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Schleswig-Holstein Altbauer wird Rente gestrichen
Nachrichten Schleswig-Holstein Altbauer wird Rente gestrichen
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11:27 02.06.2018
Von Heike Stüben
Günter Wilde (links) aus Rastorf wird vom Freund der Familie, dem Softwarefachmann Helge von Bismarck, unterstützt, um das Rätsel der Null-Rente aufzuklären. Quelle: Sonja Paar
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Rastorf

Günter Wilde (88) aus Rastorf war Bauer und in der Landwirtschaftlichen Alterskasse LAK rentenversichert. 1991 hat er seinen Hof aufgegeben. Seine Ehefrau Elfriede nutzte damals eine spezielle Regelung für Landwirte, um eine höhere Rente zu bekommen.

Dazu zahlte das Ehepaar nachträglich Geld in die gesetzliche Rentenversicherung von Elfriede Wilde ein. Die Landwirtschaftliche Alterskasse legte noch eine deutlich höhere Summe obendrauf. Dieser Zuschuss wurde ausschließlich aus Steuermitteln finanziert. Wilde sagt: „Welche Folgen das für mich haben kann, hat mir niemand gesagt.“

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Altersrente auf Null gesetzt

Das erfährt er erst, als seine Frau Anfang 2018 verstirbt. Nur elf Tage später bekommt der Witwer einen Brief von der LAK, von der er seit vielen Jahren seine kleine Altersrente bekommt. Nun steht in dem Brief der Alterskasse: „Erfahrungsgemäß wird Ihre Rente sehr stark gekürzt werden. Um eine hohe Überzahlung zu vermeiden, haben wir die Zahlung Ihrer Rente vorläufig eingestellt.“

Günter Wilde ist entsetzt. „Meine eigene Rente kann mir doch niemand mehr nehmen. Die muss doch sicher sein.“ Doch einige Wochen später hat er Gewissheit: Seine eigene Altersrente wurde von der LAK auf Null gesetzt, die Zahlung eingestellt.

LAK: Nicht zweimal von Steuergeldern profitieren

Bei der LAK erklärt das Sachbearbeiter Reiner Langbehn so: Durch den Tod seiner Frau hat Günter Wilde zwar Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente. Die allerdings basiert – durch den Zuschuss 1991 – zum erheblichen Teil auf Steuergeldern. Aber auch die Rentenleistungen der LAK werde überwiegend Teil aus Steuergeldern finanziert. Günter Wilde würde also bei seinen Renteneinkünften doppelt vom Steuergeld profitieren - eine Ungerechtigkeit gegenüber anderen Rentnern.

Deshalb muss nach § 129 Gesetz über die Alterssicherung der Landwirte ALG in solchen Fällen die Altersrente nach einem bestimmten Berechnungsverfahren gekürzt werden. Das Pech von Günter Wilde ist, dass diese Kürzung seine gesamte eigene Rente auffrisst. Ihm bleibt also nur die Hinterbliebenenrente seiner Frau.

Ulrich Metschies 01.06.2018
Bastian Modrow 01.06.2018