nun als wahr erwiesen habe, stelle die vom Projektträger Femern A/S selbst in Auftrag gegebenen Gutachten „grundsätzlich infrage“.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Grafiken zur Planung des Belttunnels zwischen Fehmarn und Dänemark zu sehen!

Das sagt Femern A/S zu den Anschuldigungen

Das dänische Unternehmen sieht in der vorgelegten Kartierung hingegen keinen neuen Sachstand. „Die Ausführungen des Nabu sind uns aus ihrer Klagebegründung bekannt und nicht geeignet, die Planfeststellung anzuzweifeln“, teilte Femern A/S mit. Aus Rücksicht auf das laufende Verfahren wolle man dazu aber nicht weiter Stellung nehmen.

Unabhängige Genehmigungsbehörden müssten „auch unabhängige Gutachter beauftragen“, forderte Nabu-Fehmarnbelt-Experte Malte Siegert. Auch seien politisch protegierte Projekte ein Problem. „Um bewusste oder unbewusste Täuschungen zu vermeiden, muss politische Einflussnahme auf Genehmigungsbehörden ausgeschlossen werden.“

Dem Nabu zufolge kommen von den 17 rifftypischen Arten 9 am Fehmarnbelt vor. Dort fänden sich Tange, Schwämme, Moostierchen, Muscheln, Großkrebse und „eine extrem hohe Dichte an Plattfischen, die wir sonst in der Ostsee nicht so haben“, sagte Böhnke-Henrichs.

Es gehe der Ostsee bereits jetzt "sehr, sehr schlecht"

Unabhängig von den Riffen schade der geplante 60 Meter breite, 20 Meter Tiefe und 18 Kilometer lange Graben am Meeresgrund der gesamten Ostsee, da der Fehmarnbelt das „Nadelöhr“ für den Wasseraustausch sei, sagte Detloff. „Millionen Kubikmeter Sedimente“ müssten beim Bau bewegt werden, hinzukomme der Lärm. Auch die Wanderwege der Schweinswale würden dadurch unterbrochen. Sämtliche Zustandsberichte der vergangenen Jahre zeigten, dass es der Ostsee bereits jetzt „sehr, sehr schlecht“ gehe. „Es ist nicht mehr fünf, sondern eine Minute vor zwölf für dieses kleine Meer.“

Der Nabu hatte seine Klage neben den Auswirkungen auf Flora und Fauna auch mit einem fehlenden Bedarf und überholten Verkehrsprognosen für den geplanten Eisenbahn- und Straßentunnel begründet. Ein Baustopp wurde bislang nicht bei Gericht beantragt. Sollte jedoch mit den Bauarbeiten begonnen werden, würde dies nachgeholt, sagte Siegert.

Mehr zum Thema

Gekaufte Demo gegen Fehmarnbelt-Tunnel

Fachkräftemangel am Belt: Wer baut den Tunnel?

Interview mit Konstantin von Notz: „Die Querung ist ein totes Pferd“

Scandlines klagt gegen Belt-Querung

Dänemark will den Bau im Herbst starten

Von RND/dpa

Mehr als 70 Jahre nach Kriegsende hat am Mittwoch ein Blindgänger das öffentliche Leben in Glinde für einen Tag lahmgelegt. Die Entschärfung verzögerte sich lange, weil immer wieder Menschen im Sperrgebiet gesichtet wurden und ein Spezialgerät erst am Abend vor Ort eintraf.

05.09.2019

Finanziell schwache Familien in Schleswig-Holstein nutzen zunehmend Zuschüsse für Urlaubsreisen. Dies geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage des SSW-Landtagsabgeordneten Lars Harms hervor. 2018 wurden Anträge in Höhe von 70.935 Euro genehmigt, 2019 dürfte es mehr sein.

04.09.2019

Royaler Glanz an der Kieler Förde: Dänemarks Staatsoberhaupt, Königin Margrethe II., ist im Rahmen ihres mehrtägigen Besuchs am Mittwoch nach Kiel gereist. Das Programm an der Seite von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) war eng getaktet.

Christian Hiersemenzel 04.09.2019