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Schleswig-Holstein Meeresautobahnen als Schutzzone
Nachrichten Schleswig-Holstein Meeresautobahnen als Schutzzone
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06:53 30.01.2017
Von Frank Behling
In Kadetrinne und Fehmarnbelt werden die Schiffe immer größer. Unter Wasser leben aber seltene Tiere und Pflanzen. Quelle: Lina Schlapkohl
Kiel

In diesem Jahr feiern die zwei Meeresautobahnen ein Jubiläum für den Umweltschutz. Seit genau zehn Jahren sind Kadetrinne und Fehmarnbelt nämlich Schutzzonen des Natura-2000-Programms. Ein Schutzgebiet, durch das täglich 130 bis 140 Schiffe hindurchdonnern. Geht so etwas?

 „Das geht hier sehr gut. Die Schifffahrt stört die Natur hier weniger", sagt Professor Henning von Nordheim, Leiter der Abteilung Meeresnaturschutz des Bundesamtes für Naturschutz. Immer, wenn Kameras oder Messgeräte des Bundesamtes ins Meer gehen, finden sie dort Überraschungen. Die beiden Meeresautobahnen haben Wassertiefen von 24 bis zu 32 Metern – was zugleich ein einzigartiger Schutzraum für Tiere ist. Statt der in der westlichen Ostsee sonst so typischen Stein- und Sandböden gibt es in den beiden Gebieten sogar Riffe.

Hohe Biodiversität

 Da die marinen Lebensräume der Kadetrinne bislang kaum durch menschliche Aktivitäten gestört wurden und auch die Auswirkungen der Eutrophierung der Ostsee durch Einträge der Landwirtschaft nicht zu strukturellen Veränderungen geführt haben, verfügt dieser Teil des Mare Baltikum noch über eine hohe Biodiversität, wie die Wissenschaftler des Bundesamtes in ihren Bericht zum Zustand der Rinne schreiben. „Durch die Riffstruktur gibt es dort zudem einen Zustrom an Sauerstoff. Das ist der Grund, weshalb die Artenvielfalt hier besonders groß ist im Vergleich zu anderen Teilen der Ostsee“, so Professor von Nordheim. So gebe es dort Fischarten, die man sonst in der Ostsee kaum findet. Der Klippenbarsch zum Beispiel gehört dazu. Das Vorkommen der großen Islandmuscheln, die bis zu 50 Jahre alt sind, zeige ebenfalls, dass die Kadetrinne in den letzten Jahrzehnten keine langanhaltenden „Sauerstoffmangelereignisse" durchleben musste. „Wir haben hier auch keine Berufsfischerei, was sich sehr positiv auf die Tierwelt auswirkt“, sagt von Nordheim.

 Die Fischkutter brauchen für das Ziehen der Schleppnetze offenen Seeraum. Genau das aber ist in der Kadetrinne nicht zu finden. Aufgrund der großen Zahl von Schiffen und der dort geltenden Verkehrsvorschriften wurden in der Kadetrinne und im Fehmarnbelt Verkehrstrennungsgebiete eingerichtet, mit Richtungsfahrwassern und Seezeichen. Da große Frachter und Tanker aufgrund ihres Tiefgangs von rund 14 Metern die Rinne und auch den Fehmarnbelt als Tiefwasserweg nutzen müssen, dürfen sie dort nicht durch Fischkutter behindert werden. Auch Offshore-Windparks sind nur in sicherer Entfernung erlaubt.

Meeresautobahn als Luftröhre

 Die Kadetrinne selbst ist an einigen Stellen nur 100 bis 200 Meter breit. An beiden Seiten wird es schnell flach, zum Teil weniger als acht Meter. Die Meeresautobahn ist für das Ökosystem Ostsee eine Art Luftröhre. Etwa 70 Prozent des Wasseraustausches für die östliche Ostsee strömt durch diese Rinne. Dieser Wasseraustausch sorgt auch für eine kräftige Belüftung in den Riffen. Auch das ist eine wichtige Lebensgrundlage für viele Pflanzen. Deshalb sind die Riffe dort mit Großalgen und auch Miesmuscheln zum Teil dicht bewachsen.

 Eine große Anzahl der dort beheimateten Lebewesen steht auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere und Pflanzen, so das Bundesamt. Warum aber ist dieses Amt und nicht eine Länderbehörde zuständig? Grund: Die 100 Quadratkilometer große Schutzfläche Kadetrinne und die 280 Quadratkilometer Fehmarnbelt liegen nicht im Küstenmeer des deutschen Hoheitsgebiets sondern in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (ABZ). Dort ist der Bund für Nutzung und Überwachung zuständig. Die Bundespolizei sowie die Schiffe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter Lübeck und Stralsund überwachen den Schiffsverkehr. In diesem Jahr könnte der Schutz noch besser werden: „Wir haben die Hoffnung, dass beide Gebiete als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden", so von Nordheim.

 Die einzige Gefahr für die Umwelt sind Schiffsunglücke. Deshalb gehört das Bonner Bundesamt für Naturschutz mit seiner Abteilung Meeresnaturschutz auf Vilm vor Rügen seit Jahren zu den Bundesbehörden, die sich für die Einführung einer verbindlichen Lotspflicht aussprechen. Erst Ende Oktober gab es in der Kadetrinne eine Havarie, die zum Glück glimpflich ausging: Der Massengutfrachter „Maestro Diamond“ hatte den Tiefwasserweg bei Gedser zu früh verlassen und war am flachen Rand der Kadetrinne aufgelaufen.

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