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Schleswig-Holstein Die Räuber machen reinen Tisch
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22:09 01.11.2019
Von Thomas Geyer
Tatort Apotheke: In der Kieler Holstenstraße richteten die Täter hier bei einem Einbruch am 5. Februar rund 5500 Euro Sachschaden an. Ihre Beute: 49 Euro Bargeld. Quelle: Thomas Geyer
Kiel

Als Gegenleistung hat die Kammer Strafobergrenzen von neun Jahren Haft in Aussicht gestellt. Dem Deal zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung waren interne Gespräche vorausgegangen. Zu Beginn des zweiten Verhandlungstages berichtete der Vorsitzende Richter, Ralph Jacobsen, über die Ergebnisse der Verständigung. Demnach können die beiden Hauptangeklagten (25) mit Freiheitsstrafen zwischen acht und neun Jahren rechnen, wenn sie reinen Tisch machen.

Gebiet von Kronshagen über Schwentinental bis Mönkeberg und Schönkirchen

Ein 22-jähriger Mittäter, der nur an einem Bruchteil der Taten beteiligt war, käme bei einem rückhaltlosen Geständnis mit etwa drei Jahren davon. Der vierte Beschuldigte im Gangster-Quartett war zur Tatzeit noch Heranwachsender. Gegen ihn wird demnächst ein Jugendschöffengericht separat verhandeln.

Von Kronshagen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) über Schwentinental bis Mönkeberg und Schönkirchen (Kreis Plön) erstreckte sich das Revier der Räuber. Als Tatmotiv gab ein 25-jähriger Deutschrusse Spiel- und Kokainsucht an. Beide Abhängigkeiten hätten ihn viel Geld gekostet. Die Anklage treffe zu, sagte er. Auch den Einsatz einer täuschend echt aussehenden Soft-Air-Pistole räumte er ein.

Gericht will Zeugen anhören

Welcher Komplize an welchem Tatort die Waffe in der Hand hatte, weiß der 25-Jährige nicht mehr so genau. Weil die Pistole verschwand und nie wieder auftauchte, geht die Staatsanwaltschaft zugunsten der Angeklagten von einer Scheinwaffe aus. Mit ihr bedrohten die Maskierten die Angestellten von acht überfallenen Objekten. Auch ein Messer wurde vorgezeigt.

Dass die betroffenen Mitarbeiterinnen nachhaltig geschockt waren, ist dem 25-Jährigen nicht entgangen. Es tue ihm leid, beteuerte er vor Gericht. Er würde sich gerne entschuldigen. Trotz der Geständnisse muss die Kammer jetzt zur Untermauerung des Sachverhalts mehrere Zeugen hören. Man werde beraten, welchen Opfern die Konfrontation mit den Tätern zuzumuten sei.

Opfer leiden noch heute unter den Überfällen

Nicht mehr am Tatort weiterarbeiten konnte eine Verkäuferin, nachdem ihr die Räuber zu Jahresbeginn das „Backparadies“ in Kronshagen zur Hölle gemacht hatten. Weil die Frau nach dem Öffnen der Kasse mit 150 Euro Bargeld den Tresor nicht öffnen konnte, wurde sie mit dem Tode bedroht und leicht verletzt. Noch wochenlang litt sie unter Angstzuständen und Schlafstörungen.

Nicht besser erging es vor Weihnachten der asthmakranken Mitarbeiterin einer Kieler Spielhalle in der Eckernförder Straße. Rabiate Befehle wie „Auf die Knie! Runter! Schneller!“ und Drohungen wie „kein Ton, sonst steche ich dich ab!“ raubten ihr den Atem. Das Flehen der nach Luft ringenden Frau um ihre Medikamente ließ die Maskierten kalt. „Tresor öffnen!“, befahlen sie. Und erbeuteten 2670 Euro.

Erst am Vortag war ein Mitarbeiter des Parkhauses am Kieler Schloss überfallen und mit der Pistole bedroht worden. Nachdem ihm zwei Räuber am 12. Dezember im Kassenhäuschen 200 Euro und das Handy abgenommen hatten, musste er sich wie die meisten anderen Opfer auf den Boden legen. Die Ähnlichkeit der Tatabläufe diente den Ermittlern als Roter Faden.

Sachschaden überschritt Wert der Beute

Überwachungskameras hielten markante Staturen, Körperhaltungen und Bewegungen fest. Neben Kleidungsstücken und Schuhen trugen im umfangreichen Puzzle der Ermittler auch Fingerabdrücke und Blutspuren zur Aufklärung bei. Mehrmals verletzten sich die Einbrecher beim Klettern durch zerschlagene Glastüren.

Für den spektakulärsten Auftritt musste ein gestohlener Dienst-Lkw des 22-Jährigen herhalten: Der ehemalige DHL-Paketfahrer hatte den Schlüssel für einen Transporter unterschlagen, den die Bande vor Silvester vom Postgelände fuhr und brachial in die Fensterfront einer Aral-Tankstelle in Schönkirchen steuerte. Wie so oft überstieg der Sachschaden (22500 Euro) bei weitem den Wert der Beute (936 Euro). Insgesamt soll das Quartett bei mehr als 30 Überfällen 16000 Bargeld erbeutet haben.

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