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Schleswig-Holstein Ostsee-Fischerei: Vielen Betrieben droht das Aus
Nachrichten Schleswig-Holstein Ostsee-Fischerei: Vielen Betrieben droht das Aus
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10:09 04.10.2019
Von Sven Hornung
Ein Herings-Fischer fährt mit vollen Netzen auf der Ostsee. Etwa 75000 Tonnen erwachsene Heringe leben derzeit in der westlichen Ostsee. Vor 30 Jahren waren es noch 300000 Tonnen. Quelle: Christian Charisius/dpa
Kiel

Ausgerechnet Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee geht es schlecht, die Haupteinnahmequelle der Küstenfischer in Schleswig-Holstein. Deshalb hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) Ende Mai empfohlen, die Fangmenge für den Westdorsch drastisch zu reduzieren. Die Fangquote sollte 2020 um rund 70 Prozent gesenkt werden, für den Hering in der westlichen Ostsee empfiehlt der ICES erneut ein Fangverbot.

Der Heringsbestand ist durch die klimabedingte Temperaturerhöhung der Ostsee weniger produktiv als vorher. Der Befischungsdruck ist in diesem Fall nicht die wichtigste Ursache für den schlechten Zustand“, sagt Christopher Zimmermann, Leiter des Instituts für Meeresforschung. Er ist einer der beiden deutschen Delegierten des ICES. Die EU-Kommission indes ist zwar gegen ein Fangverbot, schlug aber Anfang September eine Reduzierung der Fangmengen um 71 Prozent vor. Etwa 75000 Tonnen erwachsene Heringe leben derzeit in der westlichen Ostsee. Vor 30 Jahren waren es noch 300000 Tonnen.

Beim Dorsch, vor allem in der westlichen Ostsee, lägen die Gründe jedoch anders. „Der wurde jahrelang kräftig überfischt“, so Zimmermann. Seit 2016 fallen die Nachwuchsjahrgänge sehr unterschiedlich aus. Der Ostdorsch wiederum leidet unter einer umweltbedingten Fehlernährung. „Selbst wenn man die Fischerei in der östlichen Ostsee gänzlich schließt, würde es mehr als fünf Jahre dauern, bis sich der Bestand wieder einigermaßen berappelt“, erklärt Zimmermann.

Lesen Sie auch ein Interview mit dem Thünen-Chef Christopher Zimmermann zur Zukunft der Küstenfischerei in Schleswig-Holstein

Die Lage für die Fischer in Schleswig-Holstein wird damit immer existenzbedrohender. Die Zahl der Beschäftigten sank laut Landwirtschaftsministerium Ende 2018 auf 206, an der Nordsee sind es noch 241 Haupterwerbsfischer. Ein Blick auf die Altersstruktur zeigt, dass viele die Altersgrenze von 55 Jahren erreicht haben. Sie könnten abschlagfrei in Rente gehen.

„Wir werden weiter um den Erhalt der Küstenfischerei kämpfen. Wenn aber einzelne Fischer aufgeben möchten, muss ihnen ein sozial verträglicher Ausstieg ermöglicht werden“, fordert Benjamin Schmöde, Vizepräsident des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein. Neben Fangausfallprämien müsse die Politik auch ein neues Programm für die Abwrackprämie von Kuttern auflegen. Damit wurden bis Ende 2017 Schiffe ganz oder zeitlich befristet stillgelegt.

Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht ist überzeugt, dass die Küstenfischerei Schleswig-Holstein „unter veränderten Rahmenbedingungen“ erhalten bleibt. Er sagt aber auch: „Die Lage ist ernst. Ich werde noch im September mit beiden Küstenfischereiverbänden zusammenkommen, um über die Folgen der neuen Quotenvorschläge der EU-Kommission zu beraten.“

Die endgültige Entscheidung über die Fangmengen in der Ostsee wird der EU-Ministerrat im Oktober fällen.

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