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Schleswig-Holstein Opfer sind enttäuscht von der Polizei
Nachrichten Schleswig-Holstein Opfer sind enttäuscht von der Polizei
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14:17 10.04.2019
Von Bastian Modrow
Die Eutiner Polizeischule sorgt seit Jahren immer wieder für negative Schlagzeilen. Der Vorfall aus Malente (Kreis Ostholstein) wurde erst durch Mitschüler der drei Polizeikommissar-Anwärter öffentlich bekannt. Quelle: Dirk Schneider
Eutin/Kiel/Malente

Erst durch Mitschüler der drei Polizeikommissar-Anwärter war der Übergriff bekannt geworden. In einem Brief an unsere Redaktion hatten sie Anstoß an dem „skandalösen“ Verhalten ihrer Kommilitonen genommen und ihnen „fehlende charakterliche Eignung“ bescheinigt. Eine Bewertung, zu der auch die heute 17 und 18 Jahre alten Opfer des Vorfalls kommen. „Wir wünschen den Polizeischülern nichts Böses. Wir haben keine bleibenden Schäden davongetragen, also müssen sie auch nicht hart bestraft werden. Wir wollen nur wissen, was die ganze Aktion sollte.“

"Am Anfang haben wir uns nett unterhalten"

Am 23. Juli 2018 hatten sich die drei Malenter am Kellersee getroffen. „Wir wollten etwas Musik hören, haben ein Bierchen getrunken“, sagt eines der Opfer. Die Polizeischüler waren den beiden Jugendlichen schon zuvor aufgefallen: „Zwei trugen Shirts vom Bierkönig auf Mallorca und hörten laut so typische Musik, wie sie am Ballermann gespielt wird.“ Das Trio habe sich zu den Jugendlichen gesellt. „Am Anfang haben wir uns nett unterhalten. Sie gaben sich als Studenten aus, sagten aber nicht, dass sie bei der Landespolizei seien",  berichtet der 18-Jährige. 

Opfer wehrten sich nicht gegen Übergriff

Kurze Zeit später hätten die Männer nach Drogen gefragt: Als die Abiturienten dies verneinten, hätten sich die drei Polizeischüler zurückgezogen. „Sie standen etwas abseits und unterhielten sich, zählten plötzlich laut von drei auf eins runter und packten uns.“ Augenblicke später habe der 18-Jährige auf dem Bauch gelegen und den „Polizeigriff“ gespürt: „Wir haben uns nicht gewehrt, wollten uns nicht prügeln, zumal die drei kräftiger waren als wir.“ 

Polizeischüler waren stark alkoholisiert

Etwa zehn Minuten habe die illegale Aktion der Polizeischüler gedauert. Sie hätten Rucksäcke durchsucht, einen Ausweis fotografiert. „Dabei haben sie uns auch gesagt, dass sie in Wahrheit Polizisten seien.“ Anschließend sei das Trio weitergezogen. „Sie sagten noch, dass wir nicht die Polizei rufen sollten, doch nachdem sie uns den Abend verdorben hatten, sagten wir uns: Das können wir auch.“ In gebührendem Abstand folgten die Abiturienten den Männern und alarmierten die Polizei. Zwei Streifenwagen stoppten die Anwärter. Atemalkoholtests ergaben Werte zwischen 1,85 und 2,30 Promille.

Eutiner Polizeiführung machte Angebote

Wenige Tage später seien die Opfer von der Kripo geladen worden, um eine Aussage zu machen, kurz darauf habe es eine Einladung der Polizeischule gegeben. Die damalige Vize-Schulleiterin Maren Freyer und andere Führungskräfte hätten betont, dass die Polizeischüler den Vorfall bereuten, erzählt eines der Opfer. Ihnen wurden Angebote gemacht, sich die Polizeischule oder eine andere Abteilung der Landespolizei mal einen Tag lang anzuschauen. „Doch das wollten wir nicht und sagten, dass wir mit den Dreien nur gern über die Sache reden wollten.“

Freyher habe versprochen, ein Treffen zu organisieren und sich zu melden. „Gehört haben wir aber nie wieder etwas.“ Stattdessen erhielten die Opfer Briefe der Polizei-Azubis. „In allen stand fast dasselbe, dass es ihnen leid tue und dass der Alkohol schuld gewesen sei. Die Schreiben wirkten wie diktiert.“

Vorfall hat Opfer nachdenklich gemacht

Bei den Opfern sind Ärger und Enttäuschung auch heute noch groß. „Man hat alles daran gesetzt, dass wir bloß nichts erzählen, damit es nicht einen neuen Skandal an der Polizeischule gibt. Um eine Aufarbeitung ging es gar nicht.“ Der Vorfall und der Umgang damit habe sie nachdenklich gemacht: „Für die Polizei, gleich ob Auszubildender oder Führungskraft, müssten doch besonders hohe moralische und ethische Anforderungen gelten.“

Landespolizei nennt keine Details über Gespräch

Auf Nachfrage bestätigt Torge Stelck vom Landespolizeiamt, dass es ein Gespräch mit den Jugendlichen gegeben habe und dies auch das einzige geblieben sei. Über den Inhalt der Unterredung will der Behördensprecher allerdings nichts sagen und beruft sich auf die Vertraulichkeit des Gesprächs beziehungsweise den Persönlichkeitsschutz der Opfer und Anwärter. 

Für die Polizeischüler ist der Fall auch nach Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft noch nicht vorbei: Anschließend startet das Disziplinarverfahren, bei dem den 20, 21 und 24 Jahre alten Männern schlimmstenfalls der Rauswurf drohen könnte. 

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