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Schleswig-Holstein Verdi droht mit neuer Streik-Taktik
Nachrichten Schleswig-Holstein Verdi droht mit neuer Streik-Taktik
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21:00 03.11.2019
Von Heike Stüben
Streikende Mitarbeiter des UKSH zogen bereits im Februar 2019 während eines Warnstreiks durch die Kieler Innenstadt, um auf Personalmangel und Arbeitsverdichtung aufmerksam zu machen. Quelle: Carsten Rehder
Kiel

Im UKSH hält man die Forderungen für unbegründet und imageschädigend. Der Streit schwelt seit Jahren. UKSH-Beschäftigte klagen über zu wenig Personal und zu hoher Arbeitsverdichtung. Pausen könnten nicht eingehalten, freie Tage nicht genommen werden. Es fehle an Praxisanleitung für die Azubis.

Mitunter sei das Pensum nur noch zu schaffen, weil Angehörige mit einspringen und etwa bei den Mahlzeiten unterstützen würden. Auch Patienten bestätigen das immer wieder – allerdings nicht nur in den Universitätskliniken. 

Frust über Arbeitsverdichtung

Lange Zeit blieb es aber beim Personal bei Drohungen, lautstarken Demonstrationen am Tag der Pflege und Warnstreiks mit mäßiger Beteiligung bei Tarifauseinandersetzungen. Stattdessen reduzierten Pflegekräfte lieber die Arbeitszeit, gingen in die Zeitarbeit oder wechselten an andere Krankenhäuser. 

„Doch der Frust ist inzwischen so groß geworden, dass viele Kollegen aktiv werden wollen. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad ist auf einigen Stationen regelrecht in die Höhe geschnellt. Das werden wir jetzt nutzen“, sagt ein Krankenpfleger. 

Patienten warten auf Operationen

Viele arbeiteten über das Limit hinaus. „Wir können das auch für die Patienten nicht mehr verantworten. Denn was hilft das neue Klinikum mit erweiterten Intensivstationen, wenn von den 14 Betten aus Personalmangel sechs leer bleiben müssen? Das heißt im Klartext: Patienten können nicht operiert werden, weil Fachkräfte fehlen, die sie danach auf der Intensivstation überwachen und versorgen“, sagt eine andere Pflegekraft.

Und sie fügt an, dass man sich um die Zukunft sorge: Denn in den nächsten zehn Jahren würden rund 30 Prozent der Kollegen in Rente gehen. 

Für bestimmte Dienste soll es Punkte geben

Die organisierten Beschäftigten hätten deshalb Verdi beauftragt, in Haustarifverträgen eine Verbesserung der Situation auszuhandeln. „Das Personal in Pflege, Therapie in den Klinika Lübeck und Kiel, im ZIP und bei der UKSH-Akademie muss endlich dem tatsächlichen Bedarf und Arbeitsaufwand angepasst werden“, erklärt Christian Godau.

Dabei ist allen klar, dass es kaum möglich ist, deutlich mehr Personal am Markt zu finden. In diesem Fall sollen Haustarifverträge absichern, dass den Beschäftigten Punkte gutgeschrieben werden, wenn sie für andere aus dem Frei einspringen oder in unterbesetzten Schichten arbeiten. Diese Punkte sollten dann mit Freischichten abgegolten werden.

Personalgaben werden vollständig erfüllt

Im UKSH weist man die Kritik zurück und verweist auf die Pflege-Untergrenzen, die seit Jahresbeginn in bestimmten Bereichen vorgeschrieben sind. „Das UKSH hat sich bereits vor Jahren diesen Herausforderungen gestellt und sich durch kontinuierlich steigende Einstellungen, Bereitstellung von Ausbildungsplätzen über Bedarf sowie einer Vielzahl freiwilliger sozialer und arbeitsentlastender Leistungen vorbereitet“, erklärt UKSH-Sprecher Oliver Grieve.

„Individuelle alternative Arbeitszeitmodelle werden in großer Zahl ermöglicht, so dass Beruf und Familie vereinbar sind. Nach dem Einzug in den Neubau sind alle Stationen mit doppeltem Nachtdienst besetzt.“ Insgesamt erfülle das UKSH die gesetzlich geforderten Pflegeschlüssel „längst vollumfänglich, vielfach sogar darüber hinaus.“ Insgesamt seien mangels Personal aktuell nur 25 von insgesamt 1000 Betten gesperrt. Dennoch sei das UKSH zu sachorientierten Gesprächen bereit und habe deshalb das Gespräch „gesucht“. Heute will man sich treffen. Allerdings nimmt auch Verdi für sich in Anspruch, Initiator dafür zu sein.

Neue Streik-Taktik soll ganze Stationen lahmlegen

Für Verdi kann das nur ein Auftakt sein. Gebe es keine Haustarif-Verhandlungen, werde man sie mit einem neuen Streikkonzept erzwingen. Bisher wurde bei (Warn-)Streiks immer darauf geachtet, dass der Stationsbetrieb weiterlaufen konnte. Nun sollen erstmals einzelne Stationen komplett bestreikt werden. „Wir werden das eine Woche vorher ankündigen, damit die Patienten noch auf anderen Stationen oder in anderen Häuser verlegt werden können“, sagt Godau.

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