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Schleswig-Holstein Ein Neumünsteraner lüftet das Geheimnis
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14:23 02.12.2019
Er recherchierte die Geheimnisse der "Völkerverständigung": Wolfgang Klietz. Quelle: Frank Behling
Kiel

Ein Gärtnerei-Besitzer aus Kiel-Elmschenhagen, der einfach nur seinen Sohn wiederhaben wollte. Der Fehmarnbelt. Das U-Jagdboot „Najade“. Das PassagierschiffVölkerfreundschaft“. Auf den ersten Blick ist das eine wirre Aufzählung. Am 14. April des Jahres 1968 bildete all das den Rahmen für die filmreife Flucht eines DDR-Bürgers – eines Mannes Ende 30, der mitten in der Nacht von Bord der „Völkerfreundschaft“ in die kalte Ostsee springt. Um diesem Mann bei der Flucht zu helfen, war der U-Boot-Jäger vor Ort, im Fehmarnbelt. Alles hätte lautlos und verschworen über die Bühne gehen können – wenn es zwischen dem westdeutschen Militärschiff und dem ostdeutschen Passagierschiff nicht zu einer Kollision gekommen wäre.

Die „Völkerfreundschaft“ war nicht irgendein Passagierschiff. Sie war das Aushängeschild der DDR-Staatsreederei DSR. Lange hielten sich Gerüchte über den angeblich hochrangigen Flüchtling aus der DDR. Ein West-Agent soll er gewesen sein. Was damals wirklich geschah, hat Wolfgang Klietz zutage gefördert. Über Jahre hat sich der Neumünsteraner tief in die Geschichte der DDR-Staatsreederei eingearbeitet. Ein spannendes Unterfangen: Von der Gründung der DSR 1952 bis zur Wiedervereinigung gab es mehrere schwere Zwischenfälle, deren genaue Hintergründe zum Teil heute noch im Verborgenen liegen.

Um die Handelsflotte der DDR-Staatsreederei DSR ranken sich viele Geheimnisse

„Auf das Thema bin ich bei Recherchen zum Bau des Eisenbahnfährhafens Mukran auf Rügen gestoßen“, berichtet Klietz. 2012 veröffentlichte er das Buch „Ostseefähren im Kalten Krieg“, das den Aufbau der Eisenbahnverbindung Mukran-Klaipeda von 1982 bis 1986 dokumentiert. Die fünf großen Fähren waren in erster Linie für den Transport von Militärgütern der in der DDR stationierten Sowjettruppen konstruiert. Zum Teil unter strenger Geheimhaltung.

Und Geheimhaltung war bei der Staatsreederei der DDR ein hohes Gut. 2016 startete Klietz die Recherchen für das Buch „Schutzlos auf See – Angriffe auf die zivile Schifffahrt der DDR“. „Dabei bin ich auf eine Vielzahl mysteriöser Vorfälle rund um die Handelsschifffahrt der DDR gestoßen“, berichtet der Journalist. Dabei ging es meist um Seeunfälle, die oft auch eine politische Dimension hatten.

Früherer Kapitän der DDR-Staatsreederei DSR unterstützte die Recherchen

Unterstützt wurde Klietz durch Kapitän Andreas Neuendorf, der selbst für die DSR fuhr. „Der Kontakt war für mich sehr wichtig“, sagt Klietz. Neuendorf fuhr seit 1963 zur See und war als Kapitän des Frachters „Müggelsee“ im Januar 1986 in einen Zwischenfall verwickelt, der weltweit Schlagzeilen machte: Gemeinsam mit der britischen Königsjacht „Britannia“ rettete die „Müggelsee“ hunderte Zivilisten aus dem vom Bürgerkrieg zerrütteten Jemen, viele von ihnen Arbeitskräfte aus der DDR.

„Es gab eine Ehrung für die Besatzung – öffentlich bekannt gemacht wurde der Vorfall in der DDR aber nicht“, sagt Klietz. Kein Wunder: Der Jemen war damals eine sozialistische Republik, und die DDR unterstützte die Regierung in Sanaa. Flüchtende Arbeiter der DDR waren kein Grund für Schlagzeilen in Ost-Berlin.

Auch die Kollision der „Völkerfreundschaft“ mit dem U-Jäger „Najade“ der Bundesmarine blieb der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. „Die ,Najade’ und ihr Schwesterboot ,Triton’ hatten vor Fehmarn auf das Schiff gewartet“, sagt Klietz. An Bord: DDR-Bürger auf der Heimkehr von einer Urlaubsreise in den sozialistischen Bruderstaat Kuba. Einer von ihnen sprang, wie verabredet, in die Ostsee und wurde gerettet.

Flucht aus der DDR: Vieles lief über private Kontakte

Was wie ein Agentenkrimi erscheint, war in Wirklichkeit eine deutsch-deutsche Familien-Zusammenführung. „Die Aktion wurde von einer Kieler Familie in Elmschenhagen über private Kontakte eingefädelt“, weiß Klietz inzwischen. Der Mann, der gesprungen ist, war der Sohn eines Gärtnereibesitzers aus Kiel-Elmschenhagen. Er war Lkw-Fahrer und nicht, wie lange vermutet, ein wichtiger Agent. Ermöglicht wurde die Flucht durch gute Kontakte, darunter auch zu einem Marineoffizier mit Entscheidungsbefugnis über operative Einsätze.

Für die erfolgreiche Familienzusammenführung zahlte die Bundesmarine einen hohen Preis. Während die „Völkerfreundschaft“ nur leicht beschädigt wurde, kehrte der U-Bootjäger mit eingedrücktem Vorschiff nach Kiel zurück und fiel über Monate aus. Aber das musste man ja nicht an die große Glocke hängen. Auch die DDR-Behörden sahen keinen Sinn darin, die Schrammen an der „Völkerfreundschaft“ medienwirksam dem Klassenfeind anzulasten. Nur keine Werbung machen für einen gelungenen Fall von Republikflucht.

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Von Behling Frank

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