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Schleswig-Holstein Neue Runde im Windkraft-Streit
Nachrichten Schleswig-Holstein Neue Runde im Windkraft-Streit
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19:08 18.12.2019
Von Christian Hiersemenzel
Eine Demonstration vor dem Landeshaus im Jahr 2018: Die Windkraft-Gegner leisteten erheblichen Widerstand gegen die ersten Regionalpläne der Landesregierung. Die nunmehr dritte Version löst neue Entrüstung aus.  Quelle: Christian Hiersemenzel
Kiel

„Weihnachtsgeschenke für die Branche, aber keine Entlastung für die Anwohner“, schimpfte man gestern beim Landesverein Vernunftkraft. Dort stand am Morgen das Telefon nicht mehr still. Längst würden sich Anwohner juristisch beraten lassen, sagte Sprecherin Susanne Kirchhof.„Die vorliegenden Pläne können keine Akzeptanz bei den betroffenen Menschen finden, sondern werden zu einer Spaltung der Gesellschaft beitragen“, sagte sie. Die Landesregierung gehe weiter von Referenzanlagen mit einer Gesamthöhe von 150 Metern und einer Leistung von 3,2 Megawatt aus. Das sei technisch veraltet. Die neue mittlere Anlagenleistung reiche an vier Megawatt heran, die Höhe betrage bis zu 220 Meter.

"Skandalös und respektlos"

Die Verpflichtung zum sparsamen Umgang mit Flächen werde bewusst missachtet. „Vor diesem Hintergrund ist auch die Behauptung, dass mit den vorliegenden Plänen dem Recht der Anwohner auf Schutz ihrer Gesundheit Rechnung getragen werde, skandalös und respektlos.“

Kirchhof sagte, dass sie für Januar einen Gesprächstermin mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) vereinbart habe. Ihn wolle sie fragen, was sie den Kritikern denn erzählen solle, die bei ihr anrufen. Zugleich verwies sie auf Anzeigen und Plakate, mit denen CDU und FDP 2017 zur Landtagswahl geworben hatten. Die Union hatte sich für 1200 Meter Mindestabstand eingesetzt. Windkraft müsse „mit Augenmaß“ betrieben werden, Gesundheitsgefährdungen seien auszuschließen, Strom müsse bezahlbar bleiben und die Akzeptanz vor Ort sei zu sichern. Auf einem FDP-Plakat war Wolfgang Kubicki mit einem Zitat abgebildet, wonach Norddeutsche gern etwas Abstand wahren. „Daran sollten sich auch Windräder halten“, lautete der Slogan von Kubicki.

Günther verteidigt sich gegen Kritik

CDU-Landeschef Günther stellte gestern fest, dass man mit dem nun vorgelegten Entwurf die „Belastungen für Mensch und Natur so gering wie möglich“ halte und zugleich für Gemeinden wie auch Anwohner Planungs- und Rechtssicherheit für den Ausbau schaffe. „Mit der Erhöhung der Mindestabstände neuer Windkraftanlagen zu Siedlungen auf 1000 Meter entlasten wir die Menschen vor Ort. Das war ein zentrales Wahlversprechen, das wir jetzt einlösen können.“

Der FDP-Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky wies darauf hin, dass man die Abstände immerhin um 200 Meter erhöht habe. Noch mehr sei mit dem grünen Koalitionspartner „leider nicht möglich“ gewesen. Zugleich wies Kumbartzky auf die Höhenregelung hin: Auch im Außenbereich sei mindestens der dreifache Abstand zur Anlagenhöhe einzuhalten.

Anwohner weist auf erhebliche Beeinträchtigung hin

Anwohner Wolfgang Krix kann über solche Aussagen nur noch bitter lachen. Ihm drohe in Negenharrie bei Bordesholm in allernächster Zukunft der Bau von 220 bis 240 Meter hohen Anlagen – in wenigen hundert Metern Abstand. „Es kann nicht sein, dass die Energiewende mich und andere zu eindeutigen Verlierern macht“, sagte er. „Wissen die Städter eigentlich, welchen Schattenschlag diese Giganten bei niedrig stehender Sonne werfen?“ Die Landesregierung sollte Windräder nicht dort errichten, wo bislang weit und breit keine stünden und sich die Bevölkerung einst in Bürgerentscheiden gegen Windparks entschieden habe.

Auch die betroffenen Bewohner in der Region um Rendswühren und Tasdorf reagieren erbost. „Das ist arrogant, als ob wir Bürger zweiter Klasse wären“, schimpft Hans-Jürgen Schnack aus dem Ortsteil Griesenbötel. Heikendorfs Bürgermeister Tade Peetz sieht in seiner Gemeinde ebenfalls „hohes Konfliktpotenzial“. Er gehe davon aus, dass sich die ablehnende Haltung und Bewertung der Gemeinde eher noch verstärkt.

Im Kreis Segeberg wurden Flächen gestrichen

Im Kreis Segeberg dagegen hat das Land gegenüber dem vorherigen Entwurf vier Vorrangflächen gestrichen, jeweils rund 20 bis 30 Hektar: in Großenaspe und Schmalfeld wegen des Schutzes von Rotmilan, Schwarzstorch und Seeadlern, sowie bei Nehms und bei Heidmühlen. Bei Nehms liegt das Gebiet in schützenswerten Landschaftsräumen, zu nah an einem Rotmilanbrutplatz und dem Ortsteil Grönwohld. Bürgermeister Ernst-August Lawerentz ist froh, dass keine Windkraft kommt. „Wie die meisten Bürger hier.“ 

Interaktive Karte: Potenzialflächen für Windkraft in Schleswig-Holstein

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