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Schleswig-Holstein So viel kostet das Parken am Strand
Nachrichten Schleswig-Holstein So viel kostet das Parken am Strand
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13:00 20.07.2019
Von Hans-Jürgen Schekahn
Fast überall an der Ostsee, wie hier in Laboe, werden Parkgebühren für Fahrzeuge fällig. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

An manchen Orten genügt die EC-Karte, woanders muss das Kleingeld passen. Wer mit dem Auto an die Ostsee fährt und dann parken möchte, muss sich auf die unterschiedlichsten Gebührensysteme und Zahlmethoden einstellen. Dabei gibt es allerdings obendrauf ganz persönliche Urlaubserlebnisse – zum Beispiel an einer Telefonzelle am Sehlendorfer Strand im Kreis Plön.

Sehlendorf: Kassierer sitzt in Telefonzelle

Von außen ist sie hellblau angestrichen. Doch Innen zeigt sie ihre wahre Farbe von damals: Gelb. Am Eingang zum Sehlendorfer Strand steht wohl die letzte „echte“ Telefonzelle im Kreis Plön. Leider ohne Telefon. Das Gehäuse dient heute dem Kassierer am Strand.

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Sie ist Arbeitsplatz von Reinhard Konietzke. Der pensionierte Polizist aus dem benachbarten Wangels kassiert schon in der dritten Saison die Kurabgabe von den Badegästen. Zumindest von denjenigen, die keine Ostseecard haben. „Ich arbeite da, wo andere Urlaub machen“, sagt er sichtlich stolz. Die meisten halten ihn für einen Parkwächter, was er aber nur in ganz seltenen Fällen ist. Parkgebühren zahlen bei ihm diejenigen, die den Freistrand zum Ziel haben.

Keine Zeit zum Ausruhen

In der Zelle lagert er seinen Klappstuhl, eine Schaufel und eine Greifzange für die Kippen. Die Reste der Zigaretten sind dem Pensionär ein Ärgernis, das er jeden Tag aufs Neue um seine Telefonzelle herum bekämpft. „Die Raucher sollten einmal in sich gehen.“ Er attestiert ihnen, dass sie kein Bewusstsein für Sauberkeit und Umweltschutz am Strand hätten. An diejenigen, die ihre Zigarettenstummel nicht einfach nur wegwerfen, verkauft er aus seiner Telefonzelle heraus Taschenaschenbecher.

Kieler Förde: Parkgebühren abgeschafft

Weder in Schilksee noch am Falckensteiner Strand oder in Hasselfelde kostet das Abstellen des Autos in Strandnähe etwas. In Schilksee steht der Parkplatz Tempest zur Verfügung. In Friedrichsort kann seit diesem Jahr kostenlos geparkt werden. Nach zahlreicher Kritik an der Parkgebühr von vier Euro verkündete Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ein kostenloses Parken. Gastronomen hatten über Umsatzeinbußen geklagt. Allerdings bleibt das große Antennenfeld in Friedrichsort geschlossen. Es besteht die Möglichkeit, entlang des Deichweges zu parken. Außerdem stehen noch der Platz P1 am Palisadenweg und bei Bedarf der Ergänzungsparkplatz P2 auf der grünen Wiese zur Verfügung. Zwar ist der mit Sand aufgeschüttete Abschnitt in Hasselfelde offiziell kein Badestrand, das Parken hier ist aber kostenlos.

Er zieht sich in den Unterstand vor allem bei Regen zurück. Aber auch, wenn einmal ein kräftiger Wind weht, sucht er hier Schutz. An heißen Tagen, wenn Hunderte von Badegästen an den Sehlendorfer Strand kommen, verbringt er keine Minute in der Telefonzelle. Mit bis zu fünf Helfern laufen sie entlang der Autoschlange entlang und kassieren. Manchmal staut sich der Verkehr zurück bis zum Sehlendorfer Kreuz. Da bleibt keine Zeit zum Ausruhen.

Für die jüngeren Leser sei gesagt, dass es früher keine Handys gab. Wer telefonieren wollte, betrat eine der Telefonzellen, nahm den Hörer ab, steckte erst einen, dann zwei Groschen (zwei Zehn-Pfenning-Stücke) in einen Schlitz und konnte mit anderen sprechen.

In Damp wird alles mit Video überwacht

Kameras statt Schranken: Mit einem videoüberwachten Parksystem fährt die Ostsee-Resort Damp GmbH (ORD) im Kreis Rendsburg-Eckernförde seit Ostern deutlich störungsfreier als zuvor. 530 von mehr als 2000 Autostellflächen liegen im Kurgebiet und damit auch an einem kilometerlangen Strand mit Strandkorbbereich. Zudem parken dort Besucher der Kliniken und Hotelgäste. Aber: Die alte Schrankenanlage am Parkplatz war störungsanfällig. „Wenn sie nicht aufging, staute sich der Verkehr“, berichtet Melanie Feußner vom ORD-Marketing. Mit dem neuen System fließt der Verkehr besser. Auch empfehlenswert: der Großparkplatz mit gut 1500 Stellplätzen. „Von dort aus fahren von morgens bis abends kostenfreie Shuttle zum Strand", so Feußner.

Für Bürgermeister Andreas Köpke ist die Zelle "Kult"

Ortsgespräche waren damals billiger als Ferngespräche. Und die Reste einer solchen Zelle stehen am Sehlendorfer Strand. Bürgermeister Andreas Köpke nennt die alte Telefonzelle „Kult“.

Sie steht schon so lange am Strand, dass selbst er als langjähriger Kommunalpolitiker keine Ahnung hat, wie sie dort hingekommen ist, wer die Idee dazu hatte. Nur eines ist sicher: Sie stand wirklich einmal in Sehlendorf. Wo genau, weiß keiner mehr so richtig.

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