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Schleswig-Holstein Staatsanwalt erhebt Anklage
Nachrichten Schleswig-Holstein Staatsanwalt erhebt Anklage
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10:56 14.05.2019
Von Bastian Modrow
Den drei Polizeianwärtern droht kurz vor Ende der Ausbildung der Rauswurf. Zurzeit müssen die 21, 21 und 24 Jahre alten Beschuldigten Wachaufgaben an der Schranke der Polizeischule Eutin übernehmen, berichten Mitschüler. Quelle: Frank Peter
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Eutin/Lübeck

 

Den Kommissars-Anwärtern wird vorgeworfen, „gemeinschaftlich andere Personen körperlich misshandelt“ und „Menschen rechtswidrig mit Gewalt zu einer Handlung genötigt zu haben“.

Der Vorfall hatte sich bereits am 23. Juli 2018 am Kellersee in Malente ereignet, wurde aber erst im März bekannt, nachdem sich Mitschüler an unsere Zeitung gewandt hatten. Sie attestierten ihren Kommilitonen „fehlende charakterliche Eignung“ und warfen den heute 21 bis 24 Jahre alten Männern Machtmissbrauch vor.

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Schließlich rief einer der Schüler "Zugriff"

Laut Anklage sollen die Schüler der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung die zur Tatzeit 17-jährigen Jugendlichen zunächst in ein unverfängliches Gespräch über Schule, Ferien, Musik und Alkohol verwickelt haben. Später hätten die Polizeischüler das Gespräch auf das Thema Drogen gelenkt.

Die Beschuldigten sollen die Jugendlichen aufgefordert haben, Personen und Orte zu nennen, über die man Drogen beziehen kann – allerdings ohne Erfolg. Daraufhin habe sich die Tonart der Polizeischüler deutlich verschärft.

So hatte es auch einer der betroffenen Jugendlichen in einem Gespräch mit unserer Zeitung geschildert. Schließlich habe einer der Polizeischüler „Zugriff“ gerufen. Mit den Worten „Polizei. Runter, Hände auf den Rücken“ seien die Jugendlichen angegriffen worden.

Mit bis zu 2,3 Promille alkoholisiert

Ein Opfer sei mit einer Hand am Nacken „kraftvoll auf den Steg gedrückt“ worden. Dem 17-Jährigen soll das Knie ins Kreuz gepresst und der linke Arm auf den Rücken gedreht worden sein.

Ein anderes Opfer sei an das Geländer des Bootsanlegers gedrängt worden, bei dem dritten Jugendlichen misslang der Versuch, ihn mit einem Polizeigriff zu Fall zu bringen. Anschließend sei der Rucksack eines Opfers durchsucht und sein Ausweis fotografiert worden.

Für die Staatsanwaltschaft ist unstrittig, dass die Polizeischüler mit bis zu 2,3 Promille alkoholisiert waren. Aufgrund ihres „koordinierten Vorgehens“ und „ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit bei der Überwältigung der Geschädigten“ könne aber nicht von verminderter Schuldfähigkeit ausgegangen werden.

Den Schülern droht der Rauswurf

Unklar ist, ob und wann das zuständige Amtsgericht in Eutin das Strafverfahren eröffnet. Den drei Polizeischülern droht kurz vor Ausbildungsende der Rauswurf. Mitschüler berichten, dass sie ihre Praktika auf Polizeirevieren nicht antreten durften und stattdessen Dienst an der Schranke der Polizeischule verrichten müssen.

Einen Kommentar zur Anklage gegen die Polizeischüler lesen Sie hier.

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