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Schleswig-Holstein Auf dem Kieler Mietmarkt regiert der Frust
Nachrichten Schleswig-Holstein Auf dem Kieler Mietmarkt regiert der Frust
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07:00 23.09.2015
Von Karen Schwenke
Das geänderte Maklergesetz führt zu Frust auf dem Kieler Mietmarkt. Quelle: Marijan Murat/dpa
Kiel

In der Vergangenheit zahlten laut Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz neue Mieter pro Jahr rund 573 Millionen Euro Provisionen an Makler. Seit einem Vierteljahr müssen also viele Makler hohe Umsatzeinbußen hinnehmen. Mieter hingegen profitieren finanziell, weil sie die Courtage einsparen, finden aber kaum noch einen Makler, der für sie eine Wohnung suchen will. Und eine weitere Schwachstelle lässt sich bei dem Gesetz ausmachen: Für die Vermittlung eines Objekts könnten zwei Makler die Courtage kassieren.

 „Ich habe wöchentlich fünf bis zehn Anfragen von verzweifelten Menschen, die dringend eine Wohnung in Kiel suchen und bereit sind, die übliche Courtage von zwei Monatskaltmieten zu zahlen“, berichtet die Maklerin Heike Asmus-Nagel, Vermietungsmaklerin bei Detlef Schoof/LBS Immobilien, „aber ich kann keine Wohnung für sie suchen.“ Ähnlich geht es Andrew Teixeira von Otto Stöben: „Wir haben regelmäßig Wohnungsgesuche. Doch ich muss alle Aufträge ablehnen.“

 Der Grund ist nicht, dass diese Makler zu viel zu tun hätten. Im Gegenteil: Beide beklagen seit Einführung des neuen Gesetzes deutlich spürbare Auftragsrückgänge. Auch könnten sie die Anfragen der Wohnungssuchenden theoretisch entgegennehmen, auch müssten diese Kunden im Erfolgsfall den beauftragten Makler bezahlen. Doch in der Praxis ist diese Gebühr kaum zu erzielen: Die Suche sei aufwändig, die Wahrscheinlichkeit eines Abschlusses gering und eine einmal gefundene Wohnung dürfe auch nur einmal angeboten werden, wolle man dafür eine Provision erzielen.

 Die Geschäftsführerin des Kieler Mietervereins, Heidrun Clausen, hat von ihren Mitgliedern bisher keine Beschwerden erhalten und geht davon aus, „dass Makler keinen Missbrauch betreiben und tatsächlich nur Provision kassieren, wenn sie bestellt werden“. Aber Befürchtungen, Vermieter würden versuchen, Hintertüren zu finden, um den Mieter an der Courtage doch irgendwie zu beteiligen, schließt Clausen zumindest nicht aus: Es bestehe die Möglichkeit, den Mietpreis zu erhöhen, indem „der Vermieter zusätzliche Angebote mit der Vermietung verbindet, zum Beispiel einen Baukostenzuschlag für eine Einbauküche, oder bei der Mietpreisspanne an die obere Grenze geht“. Ein großes Problem sieht Clausen auch in dem praktisch „nicht vorhandenen Angebot an günstigen freien Wohnungen in Kiel“. Sie schätzt, „dass es nur noch ganz wenige Vermieter gibt, die Makler beauftragen“, da schon eine einfache Anzeige zur erfolgreichen Wohnungsvermietung ausreiche.

 Diesen Trend beobachtet auch Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus und Grund. „Inzwischen sind aber einige Vermieter zur alten Praxis zurückgekehrt und beauftragen einen Makler, weil sie die Dienstleistung nun schätzen gelernt haben“, sagt Bergemann. „Allerdings wird versucht zu verhandeln, um weniger als die üblichen zwei Monatsmieten zu zahlen.“

 Theoretisch könnten am Ende die Makler von dem Gesetz übrigens doch noch am meisten profitieren. Wie das Bundesjustizministerium auf Anfrage bestätigt, ist es zulässig, dass zwei Makler für ein Mietobjekt eine Courtage verlangen. Folgender Fall ist denkbar: Ein für die Wohnungssuche beauftragter Makler wird bei einem anderen Makler fündig, der für das von ihm angebotene Objekt den Auftrag des Vermieters hat. Passen Mietgesuch und Mietangebot zusammen, und es kommt zum Vertragsabschluss, würden beide Makler die Provision von ihrem Kunden kassieren, also in der Regel zweimal zwei Kaltmieten. Für die Vermittlung eines einzigen Objekts fallen also vier Monatskaltmieten plus Mehrwertsteuer als Vermittlungsprovision an. Sogar die Maklerin Heike Asmus-Nagel findet: „Das kann doch nicht im Sinne des Gesetzgebers sein.“

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