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Schleswig-Holstein Kitesurfer tot aus der Ostsee geborgen
Nachrichten Schleswig-Holstein Kitesurfer tot aus der Ostsee geborgen
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06:23 29.07.2019
Von Jürgen Küppers
Badeverbot an der Ostsee: Vielerorts gab es am Sonnabend eine gefährliche Unterströmung. Quelle: Markus Scholz
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Kiel/Hohwacht

Ferienzeit, die Sonne strahlt und das kühle Wasser der Nordsee und Ostsee lockt - auf den Autobahnen in Schleswig-Holstein und Hamburg war der Verkehr am Wochenende deshalb teilweise zum Erliegen gekommen. Autofahrer steckten teils lange im Verkehr fest.

Kitesurfer stirbt vor Pelzerhaken

Wer dann endlich am Ostsee-Strand angekommen war, musste vielerorts aufs Badevergnügen verzichten. Starker Wind mit der Folge heftiger Unterströmungen machten das Baden in der Ostsee am Wochenende extrem gefährlich.

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So wurde am Sonnabend ein Kitesurfer tot aus der Ostsee vor Neustadt-Pelzerhaken (Kreis Ostholstein) geborgen. Laut Mitteilung der Rettungsleitstelle Süd, holte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) den 43-Jährigen am Sonnabend zwar aus dem Wasser, trotzdem kam jede Hilfe zu spät.

Klicken Sie hier, um die wichtigsten Baderegeln zu sehen, die die DLRG empfiehlt – und die Bedeutung der Flaggen zu erfahren, mit denen die Retter an den Stränden signalisieren, ob das Baden gefahrlos möglich ist.

Frau aus Ostsee gerettet - sie starb im Krankenhaus

Auch bei Scharbeutz wurden vier Menschen von der DLRG aus dem Wasser gerettet, die ohne Hilfe möglicherweise ertrunken wären. Eine Person musste reanimiert werden und wurde per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. In der Nacht verstarb die Frau im Krankenhaus. Auch der Rettungshubschrauber „Christoph 12“ war im Einsatz.

Südlich von Großenbrode mussten zudem zwei weitere Personen gerettet und reanimiert werden.

Aufgrund „schlecht bis gar nicht sichtbarer Unterströmung“ bestehe an einigen Ostsee-Stränden nach wie vor Lebensgefahr. Darauf wies die Integrierte Rettungsleitstelle Süd noch am Sonntag in einem Tweet hin. Sie berief sich auf Einschätzungen der DLRG. Zwischen Travemünde und Sierksdorf wurden zwischenzeitlich die roten Flaggen gehisst – die höchstmögliche Warnstufe.

Badeverbote: Rote Flaggen am Ostsee-Strand

Es galt unter anderem in Scharbeutz, am Timmendorfer Strand und zwischenzeitlich auch in Niendorf Badeverbot. Mit Megafonen wiesen die Rettungsschwimmer der DLRG bereits am Sonnabend die Urlauber auf die gefährliche Unterströmung und das Badeverbot hin.

„Die Ostsee hat zurzeit eine nicht sichtbare Unterströmug“, warnte auch die Leitstelle Süd am Sonntag auf Twitter. Nach Angaben der DLRG sei diese so stark, dass sie Badegästen die Füße wegreißen könnten. Vor allem für Kinder sei das gefährlich. Laut der DLRG hielten sich trotzdem viele Menschen nicht an das Badeverbot.

Gelbe Flagge an den Kieler Stränden

Nach Angaben der Wasserwacht Kiel war am Sonnabend an den Kieler Stränden in Falckenstein und Schilksee sowie in den Umlandgemeinden Strande und Laboe die gelbe Flagge gehisst. Das bedeutet: „Baden und Schwimmen gefährlich“, aber nicht verboten.

Auch die DLRG in Schwedeneck hatte gelb geflaggt. „Wegen der starken Windböen und der Unterströmung – gerade die sieht man ja nicht als Badender“, erläuterte einer der ehrenamtlichen Helfer. Es habe vor Ort aber keinerlei Probleme gegeben.

