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Schleswig-Holstein Machtpoker geht weiter: Wer wird der nächste Kanzlerkandidat?
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21:19 15.11.2019
Von Christian Hiersemenzel
Zwei Politiker, zwei Meinungen: Ministerpräsident Daniel Günther (li.) verbittet sich die Einmischungen von Friedrich Merz in die Personaldebatte. Quelle: Ulf Dahl
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Neumünster

Zum Landesparteitag hat sich hoher Besuch angekündigt. Die CDU erwartet am Sonnabendnachmittag in den Holstenhallen Neumünster Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – und damit einen ihrer prominentesten Spitzenpolitiker. Der 39-Jährige gilt über die Parteigrenzen hinaus als einer der rührigsten Vertreter der Bundesregierung und soll in Schleswig-Holstein über das Thema Pflege sprechen. Manch einer der 260 angemeldeten Delegierten spekuliert allerdings darauf, dass sich der Ehrengast auch darüber äußert, wie es an der Bundesspitze weitergeht – eine Woche später findet in Leipzig der Bundesparteitag statt.

Vor knapp einem Jahr war Spahn in Hamburg ins Rennen um den Bundesparteivorsitz gegangen. Zwar schied er dort gleich im ersten Wahlgang aus. Sein Anliegen jedoch, dass die Partei jünger und moderner werden muss, hallt bis heute nach. Und längst ist die Debatte neu entflammt, ob die knappe Siegerin von Hamburg, Annegret Kramp-Karrenbauer, wirklich die richtige Führungspersönlichkeit ist. Auch im Nord-Verband ist ihr Stern empfindlich gesunken. Ob sie tatsächlich noch zur Kanzlerkandidatin gekürt wird? Insider im Norden geben ihr eine Chance von nur noch 15 Prozent.

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Nur Günther sprang AKK zur Seite

Das Gerangel an der Spitze wird hierzulande mit Interesse verfolgt. Als Friedrich Merz Ende Oktober gegen die Kanzlerin keilte, indem er das Erscheinungsbild der Bundesregierung als „grottenschlecht“ bezeichnete, zielte das nicht nur auf Angela Merkel, sondern auch auf ihre Wunschnachfolgerin Kramp-Karrenbauer. Es war Schleswig-Holsteins CDU-Landeschef Daniel Günther, der sich beherzt einschaltete. Merz wolle erkennbar „alte Rechnungen begleichen“, sagte er im ZDF. Wenn jetzt Merkels vorzeitiger Rücktritt gefordert werde, sei das eine Debatte von „älteren Männern, die vielleicht nicht ihre Karriereziele in ihrem Leben erreicht haben“. Günther war sich bewusst, dass diese Formulierung politisch unkorrekt war. Den kurzen Gegenwind hatte er einkalkuliert. Viel wichtiger war ihm, dass Ruhe im Karton herrschte.

Mindestens ebenso bemerkenswert war im Anschluss nur: Kein Stellvertreter aus dem Bundesvorstand sprang Merkel zur Seite. Kein Armin Laschet, kein Volker Bouffier, keine Julia Klöckner. Stattdessen herrschte Totenstille. Kramp-Karrenbauer kommuniziere nicht ausreichend, heißt es im Landesverband. Weder komme mal ein Anruf von ihr, noch eine SMS. Das Konrad-Adenauer-Haus gelte als verschlossene Burg. So kann man keine Wahlen gewinnen.

Der Ministerpräsident hat selber gute Chancen

Günther, Mitglied im Bundesvorstand, ist mit seinen 46 Jahren noch immer ein Hoffnungsträger der CDU. Sollte er 2022 die Landtagswahl gewinnen, können ihn sich viele in seiner Partei als möglichen Kanzler vorstellen. Vorerst kommt das nicht in Frage. Zum einen steht der MP im Wort, dem Norden die Treue zu halten. Zum anderen sind Parteifreunde im Süden und Osten Deutschlands zum „Genossen Günther“ auf Distanz gegangen. Vor allem seine Sympathie für den Thüringer Kollegen Bodo Ramelow (Linke) stößt manchem bitter auf. Dass Ramelows Ehefrau, Germana Alberti vom Hofe, jüngst im Interview mit dem Magazin „Bunte“ Günther als ihren zweiten Lieblingsministerpräsidenten bezeichnete, passt da gut ins (Feind-)Bild.

NRW-Regierungschef Laschet gilt in Schleswig-Holsteins Union als passabler, konservativ-liberaler Kanzlerkandidat. Aber auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder käme in Frage. Kramp-Karrenbauer könnte den CSU-Chef im nächsten Jahr für die potenzielle Kanzlerschaft vorschlagen, heißt es. Als Vorsitzender der Schwesterpartei befindet er sich mit ihr auf Augenhöhe. „Für AKK wäre das ein letztes Signal der Stärke“, sagte ein hochrangiges Mitglied. Sollte der Bayer die Bundestagswahl verlieren, könnte bei der übernächsten Bundestagswahl Günther zum Zuge kommen.

Die Gedenkstätte der deutschen U-Bootfahrer sieht ab Sonnenuntergang jetzt anders aus. Rechtzeitig zum Volkstrauertag wurden der Eingangsbereich und die Beleuchtung des U-Bootehrenmals in Möltenort neu gestaltet. Die Premiere gibt es am Sonnabend ab 14 Uhr zur Gedenkstunde.

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