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Schleswig-Holstein Das Schimmel-Revier von Neumünster
Nachrichten Schleswig-Holstein Das Schimmel-Revier von Neumünster
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08:00 06.07.2019
Von Frank Scheer
Das Polizeirevier in der Parkstraße in Neumünsters Innenstadt wurde nach Schimmelbefall geschlossen. Quelle: Frank Scheer
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Neumünster

 „Wir haben unseren Mitgliedern Rechtsschutz  für die Überprüfung gewährt“, erklärte der Vorsitzende der Regionalgruppe, Ulrich Bahr, in einem gestern verbreiteten Flugblatt.

Das Landespolizeiamt betonte, dass man die Sorgen der Kollegen ernst nehme. Eine Rückkehr in das Gebäude sei erst möglich, wenn jegliche Gesundheitsgefahr ausgeschlossen sei, sagte Sprecher Torge Stelck.

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Beamte mussten eineinhalb Jahren in belasteten Räumen arbeiten

Laut Gewerkschaft mussten die Beamten gut eineinhalb Jahre lang in den belasteten Räumlichkeiten in der Innenstadt von Neumünster Dienst schieben. Dabei hätten die Polizisten schon frühzeitig auf die Zustände in dem Revier hingewiesen.

Bereits kurz nach dem Einzug in die Parkstraße 20 habe ein Betriebsmediziner und ein Experte der Arbeitssicherheit „dringend empfohlen“, das Gebäude nach einem Wasserschaden auf Schimmel zu untersuchen und die Raumluft zu überprüfen. „Passiert ist aber nichts“, kritisierte Bahr.

Mitarbeiter erkrankten - womöglich wegen der Schimmelsporen

Erst im Mai 2019 wurde das Revier geschlossen und der Fußboden geöffnet. Das Ergebnis: massiver Schimmelbefall. Die Beamten zogen in eine andere Dienststelle im Hansaring 122 um. „Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch schon Mitarbeiter erkrankt. Der Verdacht liegt nahe, dass diese Erkrankungen mit den Schimmelsporen zusammenhängen“, so Bahr.

Schlechter Zustand laut GdP kein Einzelfall

Der schlechte bauliche Zustand des Reviers in Neumünster ist kein Einzelfall. „Es gibt Beispiele im ganzen Land“, bestätigte der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Sven Neumann, der von einem „Sanierungsstau“ sprach. Als Beispiele nannte er das Behördenhochhaus Itzehoe, dessen Zustand „nicht mehr hinnehmbar“ sei. Probleme gebe es aber auch in Norderstedt oder in Kiel, wo die Polizeistation Friedrichsort dringend umziehen müsste. Es werde zwar an vielen Stellen gebaut. „Aber es geht oft nur schleppend voran. Das Land hat Nachholbedarf, was das Tempo angeht“, sagte Neumann.

Mehr Polizisten brauchen mehr Infrastruktur

Die zusätzlichen Stellen für die Landespolizei bewertet der Gewerkschafter natürlich positiv. Gerade erst am Donnerstag traten 250 neue Kommissare ihren Dienst an. „Das ist ein guter erster Schritt. Das Land müsse aber auch an den zweiten Schritt denken“, mahnte Neumann. Die Polizei werde künftig mehr Platz und auch mehr Fahrzeuge brauchen als bisher. „Wir müssen in die Infrastruktur und die Ausrüstung investieren, wenn wir nicht den Anschluss verlieren wollen.“