Vor Hohwacht wurde das am Sonnabend verhängte Badeverbot am Sonntag wieder aufgehoben, weil dort der Wind und damit die Unterströmung nachließen. „Wir müssen das aber im Blick behalten, weil die Lage jederzeit wieder kritisch werden kann“, erklärte der Leiter der Hohwachter Wachstation Christian Jung.

Hohe Nachfrage nach Strandkörben

Die Strandkorbvermieter profitierten vom schönen Wetter. Vereinzelt seien noch Strandkörbe frei, aber der Großteil sei ausgebucht, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Strandkorbvermieter Schleswig-Holstein, Hans-Jörg Borgwardt.

Wer sich an einem heißen Tag am Timmendorfer Strand einen Strandkorb sichern wolle, solle daher am besten schon um 8.00 Uhr morgens aufkreuzen. Insgesamt sei die Sommersaison für die Branche bislang aber wetterbedingt enttäuschend verlaufen: „Der Mai war ganz schlecht, der Juni mittelmäßig und die erste Julihälfte auch eher schwach“ sagte er.

Student stirbt nach Badeunfall in Hamburger Dove-Elbe

Ein 25 Jahre alter Student ist am Sonnabend beim Baden in der Dove-Elbe in Hamburg-Tatenberg untergegangen und später im Krankenhaus gestorben. Der Inder war gemeinsam mit den Teilnehmern einer Studienfahrt auf dem Rad unterwegs gewesen, wie die Feuerwehr mitteilte. Am Elbufer legte die Gruppe demnach eine Badepause ein. Gegen Mittag setzten die Studenten nach Angaben der Polizei einen Notruf ab und meldeten, dass ihr Freund untergegangen sei.

Die Feuerwehr Hamburg suchte mit vier Booten, Tauchern und einer Drohne nach dem Mann. Nach 30 bis 40 Minuten entdeckten sie den 25-Jährigen und zogen den leblosen Körper aus dem Wasser.

Unter Reanimationsmaßnahmen wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb er, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Die Freunde des Mannes erlitten einen Schock und wurden vor Ort seelsorgerisch betreut. Wie es zu dem Badeunfall kam, war zunächst unklar.

A1 und A7: Hohes Reiseaufkommen Richtung Küste

Auf den Autobahnen löste der Ferienbeginn in Bayern und Baden-Würtemberg und das Sommerwetter Staus aus. „Die hohen Temperaturen haben dazu geführt, dass sich auch viele Kurzentschlossene auf den Weg in Richtung Meer gemacht haben“, sagte der Sprecher des ADAC Hansa, Christian Hieff. Besonders auf der A1 bei Lübeck und auf der A7 sei der Verkehr insbesondere am Samstag immer wieder zum Erliegen gekommen.

Zwischen dem Dreieck Südwest und Schnelsen-Nord gab es am Sonnabend auf einer Strecke von mehr als 13 Kilometern kaum ein Durchkommen für die Fahrer. Auf der A1 kam es zwischen dem Maschener Kreuz und Ahrensburg auf einer Strecke von mehr als 30 Kilometern zu Stau und stockendem Verkehr.

Obwohl die Lage am Sonntag etwas ruhiger war, bildeten sich stellenweise längere Staus: Zwischen Quickborn und dem Hamburger Elbtunnel staute sich der Verkehr auf der A7 am Mittag auf einer Strecke von bis zu 18 Kilometern, in der Gegenrichtung ab dem Dreieck Hamburg-Südwest war der Stau zehn Kilometer lang. Auf der A1 in Richtung Süden steckten Autofahrer zwischen Stapelfeld und Hamburg-Öjendorf auf einer Strecke von zehn Kilometern im Verkehr fest.

KN-online (Kieler Nachrichten) 31.07.2019
Heike Stüben 28.07.2019