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Schleswig-Holstein Offensive entzweit Türken und Kurden
Nachrichten Schleswig-Holstein Offensive entzweit Türken und Kurden
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07:00 19.10.2019
Von Niklas Wieczorek
Schon am vergangenen Wochenende gab es eine Groß-Demo gegen die türkische Militäroffensive in Kiel. Quelle: Frank Peter
Kiel

Zwar gab es noch keine ausufernde Gewalt wie etwa in Nordrhein-Westfalen - doch der Konflikt schlägt sich auch auf den Straßen im Norden nieder. Am Rande von Demonstrationen gab es erste Handgemenge.

Seit Tagen ziehen Demonstrationszüge mit bis zu 300 Teilnehmern abends durch Kiel, laut Polizei weitgehend friedlich wie auch die Kundgebungen in Lübeck und Flensburg. Lautstark kritisieren die Demonstranten den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und fordern Solidarität mit den Kurden.

Emotionen auch in Kiel und Lübeck im Spiel

Provokationen gab es jedoch aus den Demos heraus und von außerhalb. "Einen Böllerwurf konnte man nicht konkret zuordnen", sagte Kai Breva von der Polizei Kiel - angebliche Urheber: türkische Nationalisten in der Bergstraße.

In Lübeck wurden ein türkischer Taxifahrer und ein Polizist attackiert. "Der Emotionalisierungsgrad ist hoch", so Dennis Schneider vom Landespolizeiamt.

Kurden und Türken hoffen auf friedliches Zusammenleben

"Ich hoffe, dass die Lage sich beruhigt", sagt Schamal Zangana vom Kurdischen Kulturzentrum Kiel. "Das Vorgehen der Türkei schadet dem friedlichen Zusammenleben von Hunderttausenden Menschen hier." In Schleswig-Holstein leben rund 28.000 Türken. Die Zahl der Kurden ist unklar, wird bundesweit auf 500.000 bis eine Million geschätzt.

"Der Konflikt betrifft uns, ob man will oder nicht", sagt Schamal Zangana. Ob es hier friedlich bleibe, hänge von den Ereignissen in Nordsyrien ab. Tote Angehörige ließen auch die emotional werden, die ansonsten schweigen.

Das Zusammenleben in Kiel funktioniert

In den eher kleinen Gemeinden im Norden kenne man sich, so die SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli, die im Kieler Stadtteil Gaarden aufwuchs. Das Zusammenleben funktioniere. Der aktuelle Konflikt aber sei "für beide Seiten emotional, die Kurden sind zu Recht aufgebracht". Doch eine Eskalation erwarten weder sie noch der Kieler OB-Kandidat Björn Thoroe (Linke), der sich pro-kurdisch engagiert.

"Die Menschen sind aufs Höchste angespannt", sagt eine Sprecherin des Kurdistan Solidaritäts-Komitees vor dem Protest am Sonnabend - in Kiels Zentrum sind bis zu 800 Menschen angemeldet. Auch sie legt Wert auf Gewaltfreiheit. Namentlich genannt werden will sie nicht; wie so viele befragte Kieler. Vor allem Türken mögen das eigene Militär öffentlich kaum kritisieren.

Wie groß ist generell die Zustimmung zum Kurs der türkischen Regierung bei den Türken in Norddeutschland? Im deutschlandweiten Vergleich gab es zu den Parlamentswahlen 2018 in Hamburg, wo auch die Kieler abstimmten, eher niedrige Stimmanteile für Erdogans AKP, vergleichsweise viele für die gemäßigte pro-kurdische HDP.

Ein militärischer Salut-Gruß von Spielern – wie bei der türkischen Nationalelf – ist dem Schleswig-Holsteinischen Fußballverband noch nicht bekannt: "Ich hoffe auf viele Tore und wenig Politik am Wochenende", sagt Sprecher Karsten Tolle.

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