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Schleswig-Holstein Die Rendsburger Helfer geben nicht auf
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Nicht meckern, machen 2020: Die Helfer vom Verein W.I.R. geben nicht auf

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18:50 26.11.2020
In der Nähwerkstatt schneidert Mawa Kühn. Sie repariert Kleidung, wenn es sich lohnt, oder entwirft aus alten Sachen, die nicht mehr weitergegeben werden können, neue Taschen. Quelle: Uwe Paesler
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Rendsburg

14 Container und ein Wohnwagen stehen auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne in Rendsburg. Dort sammeln, reparieren und verteilen die Mitglieder des Vereins W.I.R. für Rendsburg Sachspenden für Bedürftige. Rund 65000 Gegenstände haben sie im vergangenen Jahr weitergegeben.

Am Anfang war die Flüchtlingskrise

Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, hätten sie zunächst einfach so Spenden gesammelt und verteilt, erzählen die Vereinsmitglieder. Um strukturierter zu arbeiten und für die Spender seriöser zu wirken, wurde dann schnell ein Verein gegründet. „Das war 2015 eine tolle Sache, da wurde einfach gemacht“, sagt der Vereinsvorsitzende Steffen Uebelhör (48). Die Abkürzung „W.I.R.“ steht für „Der Wille zu helfen, die Initiative ergreifen, das Richtige tun“.

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Die Not ist nach wie vor groß

Bald gab der Verein die Spenden nicht nur an Flüchtlinge, sondern auch an Bedürftige heraus. Anders als viele andere Initiativen, die sich im Zuge der Flüchtlingswelle gründeten, sind die Rendsburger deshalb fünf Jahre später immer noch aktiv. Ihnen ist bewusst, dass die Not nach wie vor groß ist. Statt darüber zu jammen, haben sie weitergemacht, auch wenn es gerade in diesem Jahr alles andere als einfach ist.

Nicht meckern, machen!

Schlechte Nachrichten gibt es genug. In unserer Serie „Nicht meckern – machen!“ erzählen wir deshalb eine Woche lang Geschichten, die Mut machen. Die Kieler Nachrichten haben zusammen mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, dem „Hamburger Abendblatt“ und NDR Info nach Menschen gesucht, die im Norden etwas bewegen und Dinge zum Besseren verändern.

Teil 1: Das rollende Klassenzimmer

Für manche eine Win-win-Situation

In einigen Containern stapeln sich die Kartons, auf denen vermerkt ist, welche Größe die Kleidung hat, ob sie für Sommer oder Winter ist, für Damen, Herren, Mädchen oder Jungen. Für Nachschub an sortierter Kleidung sorgt an diesem Tag Evelin Uebelhör (71), die Mutter des Vorsitzenden. „Ich kann helfen und habe was um die Ohren“, begründet die Rentnerin ihr Engagement – mindestens drei Mal pro Woche komme sie her.

Zwei Container weiter sitzt Mawa Kühn (39) an der Nähmaschine, sie wurde wie zwei weitere Mitarbeiter über ein Teilhabeprojekt des Jobcenters vermittelt. Kühn repariert Kleidungsstücke oder näht Taschen, deren Zustand zu schlecht ist, um sie noch weiterzugeben. Über einen Buchhändler in Rendsburg werden die Sachen verkauft.

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Das Sortiment ist den Zufall überlassen

Gegenüber der Nähwerkstatt steht Winfried Trampenau (58) im Shop des Vereins. Auf der Fläche, die drei Container umfasst, gibt es Gläser und Handtücher ebenso wie Schuhe, Jacken oder auch ein Sakko in Kindergröße. Hier können sich die Bedürftigen für 2,50 Euro pro Person nehmen, was sie brauchen. Trampenau, der ebenfalls über das Jobcenter gekommen ist, hilft ihnen dabei. Pro Haushalt wird ein Termin vereinbart, die Menschen haben dann eine Stunde Zeit, sich Kleidung, Schuhe und Hausrat auszusuchen. „Die Leute haben nicht immer eine klare Vorstellung, was sie haben wollen. Aber wir haben auch nicht immer das gleiche Sortiment“, sagt Trampenau.

Es gibt auch eine Fahrrad-Werkstatt 

Ein paar Container weiter ist die Fahrrad-Werkstatt. Auf der Werkbank steht ein kleiner Tretroller, leuchtend grün angemalt. Nicht nur er, auch Räder und Kinderwagen werden hier wieder fit gemacht. „Das Herrichten eines Fahrrads kostet uns im Schnitt 80 Euro, wir geben es für 30 Euro raus“, so Uebelhör. Früher hätten sie die Räder verschenkt, doch dann sei mancher Empfänger nicht pfleglich mit ihnen umgegangen. „Seitdem sie etwas kosten, ist das besser geworden.“

Auch Scham spielt eine Rolle

Für die Gegenstände etwas zu zahlen, gebe den Menschen auch etwas, sagt Katja Ledwinka (49), die zweite Vorsitzende des Vereins. „Dann sind sie nicht einfach auf Almosen angewiesen.“ Eine Mutter etwa tausche von Saison zu Saison die zu klein gewordene Kinderkleidung gegen passende aus. Auch Uebelhör betont, dass es für die Menschen nicht immer einfach sei, die Hilfe anzunehmen. „Vor allem, wenn man dabei auch noch gesehen wird: Daher machen wir die Einzeltermine.“

In diesem Jahr fehlt es an Spenden

Die Arbeit des Vereins am Laufen zu halten, ist nicht leicht. Rund 20000 Euro braucht W.I.R. für Rendsburg pro Jahr. Doch 2020 sei schwierig gewesen, durch die Corona-Pandemie seien viele Geldspenden – und Gelegenheiten, sie zu sammeln – weggefallen, schildert Uebelhör. Im Sommer seien sie zudem gezwungen gewesen, ihren bisherigen Standort in einer alten Werkstatt-Halle aufzugeben.

Der Verein sucht eine dauerhafte Lösung

Der Vermieter hätte Eigenbedarf angemeldet. Dadurch hätten sie 450 Quadratmeter Lagerfläche eingebüßt, es blieben noch die 210 Quadratmeter in den Containern. Lagerfläche und Shop sind jetzt wesentlich kleiner. „Manches ist hier aber auch besser. Die Container sind beheizbar und halten dem Regen stand“, so Uebelhör. Nach einer dauerhaften Lösung sucht der Verein dennoch, die muss aber möglichst zentral liegen und für die Spendenempfänger auf jeden Fall mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein.

"Eigentlich kann das jeder machen"

Doch auch wenn noch keine feste Immobilie gefunden ist, macht W.I.R. weiter. Die 15 Vereinsmitglieder, die ehrenamtlich helfen, würden dabei ebenso alle Aufgaben übernehmen wie auch die drei Mitarbeiter, erzählt Uebelhör, der fast jeden Tag auf dem Gelände ist. „Eigentlich kann jeder so etwas machen, es macht nur nicht jeder. Viele jammern rum, aber man muss auch mal seinen Hintern hoch kriegen.“

Von Jördis Früchtenicht

25.11.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 24.11.2020
Christian Hiersemenzel 24.11.2020