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Schleswig-Holstein Polizei Neumünster schickt den Verkehrskasper in Rente
Nachrichten Schleswig-Holstein Polizei Neumünster schickt den Verkehrskasper in Rente
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08:06 26.02.2017
Von Kai Pörksen
Der Polizeikasper ist zu Gast in der Grundschule Dänischenhagen – zum letzten Mal. Quelle: Frank Peter
Dänischenhagen

Einzig in Bad Oldesloe wird noch eine Zeitlang weiter gekaspert – mit ungewissem Ende.

„Acht Vorstellungen haben wir noch, dann packen wir alle Sachen ein“, sagt Kommissar Bernhard Wieck (62), der seit 2001 für Kindergärten und Schulen Theater macht und so Prävention betreibt. Im Mittelpunkt: das Verhalten der Verkehrsanfänger auf dem Schulweg. Überqueren der Straße an Ampel und Zebrastreifen, Tragen von Schutz- und Sicherheitskleidung. Die drei Bühnen erreichten so zusammen mehr als 30000 Kinder pro Jahr und tragen aktiv zur Unfallprävention bei; allein die Bühne Neumünster spielte vor 11000 Kindern.

Doch das ist nicht mehr gewollt, die Personalnot bei der Polizei erfordert den Einsatz der Beamten in anderen Bereichen. Seit Jahren schon soll der Verkehrskasper eingespart werden, allein die Innenminister gewährten ihm immer wieder Aufschub. „Auch Innenminister Stefan Studt, der den Ball allerdings an die Polizeidirektion weitergegeben hat“, erklärt Wieck. Denn die Anordnung habe geheißen, die Beamten aus dem Vollzugsdienst abzuziehen und einen Vorschlag zu unterbreiten, wie es weiterlaufen solle. „Dafür hätte es spätestens im Herbst eine Ausschreibung geben müssen, damit wir noch eine Chance haben, den oder die Neuen einzuarbeiten.“ Mit „wir“ ist Kollege Joachim Fetkenhauer gemeint, 60 Jahre alt und Polizeihauptmeister, seit zwölf Jahren Puppenspieler. Die beiden Beamten gehen zum 1. April in den Ruhestand, und damit gehen Kasper, Hund Schnuffi, Ente Watschel und der Straßenschreck, der den Kindern Unsinn beibringen möchte, gleich mit aufs Altenteil. „Wir bedauern das sehr“, sagt Fetkenhauer, der seit Jahren erlebt, wie gut die Kinder bei den Aufführungen das Verhalten im Verkehr lernen und wie sie für die Handlung zu begeistern sind. „Selbst schwierige Kinder vergessen alles, wenn sie uns sehen, und verfolgen gebannt das Geschehen auf der Bühne“, sagt der Polizist.

Manchmal schössen sie auch über das Ziel hinaus, sagt er lachend. Bei einer Aufführung war ein Kind so erbost über das Verhalten des Straßenschrecks, dass es mit rotem Kopf wütend auf ihn losgehen wollte. „Das haben wir natürlich verhindern können“, sagt Fetkenhauer schmunzelnd. Die Kinder der Grundschule Dänischenhagen sind am Freitag jedenfalls hellauf begeistert. Nebenbei lernen sie den Polizeiruf 110 kennen, wie sie über die Straße gehen und dass sie keine Angst vor Polizisten haben müssen, sondern bei ihnen Hilfe finden können.

Ein wenig Hoffnung haben die beiden Polizisten dann aber doch noch, dass es weitergehen könnte. „Vielleicht findet sich jemand“, sagt Wieck, der sich vorstellen kann, auch noch nach seiner Pensionierung den Nachfolger drei bis vier Monate lang einzuarbeiten. „Aber dafür muss dann auch der Wille der Verantwortlichen da sein“, fordert er.

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