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Schleswig-Holstein 80 Kräfte im Ausland für Kiel rekrutiert
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17:58 05.11.2019
Von Heike Stüben
Denisa Hoxha aus Albanien (rechts) und Reyna Thais Pimente aus Brasilien lernen vier Monate lang an der UKSH-Akademie in Theorie und Praxis, wie der Klinikalltag in Deutschland abläuft. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Die Pflegekräfte werden an der UKSH-Akademie in Kiel für die hiesige Pflege vier Monate lang weitergebildet. Anpassungsqualifikation heißt das offiziell. In diesem Jahr profitieren davon 80 Frauen und Männer. Nach einer Prüfung erhalten sie unbefristete Verträge am UKSH

Die 71 Frauen und neun Männer kommen aus 15 Ländern – von Armenien über China und Indien bis Portugal, Südkorea, Syrien und Vietnam. Sie wurden von Agenturen für die Tätigkeit am UKSH angeworben – wie Reyna Thais Montanet Pimenta aus Brasilien.

In der Heimat wird zu wenig verdient

"Meine Motivation für den Beruf liegt in meinem Glauben als Christin", erklärte die 26-Jährige. Sie habe schon immer davon geträumt, im Ausland zu arbeiten – allerdings eher in einem armen Land. Das Angebot aus Deutschland habe eine unerwartete Tür aufgestoßen und diese habe sie geöffnet. „Ich bin dankbar für diese Chance.“

Für Denisa Selman Hoxha ist die Anpassungsqualifikation an der UKSH-Akademie eine Chance, langfristig in Deutschland zu bleiben und ihre Familie nachzuholen. „In meiner Heimat Albanien verdiene ich als Krankenschwester nur 300 Euro im Monat – das reicht nicht zum Leben mit Mann und Kind“, sagte die 36-Jährige.

Viele haben Pflege studiert

Beide Frauen zeigen für Gabriele Becker Jensen, die die Pflegeschule an der Akademie leitet, dass viel Mut, Anstrengungsbereitschaft und Verzicht auf Familie notwendig sind. „Ich habe deshalb allerhöchsten Respekt vor allen, die diesen Schritt gehen. Denn hier ist fast alles neu und die sprachlichen Hürden sind hoch. Deshalb versuchen wir, auch in praktischen Dingen zu helfen – von einer Unterkunft bis zur Kontoeröffnung. Es geht um Integration und Inklusion.“ 

Die ausländischen Kräfte haben bereits alle in ihren Herkunftsländern eine Ausbildung absolviert und meist auch mehrere Jahre in der Krankenpflege gearbeitet. „In vielen Ländern absolvieren Pflegekräfte ein Studium und bringen einen Bachelor-Abschluss mit“, sagte Michael Kiens, Vorstand für Krankenpflege und Personalangelegenheiten am UKSH.

Gleicher Verdienst wie deutsche Kollegen

Es gehe also nicht mehr um eine fachliche Ausbildung. Vielmehr sollen in dem Kurs an der UKSH-Akademie Sprachkenntnisse trainiert und die hiesigen Gepflogenheiten, Abläufe und Verantwortlichkeiten kennengelernt werden. Denn oft haben Pflegekräfte in anderen Ländern mehr Befugnisse als in Deutschland.

Wenn Denisa Hoxha und Reyna Pimenta im November ihre mündliche und praktische Prüfung absolviert haben, sind sie allen in Deutschland examinierten Pflegefachkräften gleichgestellt und erhalten natürlich auch desgleichen Tariflohn. 

1000 Bewerbungen, 580 Ausbildungsplätze

Zwar mache die Rekrutierung von ausländischen Fachkräften nur einen kleinen Teil des Pflegenachwuchses aus. Dennoch ist sie für Kiens ein wichtiger Baustein. „Natürlich geht es um die Abfederung des Fachkräftemangels. In erster Linie ist es Vielfalt aber ein gesellschaftlicher Auftrag, den wir mit Mitarbeitern aus insgesamt 21 Nationen im UKSH erfüllen.“

Neben den 80 ausländischen Pflegekräften, die weitergebildet werden, durchlaufen an der Kieler UKSH-Akademie rund 300 Personen die dreijährige Ausbildung zu examinierten Pflegekräften. Insgesamt hat das UKSH seine 580 Ausbildungsstellen in Kiel und Lübeck besetzt. Die Zahl der Bewerber liegt mit jährlich 1000 deutlich höher. 

Für das Projekt Anpassungsqualifikation gibt die Kieler Arbeitsagentur 438000 Euro aus. Wie viel Geld das UKSH in die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte im Jahr steckt, konnte der Sprecher nicht beziffern.

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