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Schleswig-Holstein Notruf 112: Feuerwehr kann jetzt das Handy orten
Nachrichten Schleswig-Holstein Notruf 112: Feuerwehr kann jetzt das Handy orten
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18:27 01.11.2019
Von Niklas Wieczorek
Ein Notruf läuft bei Heiko Strzylecki als Leitstellen-Disponent in Kiel auf – und der sieht auch die Stecknadel auf seiner digitalen Stadtkarte. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Möglich macht das die sogenannte Advanced Mobile Location (AML). Das Projekt wurde von der Integrierten Leitstelle Freiburg-Breisgau/Hochschwarzwald und der Berliner Feuerwehr initiiert. Grundlage ist eine Partnerschaft mit Google, dem Entwickler des weit verbreiteten Android-Betriebssystems für Smartphones. Für iPhone-Nutzer soll die Technik in Kiel ab Dezember zur Verfügung stehen. Die Netzbetreiber Telekom, Telefónica (O2) und Vodafone unterstützen die Technik, die für den Nutzer kostenlos ist.

Rechtliche Grundlage ist eine EU-Richtlinie

„Bis vor einem halben Jahr hatten wir gar keine Ortung“, sagt Jens Hellmeier, Fachinformatiker bei der Feuerwehr Kiel. Im Juni begann dann eine Testphase, in der die Leitstelle Kiel als eine von zehn bundesweit Erfahrungen sammelte. 30 bis 40 Prozent der Handy-Notrufe habe man da bereits orten können. Wie die Technik funktioniert? „Es werden sozusagen stille SMS versandt“, sagt Hellmeier. Jetzt soll die Technik komplett an den Start gehen.

So kam es zur Einführung der AML-Technik

78 Prozent der Notrufe werden heute per Handy abgesetzt, so die Europäische Kommission. Damit können die Notfall-Leitstellen nicht mehr den üblichen Abgleich mit Telefonbüchern oder Anfragen bei der Telekom starten, um den Standort im Zweifel herauszufinden. Mit der EU-Richtlinie 2018/1972 wurden die EU-Mitgliedsstaaten daher verpflichtet, den Leitstellen die Informationen zum Anruferstandort zukommen zu lassen. Die Kooperationen mit den Entwicklern der Betriebssysteme sowie den großen Netzbetreibern stellt nun dafür die notwendige Technologie zur Verfügung.

Rechtliche Grundlage ist eine EU-Richtlinie, wonach beim Wählen der 112 die Standortdaten übertragen werden dürfen. Die Lokalisierung erfolgt als eine Mischform aus WLAN-, GPS- und Funkzellendaten. Der Nutzer muss keine Einstellungen vornehmen oder Freigaben erteilen. Wichtig ist allerdings, die Smartphones mit den aktuellsten Versionen der Betriebssysteme auszustatten.

Schleswig-Holstein: Viele Leitstellen nutzen die Technik

Etwa ein Drittel der rund 250 Leitstellen in Deutschland ist inzwischen an die Server der Freiburger und Berliner angebunden. In Schleswig-Holstein sind die Leitstellen Mitte in Kiel, Nord in Harrislee und West in Elmshorn bereits aktiv, die Leitstellen Neumünster, Holstein in Norderstedt, Lübeck und Süd in Bad Oldesloe nutzen die Technik noch nicht, sind aber teilweise in Vorbereitung. „Ich begrüße die technische Erleichterung für die Disponenten“, sagt Landesbrandmeister Frank Homrich. Fehlende Ortskenntnis sei gerade in Zeiten technischer Hilfsmittel ein immer größer werdendes Problem.

„Wir müssen noch immer im Gespräch klären, ob es wirklich ein Notfall ist“, sagt der Städtische Branddirektor Markus Brandau. „Wir greifen daher weiterhin auf unsere Fragen und detaillierten Karten zurück.“ Der Mensch als Disponent in der Leitstelle werde also noch eine ganze Weile erhalten bleiben. „Aber die technische Entwicklung wird sicher noch weitergehen, zum Beispiel für Notrufe per App“, wagt Brandau einen Ausblick.

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