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Schleswig-Holstein Pastor: Kirche muss sich Kritik stellen
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14:29 12.07.2019
Von Bastian Modrow
Der Kieler Pastor Michael Schwer steht zum Kirchenasyl. Er sagt aber auch, dass kritische Stimmen dazu gehört werden müssen. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

In der Bevölkerung gibt es nicht wenige Stimmen, die kritisieren, die Kirche stelle sich über den Rechtsstaat. Michael Schwer kennt all diese Positionen. Der 59-Jährige ist Pastor der St.-Lukas-Gemeinde in Kiel. Er sagt: „Es ist als Kirche elementar wichtig, sich in aller Transparenz der Kritik zu stellen.“

Leicht sei das nicht: „Hier sind viele Gefühle im Spiel zwischen Menschenrechtlern auf der einen und Hardcore-Rechtsstaatlern auf der anderen Seite.“ Fakt sei allerdings, dass sich die Kirche keinesfalls über das Gesetz stelle. Im Gegenteil: „Wir helfen nur dem Rechtsstaat dabei, sich an den menschlichen Werten unserer Gesellschaft zu orientieren.“

Uneinsichtigkeit der Behörden sei schockierend

Seit 2015 bietet seine Gemeinde ausreisepflichtigen Flüchtlingen im Ernstfall Asyl. Sieben Fälle betroffener Männer, Frauen oder Familien seien es seither gewesen. „So lang wie Rohullah musste bislang niemand bleiben“, sagt Schwer. Grund sind neue rechtliche Hürden, mit denen das Asylrecht verschärft wurde.

Die Uneinsichtigkeit der Behörden im Fall des 19-Jährigen schockiert ihn: „Betrachtet man den gesamten Fall, dürfte sich die Frage der Rückführung gar nicht stellen.“ Jeder könne im Internet recherchieren, was mit homosexuellen Menschen in Ländern, in denen die Scharia gelte, geschehe.

Der Theologe steht zum Kirchenasyl: „Rohullah bedankt sich immer, wenn ich ihm Einkäufe bringe. Ich sage ihm dann, das müsse er nicht tun. Sein Schicksal gebe mir die Chance, mich als Mensch wahrzunehmen.“

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