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Schleswig-Holstein Neulandhalle wird historischer Lernort
Nachrichten Schleswig-Holstein Neulandhalle wird historischer Lernort
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13:57 05.05.2019
Eingebettet in den 1933 von seinem Namensgeber eingeweihten «Adolf-Hitler-Koog» entstand die Neulandhalle. Jetzt wird die Neulandhalle ein historischer Lernort, um die Mechanismen völkischer NS-Propaganda und ideologischer Verführbarkeit den heutigen Generationen zu vermitteln. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Dieksanderkoog

Am 8. Mai 2019 - 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - wird der historische Lernort Neulandhalle im heutigen Dieksanderkoog (Kreis Dithmarschen) im Beisein von Landtagspräsident Klaus Schlie und Kulturministerin Karin Prien (beide CDU) eröffnet.

Auf dem Außengelände der Neulandhalle in Dieksanderkoog wird eine dauerhafte, selbsterklärende, allgemein zugängliche Außenausstellung zu sehen sein, die das Beispiel fataler NS-Propaganda und Volksgemeinschafts-Ideologie präsentiert und erklärt, wie der Kirchenkreis Dithmarschen mitteilte.

Neulandhalle hatte kultische Bedeutung

Ziel sei eine Darstellung der lokalen Geschichte und Nachgeschichte des damaligen Adolf-Hitler-Kooges – kritisch eingebettet in die großen NS-Konzepte von „Lebensraum“ und „Volksgemeinschaft“, sagte Prof. Uwe Danker, Direktor der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History der Europa-Universität Flensburg (FRZPH). Die Neulandhalle besaß eine geradezu kultische Bedeutung, sagte Danker, der die Ausstellung konzipiert hat. Und der 1935 eingeweihte Koog selbst sei von Anfang an ein Renommierkoog der Nationalsozialisten gewesen.

„Die Nationalsozialisten haben diesen Koog von Anfang an als eine Volksgemeinschaft im Kleinen gefeiert“, sagte Danker. Es sei ein Experimentierfeld wie im Reagenzglas gewesen, wo die Nationalsozialisten ihre Idealziele einer Volksgemeinschaft verwirklichen wollten.

Nationalsozialisten luden das Thema Landgewinnung ideologisch auf

Ein weiteres zentrales Thema der NS-Ideologie, das am Beispiel der Neulandhalle und des Kooges erzählt werden soll, ist das des NS-Konzeptes Lebensraums. „Der Adolf-Hitler-Koog ist ein Produkt von traditionellen Landgewinnungsarbeiten, wie wir sie an der Westküste seit 800 Jahren kennen“, sagte Danker.

Die Nationalsozialisten hätten das Thema Landgewinnung in der Region ideologisch aufgeladen und sich der Westküstentradition bemächtigt. Die ideologisch aufgeladenen Landgewinnungsmaßnahmen zur Schaffung des damaligen Adolf-Hitler-Kooges würden eingeordnet in das gesamte NS-Konzept „Lebensraum“.

Neulandhalle Dieksanderkoog nur nach Anmeldung zugänglich

Für die Ausstellung wurden keine normalen Schautafeln aufgestellt, sondern mannshohe Buchstaben, die die Wörter „Lebensraum“ „und“ „Volksgemeinschaft“ bilden. Bei den Buchstaben von „Leben“ beispielsweise wird auf der einen Seite der Lettern die Landgewinnung an der Westküste vorgestellt und auf der anderen Seite die ideologische Aufladung derselben.

Die zwölf Buchstaben des Wortes Gemeinschaft zeigen auf der einen Seite die Geschichte des Adolf-Hitler-Kooges und auf der Rückseite die Neulandhalle und ihre Geschichte selbst.

Die Ausstellungsmacher standen vor der Herausforderung, mit der reinen Außenausstellung auch das Innere der Neulandhalle zu zeigen, die nur nach Anmeldung zugänglich ist. „Die Grundannahme ist, dass die Halle verschlossen ist. Wir müssen also die Halle präsentieren und unsere Geschichte und Geschichten“, sagte Danker.

Hier sehen Sie historische Bilder von der Neulandhalle.

Von KN/dpa

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