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Schleswig-Holstein Labor-Analyse setzt Refood unter Druck
Nachrichten Schleswig-Holstein Labor-Analyse setzt Refood unter Druck
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06:58 15.05.2018
Von Heike Stüben
Foto: Thorsten Roos, der für Umwelt zuständige Fachbereichsleiter, zeigt bei einer Pressekonferenz im Kreishaus das Ausmaß der Verschmutzung der Schlei. Aus der Kläranlage in Schleswig sind nach neuesten Erkenntnissen mindestens seit 2015  große Mengen an Kunststoffteilchen in die Schlei gelangt sind. Die Plastikteile stammen aus geschredderten Speiseresten, die dem Faulschlamm zugemischt wurden, um Energie zu gewinnen.
Thorsten Roos, der für Umwelt zuständige Fachbereichsleiter, zeigt bei einer Pressekonferenz im Kreishaus das Ausmaß der Verschmutzung der Schlei. Aus der Kläranlage in Schleswig sind nach neuesten Erkenntnissen mindestens seit 2015  große Mengen an Kunststoffteilchen in die Schlei gelangt sind. Die Plastikteile stammen aus geschredderten Speiseresten, die dem Faulschlamm zugemischt wurden, um Energie zu gewinnen. Quelle: Carsten Rehder
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Schleswig

Thorsten Roos, Leiter der Kreisumweltbehörde, wollte wissen, wie viel Plastik tatsächlich in die Schlei gelangt ist. Bisher gab es dazu nur die Angaben auf den Refood-Lieferscheinen. Dort war jeweils aufgeführt, wie viel Prozent Fremdbestandteile das Gärsubstrat aus zerkleinerten Lebensmitteln enthielt, das die Stadtwerke Schleswig bis Februar 2018 für die Energiegewinnung genutzt hat. 

Thorsten Roos verglich die Angaben auf den Lieferscheinen mit den Prüfberichten, die ein unabhängiges Labor mehrmals im Jahr über Refood erstellen muss. Der Leiter der Umweltbehörde entdeckte sechs Lieferungen an die Schleswiger Stadtwerke, die zuvor von dem Labor analysiert worden waren.

Die Analyse-Ergebnisse des Labors sahen allerdings ganz anders aus als das, was nachher auf den Lieferscheinen stand. Danach enthielt das Gärsubstrat im Schnitt nicht 0,01 Prozent Fremdbestandteile, sondern allein 0,67 Prozent  Kunststoffpartikel. Und das waren nur die mit einer Mindestgröße von zwei Millimetern.

„Auch wenn sich aus diesen sechs Fällen nicht seriös die Gesamtmenge an Kunststoff hochrechnen lässt, müssen wir nun davon ausgehen, dass es Tonnen waren. All diese Partikel sind mit den Abwässern in die Schlei und 2015 und 2016 auch mit dem Klärschlamm auf landwirtschaftlich Flächen gelangt“, sagt Roos.

Die 800 Tonnen Klärschlamm aus dem Jahr 2017 liegen noch auf Halde. Thorsten Roos hat  den Stadtwerken Schleswig nun untersagt, diesen Klärschlamm an Landwirte zu verkaufen. Stattdessen soll er verbrannt werden.

Refood will sich erst am 15. Mai zu den Vorwürfen äußern.