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Schleswig-Holstein Öffentlicher Dienst: Für welche Stellen Bewerber fehlen
Nachrichten Schleswig-Holstein Öffentlicher Dienst: Für welche Stellen Bewerber fehlen
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13:30 22.09.2019
Von Anne Holbach
Hammer-Job: Um die Sicherheit der Verkehrsinfrastruktur zu gewährleisten, müssen die Brücken regelmäßig von einem Bauingenieur geprüft werden. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

„Die Kreisverwaltung hat zunehmend Schwierigkeiten, qualifizierte Bewerbungen zu erhalten. Oftmals sind mehrere Verfahren notwendig, um Stellen besetzen zu können“, sagt Lina Deutschendorf vom Fachdienst Personal des Kreises Rendsburg-Eckernförde. Das treffe mittlerweile nicht nur für pädagogische, technische und ärztliche Stellen zu, sondern auch für den allgemeinen Verwaltungsdienst.

Die Herausforderung wachse, qualifiziertes Personal auch zu halten. „Die Stadtverwaltung spürt die Auswirkungen des Fachkräftemangels. Es wird schwieriger offene Stellen neu zu besetzen“, sagt auch Dörte Riemer, Sprecherin der Stadt Rendsburg.

Zierau: „Wir bezahlen unsere Beamten nach Maßstäben von 1982"

In der Landeshauptstadt sind 300 Posten offen. So viele, dass Personaldezernent Christian Zierau mit dem Programm „Personal stärken“ entgegenwirken will. „Wir bezahlen unsere Beamten nach Maßstäben von 1982. Mit meinem Personalpaket will ich meine Kolleginnen und Kollegen nicht unter Kostenaspekten behandeln, sondern den Menschen in den Blick rücken.“ Es sollen beispielsweise Dienstposten neu bewertet und Sonderzuschläge angehoben werden.

Verdi: Alles ist auf Kante genäht

„Bei manchen Tätigkeiten locken die öffentlichen Arbeitgeber schon mit Prämien außerhalb der Tarifverträge“, erzählt Jochen Penke von der Gewerkschaft Verdi. Schaut er aufs Land, so fehle es in der Finanzverwaltung an Nachwuchs, auch der Küstenschutz könne mehr Kollegen gebrauchen. „Natürlich auch der Straßenbau, das Landeslabor, die Katasterverwaltungen und und und“, sagt Penke. Er sehe in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes Bedarf, weil „alles auf Kante genäht“ sei.

Rein rechnerisch sind von 16 Finanzämtern 1,5 nicht besetzt

Laut Steuer-Gewerkschaft sind im Land von etwa 3550 Stellen in der Steuerverwaltung nur 3150 besetzt. Das Fehlen von 400 Vollzeitkräften bedeute rein rechnerisch, dass von 16 Finanzämtern 1,5 nicht besetzt sind, sagte der Landesvorsitzende Harm Thiessen auf der Jahrestagung seiner Gewerkschaft.

Grund sei eine verfehlte Einstellungspolitik des Landes über Jahre, der erst jetzt mit mehr Ausbildungsplätzen entgegengewirkt werde. Es gebe zudem erhebliche Probleme, genügend geeignete Bewerber zu finden, so Thiessen. Das liege unter anderem daran, dass die Wirtschaft besser zahle und bessere Karrierechancen biete.

Bauingenieure dringend gesucht

Wer sich die Stellenausschreibungen der Kommunen anschaut, stößt vor allem auf eine Berufsgruppe: Bauingenieure. Auch hier ist die Konkurrenz mit der freien Wirtschaft ein Faktor. Die Stadt Kiel sucht derzeit einen Diplom-Ingenieur mit mindestens zwei Jahren Berufserfahrung als Sachbearbeiter Bauaufsicht. Eckernförde und Neumünster fehlen Tiefbauingenieure.

Alle drei Kommunen haben Stellen in der Entgeltgruppe 11 zu besetzen. Bei einem Einsteiger mit zwei Jahren Berufserfahrung würde das ein Gehalt von rund 3800 Euro bedeuten. Ein Abteilungsleiter für die Bauaufsicht, wie ihn Neumünster sucht, fällt in die Entgeltgruppe 13. Bei mehr als fünf Jahren Berufserfahrung käme er auf ein Gehalt von knapp 5095 Euro.

Höhere Verdienste in der freien Wirtschaft

Zum Vergleich: Laut einer Gehaltsstudie von ingenieur.de verdienen Bauingenieure mit mehr als zwei Jahren Berufserfahrung in der freien Wirtschaft im Schnitt 55.000 Euro im Jahr. Das sind im Monat über 780 Euro mehr als im öffentlichen Dienst. Für Bereichsleiter ermittelte die Studie ein Jahresgehalt von 78.600 Euro – deutlich mehr als bei den Kommunen. Das sind nur Durchschnittswerte, dank guter Konjunktur und Bauboom dürften Ingenieure mit Verhandlungsgeschick noch mehr herausschlagen können.

Arbeitgeberverband verweist auf Vorzüge des öffentlichen Dienstes

„Wenn wir Abschlüsse machen würden, die immer deutlich unterhalb der Wirtschaft liegen, dann würden wir den Konkurrenzkampf gänzlich verlieren“, sagt der Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes, Wilfried Kley. Dem sei aber nicht so, die Arbeitsbedingungen hätten sich verbessert. „Beim Gehalt müssen wir nicht unbedingt gleichziehen, denn wir haben andere Vorzüge, etwa die Sicherheit des Arbeitsplatzes.“

Auch für öffentlichen Gesundheitsdienst fehlt Personal

Das scheint nicht immer zu reichen. Aus dem Kreis Plön heißt es zwar, derzeit seien nahezu alle Stellen besetzt. „Generell gibt es aber Probleme, Ärzte für den öffentlichen Gesundheitsdienst zu finden. Zunehmend schwieriger stellt sich die Situation auch bei den Sozialpädagogen und dem IT-Fachpersonal dar“, sagt Kreissprecherin Nicole Heyck.

Im Kreis Ostholstein werden neben Sozialpädagogen dringend Kräfte für den Fachdienst Gesundheit und die Sozialen Dienste gesucht – ebenso im Kreis Segeberg. In Lübeck sind aktuell mehrere Stellen für Stadtärzte im Gesundheitsamt ausgeschrieben. Der Rettungsdienst sucht in Neumünster, Kiel und Lübeck Verstärkung.

1. Der öffentliche Dienst: Die Zahl der Stellen wächst

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