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Schleswig-Holstein Kinder schützen, Pädophilen helfen
Nachrichten Schleswig-Holstein Kinder schützen, Pädophilen helfen
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16:22 30.09.2019
Von Christian Trutschel
Pädophilie kann nicht behoben oder geheilt, aber von Betroffenen besser kontrolliert werden. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Kiel

Mit knapp 100000 Euro fördert das Land Schleswig-Holstein in diesem Jahr eine Informationskampagne zur Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch. „Kein Täter werden in Schleswig-Holstein“ ist der Titel der Kampagne, die jetzt vom Zentrum für Integrative Psychotherapie (ZIP) am Universitätsklinikum, Campus Kiel, gestartet wurde, um das therapeutische Angebot bekannter zu machen, Betroffenen zu helfen und Kinder zu schützen.

„Ich halte dieses Projekt für sehr, sehr wichtig“, erklärte Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack im ZIP am Niemannsweg. Sie dankte dem Projektkoordinator Prof. Dr. Christian Huchzermeier und seinem Team „für die hervorragende Arbeit. Alle in diesem Projekt beschäftigten Fachkräfte besitzen höchstes Fachwissen.“ Zugleich sei das schleswig-holsteinische Projekt den fachlichen Standards des bundesweiten Präventionsnetzwerks „Kein Täter werden“ verpflichtet.

Dieses Projekt, so Sütterlin-Waack, „will Männern und Frauen, die auf Kinder ausgerichtete sexuelle Neigungen verspüren und über ein entsprechendes Problembewusstsein verfügen, die Möglichkeit eröffnen, sich anonym und kostenfrei sexualtherapeutisch behandeln zu lassen.“ Ziel der Behandlung ist, die Selbstkontrolle zu verbessern. Pädophilie kann nicht behoben oder geheilt, aber von Betroffenen besser kontrolliert werden. Seit 2018 werden die Behandlungsmaßnahmen nicht mehr vom Land, sondern von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen.

Begriffserklärung

Hintergrund: Teleiophil, hebephil, pädophil

Menschen mit pädophilen Neigungen (Pädophilie wörtlich: Kinderliebe) sind sexuell erregbar durch ein kindliches Körperschema, an dem allenfalls erste Anzeichen der beginnenden Pubertät sichtbar sind.

Wer sexuell auf ein erwachsenes Körperschema orientiert ist, wird als teleiophil (Teleiophilie: Erwachsenenliebe) bezeichnet. Menschen mit hebephilen Neigungen (Hebephilie: Jugendlichenliebe) fantasieren jugendliche Körperschemen. Unterschieden werden Ephebophilie (sexuelles Interesse richtet sich auf „Jünglinge“ – nicht mehr Kind, noch nicht Mann) und Partenophilie (sexuelles Interesse richtet sich auf „Jungfrauen“ – nicht mehr Kind, noch nicht Frau).

Zur Differenzierung derer, auf die sich das sexuelle Interesse richtet, dient die Tanner-Klassifizierung (Tanner-Skala), die nach Ausprägung der physischen Merkmale des Menschen, nicht nach seinem Alter einteilt. Die Tanner-Stadien werden individuell unterschiedlich schnell durchlaufen. Juristisch ist jeder Mensch bis zur Vollendung seines 14. Lebensjahres Kind.

Professionelle Hilfe für Pädophile

2005 wurde an der Berliner Charité das Projekt „Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld“ gestartet und 2009 in Kiel, unter Leitung von Prof. Dr. Hartmut Bosinski, ein Vorläufer des heutigen Therapieangebots eröffnet. Die Kieler Sexualmedizin gehörte zu den Gründern des bundesweiten Netzwerks, das heute an zwölf Orten in Deutschland Menschen mit pädophilen Neigungen professionelle Hilfe anbietet – anonym, auf Freiwilligkeitsbasis und unter Schweigepflicht.

„Das spezielle Ziel unseres Präventionsangebots am ZIP ist, pädophile Menschen zu erreichen, bevor es zu sexuellen Übergriffen kommt“, erklärte Christian Huchzermeier. Nach seinen Angaben haben sich am ZIP insgesamt 100 von ihnen in eine längerfristige Therapie begeben. 60 von ihnen schlossen die Therapie erfolgreich ab. 20 bis 25 Personen seien zeitgleich in Behandlung. Es gebe vier bis sechs neue Kontaktaufnahmen pro Monat.

400 Pädophile schlossen eine Therapie ab

Bundesweit suchten 9515 Betroffene zwischen 2005 und 2018 Hilfe, fast 3000 absolvierten die Diagnostik, mehr als 900 begannen eine Therapie, fast 400 schlossen die Therapie ab. Die bisherige Auswertung, so Huchzermeier, habe ergeben, „dass die meisten Teilnehmer eine deutlich bessere Kontrolle über ihr sexuelles Verhalten erreicht haben. Die angebotenen Interventionen tragen also dazu bei, sexuellen Kindesmissbrauch zu verhindern.“

Noch besteht jedoch eine Diskrepanz zwischen den Therapiezahlen auf der einen Seite und den auf empirischen Schätzungen und onlinebasierten anonymen Umfragen basierenden Zahlen Pädophiler auf der anderen Seite.

Annahme: 56000 Schleswig-Holsteiner haben pädophile Fantasien

Man könne davon ausgehen, so Huchzermeier, dass in Schleswig-Holstein bis zu 56000 Menschen pädophile Fantasien haben, 42000 schon einmal in irgendeiner Form sexuell übergriffig wurden und etwa 1400 ihre sexuelle Neigung als primär pädophil ansehen. Es sind überwiegend erwachsene Männer.

Erwachsene Frauen und Jugendliche unter 18 Jahren bilden eine kleine Minderheit. Die kriminalpolizeiliche Statistik verzeichnete 2018 in Schleswig-Holstein 413 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs und 203 Fälle von Besitz kinderpornografischen Materials.

Die neue Kampagne soll nicht nur der Information dienen, sondern auch Pädophile motivieren, Kontakt mit dem Kieler ZIP-Institut für Sexualmedizin aufzunehmen – mithilfe der Internetseite und eines dort zu findenden Kampagnenfilms, in dem ein Schauspieler authentischen Patientenäußerungen seine Stimme leiht, mithilfe des Flyers „Lieben Sie Kinder mehr als Ihnen lieb ist? Es gibt Hilfe – anonym, kostenlos und unter Schweigepflicht“, der bei niedergelassenen Haus- und Nervenärzten, Beratungsstellen, Sportverbänden und öffentlichen Einrichtungen ausgelegt werden soll, sowie durch Anzeigen.

Kein Täter werden

Kontakt:

Anmeldung unter Tel. 0431 500 98609 (Kontakt zu einem Therapeuten innerhalb von zwei bis drei Wochen) und unter www.kein-taeter-werden.sh

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