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Schleswig-Holstein Anwärter posierte mit Hakenkreuz-Binde
Nachrichten Schleswig-Holstein Anwärter posierte mit Hakenkreuz-Binde
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17:30 05.06.2019
Von Bastian Modrow
Foto: Erneut steht die Polizeischule in Eutin in den Schlagzeilen: Ein Schüler ist wegen rechtsextremer Gesinnung entlassen worden.
Erneut steht die Polizeischule in Eutin in den Schlagzeilen: Ein Schüler ist wegen rechtsextremer Gesinnung entlassen worden. Quelle: Dirk Schneider
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Eutin

Das Landespolizeiamt bestätigt, dass bereits unmittelbar alle disziplinar- und strafrechtlichen Maßnahmen eingeleitet worden sind.

Nach Informationen von KN-online ist der Fall bereits im August 2018 bekannt geworden. Damals wurde dem Leiter des Plöner Polizeireviers anonym ein Foto zugespielt. Es zeigte den jungen Mann aus Kiel an einem Tisch sitzend. Er hatte eine Flasche Korn dabei und zeigte den Mittelfinger.

„Auf dem Kopf trug er ein olivfarbenes Schiffchen der Wehrmacht, unterhalb des Reichsadlers in der oberen Hälfte befindet sich das Hakenkreuz“, heißt es in einem internen Polizeibericht. Und: „Am rechten Arm trug er eine rote Armbinde mit schwarzem Hakenkreuz auf weißem Grund.“

Landespolizei Schleswig-Holsteins durchsuchte Wohnung

Das Landespolizeiamt leitete Ermittlungen gegen den Polizeischüler ein, der im August 2017 seine Ausbildung an der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung begonnen hatte. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Ermittler eine Vielzahl von Kleidungsstücken mit Insignien des Dritten Reichs.

In einer ersten Befragung soll der Kieler angegeben haben, „historisches Interesse“ am Ersten und Zweiten Weltkrieg zu haben und als Laiendarsteller an Rollenspielen teilzunehmen.

Eindeutige Hinweise in sozialen Medien

Aussagen, die die Disziplinar-Ermittler nur bedingt für glaubwürdig hielten: Bei der Auswertung von Profilen des Polizeischülers bei Facebook und Instagram wurden „bemerkenswerte Inhalte“ gefunden, darunter ein Bild, auf dem ein auf dem Boden liegendes Strichmännchen „mit braunem Kopf von zwei weiteren Strichmännchen, offenbar Polizisten, mit Füßen und Schlagstock malträtiert“ wird.

In einem Whatsapp-Chat wird der Angriff zweier jugendlicher Flüchtlinge auf eine Notärztin diskutiert. Während ein Chatpartner die Täter „weggasen“ oder „ins Mittelmeer abschieben“ will, soll der Polizeischüler „hinrichten“ erwidert haben. Juden soll der Auszubildende als „verfluchtes wurzelloses Volk“ tituliert haben. 

Zweiter Vorfall in wenigen Wochen

Obwohl der 20-Jährige beteuert haben soll, keinerlei rechtsradikale oder gewaltverherrlichende Ansichten zu haben, hat ihn das Landespolizeiamt wegen fehlender charakterlicher Eignung fristlos entlassen.

Für die neue Eutiner Polizei-Chefin Maren Freyher ist es bereits die zweite unangenehme Nachricht binnen weniger Wochen: Erst Ende März hatten die Kieler Nachrichten berichtet, dass drei betrunkene Polizei-Anwärter Jugendliche drangsaliert hatten.