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Schleswig-Holstein Kasse zahlt nun doch die Reha für schwerkranke Kielerin
Nachrichten Schleswig-Holstein Kasse zahlt nun doch die Reha für schwerkranke Kielerin
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13:21 12.09.2019
Von Heike Stüben
Ergotherapeutin Sandra Nagel (li.) und Oberärztin Anja-Maria Drenckhahn (linkes Bild, re.) gehören zum Team der Segeberger Kliniken, das sich um Iris Richter kümmert. Quelle: Matthias Ralf
Bad Segeberg

Besuch im Neurologischen Zentrum der Segeberger Kliniken. Wie an jedem Tag ist Iris Richter nicht auf ihrem Zimmer, sondern in der Therapie. Gerade trainiert sie in dem robotergestützten G-EO-System das Gehen. "Der Geh-Rhythmus wird durch das Training im Gehirn abgespeichert. Das ist notwendig, damit die Patientin wieder sicher stehen kann und die Schrittfolge beherrscht", erklärt der Leitende Physiotherapeut Björn Nielsen.

Lesen Sie auch: Nach Hirnblutung - Iris Richter kämpft um Therapie 

Das Ziel der Therapie ist, dass Iris Richter allein sicher am Rollator gehen kann. „Vor wenigen Monaten hätte ich das nicht für möglich gehalten. Alles sah danach aus, dass ich aus dem Rollstuhl nicht mehr herauskomme“, sagt die Kielerin.

Zukunft: Dauerpflegefall

Rückblick: Im Juni 2018 wird Iris Richter durch eine schwere Hirnblutung aus ihrem Leben gerissen. Nach drei Hirninfarkten und mehreren Operationen wird sie künstlich beatmet, künstlich ernährt. Ihre Zukunft als Dauerpflegefall scheint besiegelt. Doch ihr Verlobter sieht von Anfang die Chance auf Erholung. „Als sie aus dem künstlichen Koma erwacht war und scheinbar teilnahmslos im Bett lag, habe ich sie auf den Mund geküsst. Sie hat meinen Kuss erwidert. Da wusste ich: Sie will und sie wird kämpfen.“

Tatsächlich mobilisiert Iris Richter nach der Akut-Behandlung ungeahnte Energie. Mit einem enormen Willen wirft sie sich in alle Therapieangebote, die ihr das Neurologische Zentrum der Segeberger Kliniken anbietet.

Und tatsächlich macht sie Fortschritte. Die Wortfindungsstörungen, die Bewegungsprobleme, die Konzentrationsschwierigkeiten – all das wird gezielt von den Therapeuten angegangen. Doch im Frühjahr 2019 stellt die Krankenkasse die Finanzierung ein.

Der Umzug ins Heim ist unvermeidlich

Grundlage sind zwei Gutachten des MDK. Dort hat man festgestellt, dass die Patientin austherapiert ist. Diese Entscheidung fällt nach Aktenlage, ohne das ein Gutachter Iris Richter gesehen hat. Nicht nur für die Familie ein Schock. Auch die behandelnden Ärzte und Therapeuten der Segeberger Kliniken können das nicht akzeptieren.

Sie schreiben Widersprüche, belegen ihre Auffassung, dass Iris Richter ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft hat. „Frau Richter ist hoch motiviert, das konnten wir nicht ungenutzt lassen. Wir wollten ihr Potenzial ausschöpfen und mit unseren Therapiemöglichkeiten eine so größtmögliche Selbstständigkeit erreichen“, sagt Anja-Marie Drenckhahn, Fachärztin für Neurologie. 

Doch es hilft alles nicht. Die Kasse weist die Widersprüche zurück. Ende Mai muss Iris Richter, selbst Altenpflegerin, ins Prof. von Esmarch-Haus in Kiel ziehen. „Dort haben sich alle sehr um mich bemüht, alles Mögliche für mich möglich gemacht. Aber ein Leben im Pflegeheim ist nicht das, was man sich mit 49 Jahren für den Rest seines Lebens wünscht“, sagt Iris Richter im Rückblick. 

Erfolgreiche Wende - für Iris Richter und für die Kasse

Dann erscheint im Juni der Artikel auf KN-online. Kurz darauf teilt die BKK Mobil Oil mit: Iris Richter darf zurück in die Reha nach Segeberg. Die Kasse übernimmt alle Kosten und setzt sich damit über die Empfehlung des MDK hinweg – ein seltener Vorgang. Der sich nun auch für die Kasse bezahlt machen wird.

Denn am Freitag wird Iris Richter entlassen – und kann in ihre Wohnung zurückkehren. „Ich werde noch auf den Rollator angewiesen sein, aber dank der tollen Therapie selbstbestimmt leben. Das Bad ist bereits umgebaut. Ich werde vieles ganz allein machen können wie Anziehen, Waschen, Toilettengänge, Kochen..." Unterstützung ist ihr dabei sicher. Denn jetzt, so sagt ihr Verlobter, wird geheiratet. 

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