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12:00 23.02.2018
Von Heike Thode-Scheel
1925 Hertha Borchert un ehr Söhn Wolfgang. He weer later en groot Schrieversmann. Quelle: SUB Hamburg/CC BY-SA 4.0

Op’e Welt kamen is Hertha Borchert 1895 in Altengamme in’t Ole Land. Ehr Vadder weer Schoolmeister in Kirchwarder un dor in’t Schoolhuus, dor is se groot wurrn: „Vull Freeden hier dat lütt Stück Welt“ schrifft se vull Lengen in en Geschicht. Wobi – schrieven un liern, dat weer gor nich so ehr Ding. Ehr Vadder meen sogor, Hertha weer‘n slechte Schölerin. En Schootkind, de to geern dörch de Gegend stromern dä mit all de annern Göörn. Man  Hertha weer ok de enkelte in’e Familie, de nipp un nau Platt schnacken kunn. Veerlanner Platt.  De Deern weer eens mit ehr Heimat, mit de Minschen un ehr Tohuus.

Hertha weer eerst sösstein, dor keem de grote Leev: „Ja, es war ein Ereignis geschehen, und das Ereignis war gravierend und umwälzend, ich war nicht mehr allein“, schrifft Hertha Borchert in ehr Levensbesinnen, de en in’t Borchert-Archiv nalesen kann. 1911 keem de Schoolmester Fritz Borchert ut Meckelnborg na Kirchwerder: „Dor‚ nem de Eschen stoht, an’n hogen Diek, dor stünn‘ wi still tohopen, du un ick“, riemelt Hertha Borchert in dat Gedicht „Deern an‘ Diek“. 1914 kunnen de Beiden  denn endli heiraaden. Un denn is dat Poor na Hamborg trocken. Rin in’e Grootstadt. Nu füng en wille Tiet an twüschen Moler, Dadaisten, Dichter, Musiker un Lüüd vun’t Theoter:   „Diese Clique lief Sturm gegen alles Hergebrachte, sie waren die wildesten jungen Männer“, schrifft Hertha Borchert.

Aver eerst dörch düssen Kreis hett Hertha de Welt vun’e Böker kennenliert. Se hett sik dörch de Literatur un dörch de Geschicht leest – all’ns, woto se as Deern keen Lust harr: „Ich war längst nicht mehr das frische Landmädchen . . . Es wurde deutlich, daß ich diese 7 Jahre zu meiner Entwicklung gebraucht hatte.“

Söben Johr hett dat nömli duert, bit Hertha un Fritz ehr eerst Kind kregen. 1921, an‘ 20. Mai is ehr berühmten un enkelten Söhn Wolfgang Borchert op’e Welt kamen. Dat weer wull en wunnerschöne Tiet för de lütte Familie: „Erst hett uns‘ Jung noch’n beten op sick teuben loten, - ober dinn, dinn kunn allens nich beter kummen, as we uns dat utmoolt harr’n.“

Bit Ostern 1928: Denn  keem Wolfgang in’e School un sien Modder leeg mit’e Bangsche Krankheit to Bett. Se kreeg en groot Lengen na ehr Heimat.  Miteens füng Hertha an, vun fröher to vertellen. Vun’t Land, vun’e Minschen un vun ehre Belevnisse. Fritz weer Füer un Flamm för ehr wunnerbore Geschichten. De schull se man opschrieven, meen he. An‘ nächsten Morrn is se anfungen. Aver nich in Hochdüütsch – ganz vun sölben in ehr Modderspraak: Dat Veerlanner Platt: „Und ich schrieb in meiner Heimatsprache, wie ich dort draußen mit den Leuten sprach. Ich schrieb ganz hilflos in ein Schulheft – und diese erste Geschichte wurde gedruckt.“ Wo wunnerbor se sik föhlte bit Schrieven:  „Ich vergaß die engen Zimmer und schrieb und trieb mich mit meinen Gestalten draußen an den Deichen herum.“.

Ehr Mann hett de Geschichten denn heemli an de Hamborger Narichten schickt un de hebbt se in ehr Sünndagsutgaav an‘ 4. Dezember 1927 afdruckt: „Jetzt ging ich mit diesen „Plattdeutschen“ im Kopf herum. Ich war dauernd mit ihnen im Gespräch und wurde sie nicht wieder los. Ich schrieb und schrieb! Und bei mir kamen die Stoffe wie am laufenden Band“.

1945 kümmt he na Huus – swoor krank. Hertha Borchert hett all’ns doon, üm em de letzte Tiet schön to maken – se sölber hett all ehr Doon achterran stellt: „Ich pflegte ihn zwei Jahre lang, und die Sorge um ihn schlug mir die Feder aus der Hand. Aber dafür blühte sein Werk auf.“ Noch eenmol schrifft se en plattdüütsche Geschicht. 1969: „Noch ins weller Platt“: „Winn ick jo’n Freid moken kann, will ick dat woll noch mol mit Plattdütsch verseuken“, so füng se de Geschicht an. Ehr letzte.

 „Un dei Tied geiht ehrn olen Schritt wieder un lett sick nich ophooln, un die Minschen mööt mit“, heet dat in ehrn Roman „Barber Wulfen“. Jüst so weer dat ok för Hertha Borchert. An ehrn 90. Geburtsdag an‘ 17. Februor 1985, dor weer se noch quietschfidel – tein Dag later is se storven.

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