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Schleswig-Holstein Weitere Tests auf Geflügelpest im Kreis Steinburg
Nachrichten Schleswig-Holstein Weitere Tests auf Geflügelpest im Kreis Steinburg
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17:05 24.01.2017
Die Untersuchungen im Kreis Steinburg gehen weiter. Quelle: dpa
Süderau/Kiel

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest in einer neuen Variante bei Zuchttieren befürchtet Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck eine zweite Seuchenwelle. „In den USA gab es 2014/15 während der Geflügelpest ein verändertes Virus“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Ausgehend davon sei es zu einer zweite Welle von Ausbrüchen gekommen. „Meine Sorge ist, dass es auch hier eine neue Welle geben kann“, sagte Habeck. „Wir müssen die Entwicklung genau beobachten und die Tierseuche konsequent bekämpfen.“

Unterdessen laufen im betroffenen Kreis Steinburg die Gegenmaßnahmen auf Hochtouren. „Wir ziehen zusätzliche Tierärzte heran, um umfangreiche Beprobungen auch in weiteren Betrieben im Sperrgebiet vorzunehmen“, sagte Landrat Torsten Wendt der Deutschen Presse-Agentur. Bisher haben Experten für zwei Haltungen eines Betriebes in Süderau mit insgesamt 18 400 Puten den sehr aggressiven Erreger des Subtyps H5N5 nachgewiesen. Nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist mit dieser Variante genauso umzugehen wie mit dem bisher aufgetretenen und ebenfalls hochpathogenen Subtyp H5N8.

Für die zweite Haltung in Süderau hat mittlerweile auch das FLI die Variante H5N5 bestätigt, wie eine Sprecherin des Landwirtschaftsministerium auf dpa-Anfrage sagte. Zuvor hatte schon das Landeslabor diesen Subtyp erstmals in einem Hausgeflügelbestand in Europa analysiert. Bisher waren davon nur Wildvögel betroffen. Übertragungen auf den Menschen sind bisher nicht bekannt.

Aus der ersten Haltung des Betriebes in Süderau sind mittlerweile alle Puten getötet worden, die noch nicht an der Seuche gestorben waren. Von 3400 Tieren waren die ersten am Samstag verendet, binnen 48 Stunden war mehr als die Hälfte des Bestandes tot. Die Tötung der noch nicht an dem Virus gestorbenen Puten aus dem zweiten Bestand mit 15 000 Tieren ist am Dienstagmorgen angelaufen. Aber auch in diesem Stall waren viele Puten schon verendet. In zwei weiteren Haltungen des Betriebes wurde das Virus bisher nicht festgestellt. Der Betrieb bleibt abgesperrt.

Die Herkunft des Geflügelpestvirus H5N5 ist den Wissenschaftlern am Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems noch unbekannt. Er sei dem bisher grassierenden Virus H5N8 sehr ähnlich, sagte Institutssprecherin Elke Reinking. „Beides sind hochpathogene Viren.“ Bei der neuen Variante handle es sich wahrscheinlich um ein Mischvirus auf der Basis von H5N8. Mischviren entstehen demnach, wenn ein Tier zeitgleich von Viren zweier verschiedener Subtypen infiziert ist, die ihr Erbmaterial austauschen und so neue Nachkommen hervorbringen. Wo das geschah, ist noch nicht bekannt.

Im Dezember hatte es nach FLI-Daten erste H5N5-Befunde bei Wildvögeln in den Niederlanden, Montenegro, Kroatien und Albanien gegeben. Auch bei einer verendeten Nonnengans in Brunsbüttel wurde das Virus nachgewiesen. Die Wildgans war etwa 30 Kilometer von dem nun betroffenen Putenzuchtbetrieb im Kreis Steinburg entfernt gefunden worden. Wie das Virus in die zwei geschlossenen Anlagen des Betriebes kam, ist noch unklar.

Das Institut will jetzt mit Infektionsversuchen Unterschiede zum Typ H5N8 feststellen und herausfinden, wie und wo H5N5 entstanden ist und auf welchen Wegen es sich verbreitet hat. An der bisherigen Risikoeinschätzung ändere sich vorerst nichts. Das Eintragsrisiko in Hausgeflügelbestände in Deutschland sei weiter sehr hoch und eine Entspannung nicht in Sicht, betonte Reinking.

Um die Ursache der Einschleppung des Erregers soweit wie möglich zu klären, traf am Dienstagvormittag ein Expertenteam des Friedrich-Loeffler-Instituts im Kreis Steinburg ein. „Es gilt, alle möglichen Eintrags- und Verbreitungswege zu untersuchen“, erläuterte Minister Habeck. „Dazu gehören unter anderem Einstreu, Futter, Handels- und Transportwege sowie Betriebsmanagement.“ Am Nachmittag machte sich Habeck in Süderau ein Bild von der Lage. Er dankte den Einsatzkräften für deren Engagement.

dpa

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