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Schleswig-Holstein Panzer-Fall in Heikendorf: Gerichtstermin steht noch immer nicht
Nachrichten Schleswig-Holstein Panzer-Fall in Heikendorf: Gerichtstermin steht noch immer nicht
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12:22 21.09.2019
Von Niklas Wieczorek
Mehr als vier Jahre ist es her, dass die Staatsanwaltschaft Kiel von der Bundeswehr diesen Weltkriegspanzer aus dem beschaulichen Heikendorfer Ortsteil Kitzeberg abtransportieren ließ. Er wurde nach Putlos gebracht. Quelle: Frank Peter
Kiel/Heikendorf

Es ist mehr als zweieinhalb Jahre her, dass die Staatsanwaltschaft in dem spektakulären Fall Anklage erhob. Aufgrund Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, waffenrechtlicher und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz wurde der heute 82-jährige Sammler aus Heikendorf beschuldigt. Diese Anklage aber liegt immer noch am Landgericht und harrt einer Entscheidung. "In der Sache ist bisher kein Termin anberaumt", sagt Markus Richter, Sprecher am Landgericht Kiel. Die zuständige Strafkammer ist schlicht überlastet.

Verhandlung könnte im Frühjahr 2020 starten

"Derzeit sind alle ordentlichen Sitzungstage der Kammer bis Ende März mit anderen Sitzungen belegt", ergänzte Richters Kollege Felix Lehmann auf Nachfrage. "Für den Fall der Eröffnung beabsichtigt die Kammer jedoch, eine Hauptverhandlung im Frühjahr 2020 durchzuführen."

Nach KN-online-Informationen geht es dann auch um die Kosten, weil der Panzer langfristig untergebracht ist. Nach seinem Abtransport war er ursprünglich nach Putlos gebracht worden. Ist er dort noch immer? Inzwischen steht er in einer "Liegenschaft des Bundes in Schleswig-Holstein", so der Kieler Oberstaatsanwalt Michael Bimler.

Etliche Waffen wurden sichergestellt

Noch länger her ist der Aufsehen erregende Einsatz am 1. Juli 2015 im beschaulichen Kitzeberg: Staatsanwaltschaft, Polizei und die Bundeswehr mit etlichen Soldaten und zwei Bergepanzern sicherten damals neben dem Gefährt vom Typ Panzerkampfwagen V, genannt Panther, auch 1500 Schuss Munition sowie diverse andere Waffen:

- ein Flak-Geschütz

- einen sieben Meter langen Torpedo

- einen Mörser (Granatwerfer)

- 70 Kurz- und Langwaffen (Maschinengewehr, Sturmgewehr, Raketengewehr)

Woher die Waffen stammten, war unklar, und interessierte die Staatsanwaltschaft "brennend", so Oberstaatsanwältin Birgit Heß. Unklar war eben auch, welches Militärgerät des Heikendorfers wirklich unbrauchbar gemacht worden war. Laut Anwalt des Sammlers hatte dieser eine Bescheinigung des Kreises Plön für den Panzer. Doch die Anklage belege: "Es lagen keine waffenrechtlichen Erlaubnisse vor", so Bimler.

Dann auch noch Ermittlungen gegen die Bundeswehr

Vollends skurril wurde der Fall, als bekannt wurde, dass die Bundeswehr den Motor des Panzers offenbar zwischenzeitlich selbst repariert hatte. Dem Verteidigungsministerium zufolge galt das Gefährt beim Militär als demilitarisiert. Die Staatsanwaltschaft Kiel dagegen nahm Ermittlungen gegen einen Bundeswehr-Mitarbeiter in Trier auf.

Auch dieses Verfahren wegen Beihilfe zum Herstellen einer Kriegswaffe ist laut Staatsanwaltschaft noch nicht abgeschlossen, da zunächst auf die Panzer-Entscheidung gewartet werden sollte, bestätigt Bimler. Derzeit werde aber geprüft, ob es getrennt beschleunigt werden könne.

NS-Kunst im Fokus

Ursprünglich hatten die Ermittlungen gegen den Heikendorfer im Landeskriminalamt Berlin begonnen: Dort war im Rahmen einer bundesweiten Kunst-Razzia auch untersucht worden, ob eine Statue im Kitzeberger Garten ein Original des umstrittenen Bildhauers Arno Breker war. Dessen Plastiken hatten unter anderem im Ehrenhof der Reichskanzlei in Berlin gestanden.

So hatte der Heikendorfer bestätigt, zwischenzeitlich auch die "Schreitenden Pferde" von Josef Thorak in seinem Besitz gehabt zu haben. Er sammelte offensichtlich im Nationalsozialismus beliebte Kunst. Die Ermittlungen suggerierten dabei Hehlerei-Vorwürfe gegen mehrere Beteiligte. Laut Staatsanwaltschaft Berlin ist das Verfahren aber inzwischen eingestellt. Der Tatverdacht ließ sich nicht aufrechterhalten und die Verfolgung ist zudem bereits verjährt.

Was nun überhaupt noch strafbar ist? Zumindest im Fall des Militärgeräts könnte eine Verhandlung vor dem Landgericht Kiel die Fragen klären. Ergebnislos blieb übrigens auch eine Online-Petition auf Change.org: 6814 Unterschreiber forderten darin, das beschlagnahmte Militärgerät an Klaus-Dieter F. zurückzugeben.

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