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Schleswig-Holstein Gekaufte Demo gegen Fehmarnbelt-Tunnel
Nachrichten Schleswig-Holstein Gekaufte Demo gegen Fehmarnbelt-Tunnel
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17:41 28.07.2019
Von KN-online (Kieler Nachrichten)
In ungewöhnlichem Outfit protestierten die Beltretter auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel gegen den geplanten Ostsee-Tunnel durch die Fehmarnbelt. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Junge Leute in Badebekleidung und mit Matsch beschmiert, die auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel gegen den Bau des Tunnels durch den Fehmarnbelt demonstrieren – diese ungewöhnliche Protestaktion der „Beltretter“ hat ein politisches Nachspiel, und die Tunnelgegner geraten selbst in die Kritik.

Denn die „Lübecker Nachrichten“ berichten, die meisten der Demonstranten seien in Wahrheit Schauspieler gewesen, die für den Auftritt bezahlt wurden. In der Landespolitik Schleswig-Holstein spricht mancher von einem Skandal.

Der Verein „Beltretter“ wollte mit der Aktion auf die ökologischen Folgen des Tunnelbaus zwischen Fehmarn und Lolland aufmerksam machen. Begonnen hatte die Protestreihe am Donnerstag vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, wo über Klagen gegen den Milliarden-Bau verhandelt wird.

Am Freitag protestierte man in Kiel, am Wochenende gastierte die Matsch-Demo dann am Südstrand von Fehmarn.

60 Euro plus Fahrtkosten für Demo

Den LN liegt eine Mail der Casting- und Modelagentur „Starboxx“ an ihr bekannte Hobby-Schauspieler vor, die sich mit kleinen Rollen ein Zubrot verdienen. Dringend gesucht würden Darsteller für eine politische Kundgebung des „Beltretter e.V.“ in Kiel, heißt es darin. Geboten würden 60 Euro plus Fahrtkosten, dafür müssten die Schauspieler für anderthalb bis zwei Stunden in Badekleidung und geschminkt „die Szenerie füllen“.

Die Sprecherin der „Beltretter“, Karin Neumann, räumte auf Nachfrage der „Lübecker Nachrichten“ ein, „ein Teil“ der Aktion sei mit Komparsen „inszeniert“ worden. „Das sind Studenten, die wir angeworben haben“. Die tatsächlichen „Beltretter“ müssten arbeiten und hätten nicht immer Zeit für solche Aktionen, wird Neumann zitiert. Laut LN waren 30 der 39 Aktionsteilnehmer in Kiel bezahlte Darsteller.

Bernd Buchholz spricht von Täuschung der Öffentlichkeit

Im Landeshaus reagierten dem Bericht zufolge viele mit Kopfschütteln. „Dass die ,Beltretter’ so etwas nötig haben, hätte ich nicht gedacht“, sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP), der von einer „Täuschung der Öffentlichkeit“ sprach und von einer zweifelhaften Art, vom Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen. „Sich Demonstranten zu kaufen, ist skandalös, unseriös und undemokratisch“, sagte Hans-Jörn Arp (CDU).

Wenn tatsächlich ein Großteil der Demonstranten „eingekauft“ worden sein sollte, dann hinterlasse das einen faden Beigeschmack, meint Martin Habersaat (SPD). Die Grünen-Umweltpolitikerin Marlis Fritzen habe dagegen nichts dabei gefunden. Der Tunnel sei „Unsinn“ und die „Beltretter“ ließen sich sowieso nicht bremsen, wird Fritzen zitiert.

Lesen Sie auch: Sauerstoffmangel verursacht Todeszonen in der Ostsee

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