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Schleswig-Holstein Campingplatz-Betreiber filmte Urlauber auf Toilette
Nachrichten Schleswig-Holstein Campingplatz-Betreiber filmte Urlauber auf Toilette
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14:46 05.08.2019
Von Bastian Modrow
Eine sogenannte Dome-Kamera. "In Intimzonen wie Toiletten, Duschen, Saunabereichen und Umkleidekabinen ist eine Videoüberwachung unzulässig", sagt Landesdatenschützerin Marit Hansen. Quelle: Stahlpress
Neustadt/Kiel

„Die Personen waren erkennbar, teilweise hatten die Kameras einen unverstellten Blick auf den Intimbereich“, bestätigt Landesdatenschützerin Marit Hansen Informationen von KN-online.

Ermittler sind fassungslos

Die Polizei war durch die Strafanzeige eines Urlaubers auf den Fall aufmerksam geworden. Der Feriengast hatte beim Benutzen der Toiletten auf dem Campingplatz die sogenannten Dome-Kameras an der Decke entdeckt. Die Ermittler schalteten das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) ein, das die WC-Anlagen Mitte Juli untersuchte. Die Inspektoren waren fassungslos: „Es konnte bis in die Toilettenkabinen hinein gefilmt werden, auch die Nutzung der Pissoirs der Herrentoiletten war deutlich erkennbar“, so Hansen.

Illegale Videoüberwachung: Schon über 100 Beschwerden in Schleswig-Holstein

Campingplatz-Betreiber verteidigt seine Aktion

Die Aufnahmen der Kameras wurden in Echtzeit auf zwei Monitore übertragen, die von Mitarbeitern der Anlage am Empfang angesehen werden konnten. „Auch Laufkundschaft hätte die Aufnahmen sehen können“, sagt die ULD-Chefin. Auf den Aufnahmen sei deutlich zu erkennen gewesen, dass die Betroffenen von der Überwachung nicht das Geringste ahnten. Die Bilder der Kameras wurden von dem Betreiber der Anlage auf externen Datenträgern gespeichert. Die vier Mitarbeiter des ULD fanden Aufnahmen, die mindestens eine Woche alt waren.

Der Betreiber verteidigte gegenüber KN-online seine Aktion: „Es hat in der Vergangenheit große Probleme durch Vandalismus und Verschmutzung in den WC-Anlagen gegeben.“ Immer wieder seien Seifenspender abgerissen oder Spiegel demoliert, Toiletten-Kabinen und Wände vorsätzlich verschmutzt worden. Dies habe er abstellen wollen. Mehr wollte er zu dem Fall angesichts des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Illegale Überwachung könnte strafrechtliches Nachspiel haben

Für Polizei und ULD gibt es keine zwei Meinungen: „In Intimzonen wie Toiletten, Duschen, Saunabereichen und Umkleidekabinen ist eine Videoüberwachung unzulässig“, sagt Hansen. Ihre Behörde hat angeordnet, die Kameras umgehend zu entfernen und sämtliche Videoaufnahmen zu löschen. Andernfalls drohe dem Campingplatz-Betreiber ein Zwangsgeld von mehreren hundert Euro. Die illegale Überwachung könnte auch ein strafrechtliches Nachspiel haben: Das ULD hat die Staatsanwaltschaft Lübeck eingeschaltet.

Christian Kluvetasch, Inhaber des Campingplatzes Rettin, legt wert auf die Feststellung, dass es sich bei dem betroffenen Betrieb nicht um seine Anlage handelt.

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