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Schleswig-Holstein Hunderte Pflegestellen unbesetzt: Konsequenzen für Patienten
Nachrichten Schleswig-Holstein Hunderte Pflegestellen unbesetzt: Konsequenzen für Patienten
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09:55 08.10.2019
Von Jördis Merle Früchtenicht
Wegen fehlendem Fachpersonal müssen derzeit in mehreren Krankenhäusern in Schleswig-Holstein einige Betten gesperrt werden. Quelle: Ronald Wittek/dpa/lno (Symbolbild)
Kiel

Laut der Bundesagentur für Arbeit gab es in Schleswig-Holstein im September dieses Jahres 439 offene Fachkraft-Stellen in der Gesundheits- und Krankenpflege. Andere schätzen den Bedarf noch höher ein.

„Wir schätzen, dass der Bedarf bei bis zu 1000 Fachkräften in Schleswig-Holstein liegt“, sagt Patrick Reimund, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH). Würden die Krankenhäuser Personal finden können, würden sie noch mehr Stellen ausschreiben als ohnehin schon, so Reimund.

Interaktive Karte: Pflegekräfte fehlen in SH

Personal-Mangel führt zu ernsten Konsequenzen

In den Imland-Kliniken führen unbesetzte Stellen derzeit zu ernsten Konsequenzen: 40 Betten in Rendsburg und zwölf in Eckernförde müssen gesperrt werden. Insgesamt gibt es an den Imland-Kliniken rund 800 Betten. Einschränkungen in der Notfallversorgung soll es nicht geben.

Derzeit fehlen in den zwei Krankenhäusern 28 Pflegekräfte. "Wir haben versucht, die Sperrung so lange wie möglich zu vermeiden", sagt Hans-Markus Johannsen, kaufmännischer Geschäftsführer der Imland-Kliniken in Rendsburg und Eckernförde. Aufgrund der unbesetzten Stellen drohte die Belastung für die Pflegekräfte nun allerdings, übermäßig zu werden, so Johannsen. "Dem sind wir durch die Sperrung zuvorgekommen."

Auch am UKSH in Kiel stehen nicht derzeit nicht alle Betten zur Verfügung

Nicht nur in den Imland-Kliniken müssen Betten frei bleiben: So sind am UKSH in Kiel derzeit insgesamt 24 der rund 1000 Betten aufgrund von Personalmangel gesperrt. "Das droht in Kliniken in ganz Deutschland", sagt UKSH-Sprecher Oliver Grieve. Grund sei der Fachkräftemangel in der Pflege.

Lesen Sie auch:Imland-Klinik sperrt Betten: Das müssen Patienten jetzt wissen

FEK Neumünster sperrt vier Betten

Gesperrte Betten gibt es auch am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster. "Auf der chirurgischen Intensivstation müssen wir kurzfristig vier der insgesamt vierzehn Betten sperren", so Maren von Dollen, Sprecherin des FEK. Die Betten stehen seit Montag, 7. Oktober, bis voraussichtlich Mittwochmittag, 9. Oktober 2019, nicht zur Verfügung.

Das FEK habe ein Ausfallmanagement, über das Pflegekräfte auch von anderen Stationen eingesetzt werden, sagt von Dollen. Dies gehe jedoch nicht bei allen Stationen. "Teilweise sind auf den Stationen Fachweiterbildungen des Personals notwendig." Dort könne man nicht einfach Personal von anderen Stationen einsetzen.

Interaktive Grafik: Gesperrte Krankenhausbetten

Verdi begrüßt vorübergehende Bettenschließung

"Den Prozess der vorübergehenden Bettenschließung zur Arbeitsentlastung der Beschäftigten begrüßen wir grundsätzlich", sagt Carina Schulz von Verdi. Die Arbeitsbelastung sei in vielen Kliniken sehr hoch. "Planstellen können nicht besetzt werden und wenn dann Beschäftigte durch Krankheit oder ähnlichem ausfallen, wird es schnell zu eng auf den Stationen."

