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Schleswig-Holstein Heimaufsicht schafft Kontrollen nicht
Nachrichten Schleswig-Holstein Heimaufsicht schafft Kontrollen nicht
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10:00 26.03.2018
Von Martina Drexler
Die Heimaufsicht soll Einrichtungen mindestens einmal im Jahr unangekündigt besuchen, um ein Auge auf die Qualität von Betreuung und Pflege zu haben. Quelle: Uwe Anspach
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Kiel

Der Hauptgrund liegt in der Pflegenot: Es kam zu so vielen akuten Beschwerden, denen die Prüfer anlassbezogen nachgehen mussten, dass ihnen weniger Zeit für die Regelüberprüfung blieb.

Die Heimaufsicht soll als unabhängige Prüf- und Kontrollinstanz gesetzliche Vorschriften überwachen, die Qualität der Betreuung und Pflege sicherstellen, indem sie ohne Anmeldung zumindest einmal im Jahr die Häuser aufsucht. Nach Recherchen des NDR-Magazins „Panorma 3“ sind die Kontrollen in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein aber zum Teil mangelhaft.

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Hamburg erreichte 2017 nur eine reguläre Prüfquote von 22 Prozent. In Kiel lag sie bei 55 Prozent: Von 27 Einrichtungen kontrollierte die Heimaufsicht nur 15. Im Landkreis Segeberg kam es lediglich zu 38 Regelprüfungen in 79 Einrichtungen (Quote 48 Prozent).

Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken verweist zwar auf Kontrollen des Medizinischen Dienstes und des Gesundheitsamtes, die dazu führten, dass Prüfer alle 27 Einrichtungen im vergangenen Jahr besucht hatten. Er räumt jedoch ein, dass sich ohne die Regelüberprüfung die notwendige Routine etwa bei Hygiene- und Personalstandards nicht „einschleifen“ könne. Deshalb wolle die Stadt alles tun, um wie in 2016 die 100-Prozent-Quote in diesem Jahr wieder zu erreichen.

Auch für Kiel lautet die Begründung: Die Prüfer mussten in einigen Heimen nach festgestellten Mängeln ihre Auflagen etwa zur Begrenzung der Plätze oder zu einem Aufnahmestopp immer wieder kontrollieren, sodass die Zeit für die reguläre Überprüfung in zwölf anderen Häusern fehlte. „Wir müssen uns aber auch fragen, ob die 4,5 Stellen in der Heimaufsicht ausreichen“, erklärte Stöcken.

Auch das Gesundheitsministerium sieht im Personalmangel einen wichtigen Grund, dass die Quote nicht eingehalten werden konnte. Mitarbeiter seien ausgefallen oder es habe Verzögerungen bei der (Wieder-) Besetzung von Stellen in Aufsichtsbehörden gegeben. Jetzt arbeite man gemeinsam mit den Kommunen daran, die Sollquote wieder vollständig zu erreichen.

Ulf Billmayer-Christen 26.03.2018
Christian Hiersemenzel 26.03.2018