Wenn Betten nicht zur Verfügung stehen, kann dies für die Patienten Folgen haben. "Elektive Behandlungen, also solche, die nicht so dringend sind, werden dann eventuell verschoben. Bei dringenden Behandlungen kann es vorkommen, dass der Patient in ein anderes Krankenhaus verlegt wird", so KGSH-Geschäftsführer Reimund. "Bettensperrungen sind die letzte Alternative, das macht niemand gern."

Im Sommer wurden Betten im Städtischen Krankenhaus Kiel gesperrt

Im Städtischen Krankenhaus Kiel wurden in der Vergangenheit ebenfalls Betten gesperrt, weil Personal fehlte. Zuletzt war dies zwischen Mai und August 2019 der Fall.

"Auch wenn wir derzeit keine Bettensperrungen haben, sind wir bemüht, viele Pflegekräfte zu gewinnen", sagt Birgitt Schütze-Merkel, Sprecherin des Städtischen Krankenhauses. Der Bedarf an Fachkräften in der Pflege sei immer da.

In der Klinik in Preetz können alle Betten belegt werden, dennoch sind fehlende Fachkräfte auch hier ein Thema. "Es ist ein absolutes Dilemma", sagt Hermann Bölting, der Geschäftsführer der Klinik. Es gebe kontinuierlich offene Stellen. Bisher habe man das fehlende Personal kompensieren können. "Wir versuchen, das etwa mit Honorarkräften auszugleichen."

Landesregierung will Krankenpflegehilfeausbildung wieder einführen

Um die Ausbildung von Pflegekräften attraktiver zu machen, bereitet die Landesregierung zum 1. Januar 2020 eine Verordnung vor, um die Krankenpflegehilfeausbildung wiedereinzuführen, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. Zudem baue das Land derzeit an sechs Standorten Bildungszentren, sogenannte Krankenpflegeschulen.

Zudem soll 2020 die generalistische Fachkraftausbildung wieder eingeführt werden. Die Ausbildungen in der Altenpflege, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bleiben erhalten, werden aber gleichzeitig zu einer generalistischen Pflegeausbildung mit einem einheitlichen Berufsbild zusammengefasst.

Mit Auszubildenden wollen die Kliniken dem Fachkräftemangel entgegentreten

Wie auch die anderen Krankenhäuser, gibt das UKSH in Kiel an, sich um Auszubildende zu bemühen. "Wir haben ein Azubi-Bindungskonzept, zu dem etwa gehört, dass wir eine unbefristete Übernahme anbieten", sagt UKSH-Sprecher Grieve.

Doch nicht nur die Azubis sollen am UKSH gehalten werden, mit weiteren Maßnahmen sollen Mitarbeiter geworben werden. So bietet das UKSH unter anderem, wie andere Krankenhäuser auch, flexible Arbeitszeitregelungen. "Wir haben außerdem besondere Programme für Wiedereinsteiger, innerbetriebliche Weiterbildungen und eine eigene Kita", zählt Grieve weitere Maßnahmen auf. Zudem suche das UKSH im Ausland gezielt nach Pflege-Fachkräften.

Die Kliniken würden versuchen, dass Arbeitsumfeld attraktiv zu machen, sagt Reimund vom KGSH. "Doch Krankenhäuser laufen nun mal 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Da gibt es auch Arbeitszeiten, die für niemanden richtig attraktiv sind."

Verschärft sich der Personalmangel an Krankenhäusern?

Laut Reimund wird sich der Personalmangel in den nächsten Jahren noch verschärfen. "Wie auch in anderen Bereichen steigen die Babyboomer aus dem Arbeitsleben aus, das macht die angespannte Situation nicht besser." Um die Versorgung der Patienten zu sichern, solle man sich daher grundsätzlich Gedanken machen, wie mit Situationen wie Bettensperrungen strukturiert umgegangen werden kann.

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